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Arsenal-Dribbler Hleb "Eine Saison in England fühlt sich an wie zwei in der Bundesliga"

2. Teil: "Auf dem Trainingsplatz ist Lehmann gewöhnungsbedürftig"

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie privaten Kontakt zu Michael Ballack?

Hleb: Wir treffen uns manchmal zum Essen. Ich mag ihn sehr. Er hatte es anfangs nicht einfach. Aber er hat sich durchgeboxt - und wie! Er hat sich mit seinem internen Auftreten großen Respekt verschafft. In London erzählt man sich, dass Ballack, nachdem ihn ein Mitspieler anonym in der Öffentlichkeit kritisiert hatte, intern auf dem Putz gehauen, indem er den Mitspielern in der Kabine seine Meinung gesagt hat. Mittlerweile wissen bei Chelsea alle, dass er ein super korrekter, ehrlicher Typ ist. Nur das zählt am Ende.

SPIEGEL ONLINE: Sie sagen, Wenger habe Sie aufgebaut. Ist er eher Freund als Mentor für Sie?

Hleb: Nein. Dafür habe ich zu viel Respekt vor ihm. Während des Trainings traut sich niemand einen Ton zu sagen. Alle wissen, dass wir unseren Job sehr diszipliniert machen müssen. Sobald die Arbeit vorbei ist, machen wir zusammen Witze. Wenn wir gewonnen haben, trommeln und tanzen die Afrikaner in der Kabine. Da macht er dann mit. Er ist sehr intelligent, spricht Französisch, Englisch, Deutsch, sogar auf chinesisch kann er sich unterhalten. Gleichzeitig ist er sich aber nicht zu schade, auf jeden einzelnen Spieler einzugehen. Er erklärt uns jede seiner Entscheidungen. Vor dem Spiel gegen Newcastle kam er zu mir und sagte, dass ich eine Pause brauche, nicht spielen werde. Ich war enttäuscht, sagte, ich sei überhaupt nicht müde. Gerade jetzt, wo es so super läuft bei mir. Auf seine ruhige, freundliche Art, erklärte er mir seine Entscheidung. Ich akzeptierte es. Anders als in Stuttgart. Bei Felix Magath wusste ich selten, woran ich bin.

SPIEGEL ONLINE: Ist Magath strenger als Wenger?

Hleb: Viel strenger! Wenger ist der beste Trainer meiner Karriere. Kürzlich hat er sogar zu mir gesagt, ich solle meiner Frau herzlichen Dank von ihm ausrichten. Er wisse, dass sie mir mein Selbstvertrauen zurückgegeben hätte und dass das etwas ganz Wertvolles sei. Ich war völlig überrascht, dass er sich über so etwas Gedanken macht. Aber er hat Recht. Seitdem ich vor einem Jahr geheiratet habe, meine Frau aus Weißrussland zu mir gezogen ist, fällt mir vieles einfacher.

SPIEGEL ONLINE: Arsenal gilt seit dem Weggang von Henry als Team der "Jungen Wilden"...

Hleb: Dieser Wandel ist nicht aus der Not heraus entstanden. Es ist schon über mehrere Jahre die Vereinspolitik, nicht mehr auf einzelne Superstars zu bauen, sondern junge Spieler langsam aufzubauen und so die Unabhängigkeit zu bewahren. Beständigkeit ist die Grundphilosophie Arsenals. Das fängt beim immer gleichen Taxifahrer an, bei den Trainingszeiten, bei den immer gleichen Übungen im Training, bis hin zum Spielaufbau.

SPIEGEL ONLINE: Ihr spanischer Teamkollege Cesc Fábregas wird schon als nächster Superstar gehandelt.

Hleb: Zu Recht. Er spielt schon mit 20 Jahren so intelligent und überlegt, beneidenswert. Aber er hat keine Star-Allüren. Ich kenne ihn gut, wir sind auch privat befreundet. Gehen oft zusammen essen oder in eine Bar. Dann macht er auf Rap-Star. Cesc ist ein positiv Verrückter.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie während Ihrer Phase der Selbstzweifel auch mit Mentaltrainern gearbeitet?

Hleb: Nein. Wir haben zwar einen Psychologen, der immer fragt, ob alles okay ist. Aber bis auf den gewöhnlichen Smalltalk habe ich mich noch nicht viel mit ihm unterhalten.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist Ihr Verhältnis zu Lehmann?

Hleb: Als ich noch in Stuttgart spielte, haben viele gesagt, dass er ein ziemlich schwieriger Typ sei. Aber das stimmt nicht. Er hat ein gutes Herz. Solange wir über Privates sprechen. Steht er aber auf dem Trainingsplatz, wird er zu einem anderen Menschen. Wie er da auftritt, ist manchmal gewöhnungsbedürftig. Das habe ich ihm auch schon öfter gesagt.

SPIEGEL ONLINE: Was hat er geantwortet?

Hleb: Dass ich zu akzeptieren habe, was er sagt.

SPIEGEL ONLINE: Warum ist Lehmann nicht mehr die Nummer 1 bei Arsenal?

Hleb: Ich glaube nicht, dass das Teil eines großen Plans von Wenger war. Jens hatte am Anfang der Saison ein paar Probleme, auch verletzungsbedingt, deshalb hat Manuel Almunia seine Chance bekommen. Er hat sie genutzt. Almunia ist sehr beliebt in der Mannschaft. Er ist sehr freundlich und hilfsbereit. Ich verstehe Jens. Er hat schon so viel erreicht, will bei der EM spielen. Am Anfang war er sehr sauer. Er hat gar nicht mehr gesprochen. Aber er ist sehr professionell, hat immer weiter gearbeitet und auf seine nächste Chance gewartet.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind in dieser Saison so stark wie nie. Wenger sagt, er sei begeistert von Ihrer Leistung.

Hleb: Ganz zufrieden mit mir bin ich noch nicht. Aber ich glaube wieder an mich. Jedes Tor, jeder gelungene Pass gibt mir neue Kraft. Dann fühle ich mich so frei, als ob ich fliegen könnte. Und denke manchmal - das einzige, was mir jetzt noch zum großen Glück noch fehlt, ist ein Kind.

Das Interview führte Cathrin Gilbert

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