Von Peter Unfried
Dass der HSV deutscher Meister wird, kann nun wirklich niemand verlangen. Insofern sollte man das mühsame 1:1 gegen Hannover 96 zum Rückrundenauftakt nicht als Ausstieg aus dem Titelrennen interpretieren. Bitte: Der Hamburger SV topplatziert – und das in drei Wettbewerben. Immerhin der DFB-Pokal könnte tatsächlich am Ende rausspringen. Es wäre der erste Titel seit 1987. Dafür müßte man zunächst das Viertelfinale beim VfL Wolfsburg gewinnen. Unternehmerisch entscheidender ist eine Qualifikation für die (Qualifikation für die) Champions League.
HSV-Trainer Stevens: "Ohne Leidenschaft"
Das Spiel bei den punktgleichen Leverkusenern am Wochenende wird Indizien liefern, wie erfolgreich die Abschiedsrunde von Trainer Huub Stevens und Kapitän Rafael van der Vaart werden wird. Stevens übernahm ja vor einem Jahr als Nachfolger von Thomas Doll auf Position 18. Am Ende war man Siebter. Und Stevens hat den als schwierig geltenden Kader im Griff. Alles pariert. Bisher. Er kann aber halt auch wirklich böse gucken, wenn er es drauf anlegt.
Zwei Dinge werden neben dem Parieren entscheidend sein. Erstens: Das Team spielt ja nun nicht mehr den schönen Tempofußball des herausragenden Doll-Jahres 2006, ist aber gut organisiert, diszipliniert und dadurch hinten sehr stabil. Das muss so bleiben. Zweitens: Van der Vaart muss eine gute Rückrunde spielen. Die HSV-Offensive ist extrem abhängig vom Kapitän – die Vorarbeit zu Olic' Ausgleichstreffer gegen 96 war sein vierter Assist. Dazu kommen neun Tore. Stevens tut alles, damit sein niederländischer Landsmann als Heldenfußballer glänzen kann. Diesmal gelang das nicht. Der HSV verbuchte eine schwache erste Halbzeit und musste für Stevens' Verhältnisse nach der Pause Vabanque spielen – also mit zwei Stürmern. "Wenn man ohne Leidenschaft spielt", knurrte Stevens hinterher, "kann es sein, dass man mit einem Unentschieden zufrieden sein muss." Und Platz vier plötzlich als Problem gilt.
Die Club-Führung mit Hoffmann, dem Sport-Manager Dietmar Beiersdorfer und Katja Kraus ist anders als die der Konkurrenz. Um es simpel zu sagen: Hoffmann ist ein Kaufmann, der in Werbeslogans redet und den Club als "Freudeherstellungskonzern" definiert. Beiersdorfer ist ein Fußball-Intellektueller, der leise spricht und sich kaum inszeniert. Und Kraus ist total anders – nämlich eine Frau. Wie weit kann man es mit dieser Kombination bringen? Auch das ist eine spannende Frage.
Hoffmann sieht die entscheidende Weiche in der Entscheidung über eine Ausgliederung des Profifußballs aus dem Gesamtverein. Dafür braucht er eine Zweidrittel-Mehrheit der über 50.000 Mitglieder. Im Frühjahr will er nochmal dafür werben, nachdem er bereits einmal, im Juni 2005, gescheitert ist. Schwierigkeiten bereiteten der Vereinsführung dabei immer wieder die organisierten HSV-Fans (Supporters Club), etwa mit einem Eklat bei der Mitgliederversammlung im Dezember 2006.
Das nämlich ist die entscheidende Lücke, in die Hoffmann stoßen könnte – der Aufbau eines Großclubs der Herzen als Gegenentwurf zu Klinsmanns FC Bayern. Für all jene Fach-, Fernseh- und Unterhaltungskundschaft, denen Werder auf Dauer dann doch zu fad ist, Schalke zu prollig und zu Gazprom, der VfB Stuttgart zu schwäbisch. Und 1899 Hoffenheim zu wenig 1899.
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