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22.01.2008
 

Friedhof für HSV-Fans

Der Jüngste Tag wartet hinter der Westtribüne

Von Alexander Schwabe

Ein blauer Sarg mit Vereinsraute, die Träger im HSV-Dress, ein letztes Mal die Stadionhymne "Hamburg meine Perle" - und dann ab auf den Gottesacker gleich hinter der Westtribüne: So schön kann die Reise ins Jenseits sein, wenn man Fan des Hamburger Sportvereins ist.

Hamburg - Fans des FC St. Pauli nennen es gern das "Stadion hinter der Müllverbrennungsanlage". Der Fußball-Tempel des Hamburger Sportvereins steht dort, so wollen sie bedeuten, wo eigentlich niemand hin will: Wo der Abfall der Wohlstandsgesellschaft landet - und auch die HSV-Fans gehören dieser gehässigen Logik zufolge auf die Müllhalde.

HSV-Fan: Besondere Jenseits-Wünsche
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DPA

HSV-Fan: Besondere Jenseits-Wünsche

Ein HSV-Fan lässt sich das von einem Paulianer natürlich nicht sagen. Schon gar nicht, wenn er sich das im Umbau befindliche Stadion am Millerntor anschaut. Gleicht es doch eher einer Ruine als einer Arena. Das 55.000-Zuschauer-Teil draußen im Volkspark dagegen gehört zu den schicksten Stadien Deutschlands. Und wenn auf dieser Anlage Marodes einen Platz haben soll, dann dort, wo er, der Fan, selbst dafür sorgt: Indem er sich nämlich - wenn sein letztes Stündchen geschlagen hat - hier in die Erde legen lässt und höchst selbst vermodert.

Unterstützt von der Friedhofsgärnter-Genossenschaft und von der Steinmetz-Innung ist der Hamburger Sportverein tatsächlich dabei, für die Treuesten seiner Treuen einen Friedhof im Volkspark anzulegen. 500 Gräber entstehen nur 20 Meter hinter der Westtribüne, angeordnet in einem drei Ränge breiten stadionartigen Halbrund, nach oben gestuft mit einem Höhenunterschied von jeweils einem halben Meter. Die Preise liegen bei 500 Euro für die Reservierung eines Urnen-Grabes und bei 10.000 Euro für den Sofortkauf eines Doppelgrabes.

Der Medienrummel um den Fan-Friedhof hat begonnen. Reporter aus England, Japan, Irland, Belgien, Kroatien und Schottland wollten sich bereits ein Bild von dem humanen Endlager machen. Gerade erst war der größte russische Privatsender da. Demnächst wird der amerikanische Sport-Kanal ESPN aufkreuzen, und zur Eröffnung in ein paar Monaten hat sich CNN angemeldet. Es ist, als ob mit der Auferstehung der Toten gerechnet würde, bevor die ersten Fans unter der Erde sind.

Von ihnen haben etliche Interesse an einem Plätzchen auf dem Gottesacker neben dem Fußballfeld bekundet. Ein 81-Jähriger etwa, seit knapp 60 Jahren HSV-Fan, erwägt, hier zur letzten Ruhe gebettet zu werden - und nicht im Doppelgrab bei seiner Frau. Die Fan-Familie ist ihm wichtiger als die leibliche.

Ein anderer Anhänger des Clubs freut sich schon auf das HSV-Beerdigungspaket: auf einen blauen Sarg mit Vereinsraute. Die sechs Träger sollen einen HSV-Dress tragen: die drei links das weiße Heimtrikot, die rechts das blaue Auswärtstrikot.

Einem 44-jährigen Fan geht die finale Initiative des HSV nicht weit genug. Am liebsten würde er sich nicht hinterm, sondern im Stadion begraben lassen. Beim FC Barcelona und beim FC Everton ist das möglich. In Everton gibt es 800 Urnengräber rund ums Spielfeld, und einige Todgeweihte schweben bereits im siebten Himmel.

Der 44-jährige Hamburger hofft nun auf eine Liberalisierung des deutschen Bestattungsgesetzes. Die verzweifelte Seele wird erst dann Ruhe finden, wenn seine sterblichen Überreste einst direkt unterm heiligen Rasen zu liegen kommen. Bis eine Bestattung am oder unterm Spielfeld erlaubt sein wird, will der treue Fan, so hat er bekundet, für seine Urne eine Dauerkarte kaufen, und für den, der sie zu jedem Heimspiel ins Stadion trägt, gleich eine dazu. Zur Beerdigung wünscht er sich die "Ode an Ohlsdorf" von der Band Abschlach aus den Stadionlautsprechern oder die Hymnen "Hamburg meine (Fußball)-Perle" von Lotto King Karl und "HSV forever and ever".

Eines muss man dem Mann zugestehen: Er hat verstanden, dass die Standortfrage - besser: die Liegeplatzfrage - keineswegs ohne Belang ist. Fromme Juden etwa wollen unbedingt auf dem Ölberg in Jerusalem begraben sein. Denn der Messias kommt aus Jerusalem und wird in Richtung Ölberg wandeln. Dort werden sie die ersten sein, die ihn empfangen.

Gruft unterm Konrad-Adenauer-Haus

Fehlt nur noch, dass der HSV "uns Uwe" als Messias anpreist. Immerhin zeugt das pneumatische Element in seinem Nachnamen von einer gewissen Heils-Kompetenz. Außerdem hat er mit seinen Toren schon manchen Fan bereits zu Lebzeiten selig gemacht.

Damit nicht nur Freunde des runden Leders den Jüngsten Tag dort erwarten dürfen, wo sie sich heimisch fühlen, sollte das Modell Fan-Friedhof schnellstmöglich auf andere Felder übertragen werden. SPD-Mitglieder etwa gehören unbedingt unter den Klängen von "Völker hört die Signale" hinterm Willy-Brandt-Haus beerdigt. Die Parteifreunde von der CDU könnten ihre letzte Heimat in einer Gruft unterm Konrad-Adenauer-Haus finden. Die Union allerdings dürfte eine derartige Praxis so lange wie möglich hinausschieben. Denn die Mitglieder von "C"-Parteien wissen: Die letzten werden die ersten sein.

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insgesamt 13 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
25.01.2008 von dikon:

Heißt euer Stadion echt noch so wie in der guten alten Zeit? Naja, als Ruhrpötter ist ein Spiel auf Asche eher Vergangenheitsbewältigung. Allerdings, woher die "Rote Erde" letztlich kam, (also ob mal einer in den [...] mehr...

25.01.2008 von Querschläger:

[Ironiemodus an] Es wird zumindest eine Bestattung der kurzen Wege - denn zum Einäschern kann man ja die gleich neben dem ehemaligen Volksparkstadion befindliche Müllverbrennungsanlage nutzen. [Ironiemodus aus] mehr...

23.01.2008 von Seifert:

Ich sehe es schon kommen:Gelsenkirchen und München werden zu klein!! mehr...

23.01.2008 von thunderhand: Aber klar doch-lach

Da kommen den Vereinen wenn sie absteigen die Fans wenigstens nicht abhanden Wenn das allerdings zukünftig Mode auch im Schwimmen und in meinem Schwimmbad wird-also Schlammbäder mag ich nicht... mehr...

22.01.2008 von joschid:

Ist doch in Ordnung. Das Totsein ist schon traurig genug, da muß man nicht noch auf einem deutschen Friedhof beerdigt sein. Meinetwegen soll den Leuten auch erlaubt sein, ihre Urne in iher Stammkneipe abstellen zu lassen. mehr...

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