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Kaiserslautern-Krise Eiszeit in der Hölle

2. Teil: Die Ära Friedrich und Wieschemann - mit dem Konkursverwalter Richtung Konkurs - trotz Meisterschaft mit Otto Rehhagel

Den letzten unzweifelhaft sportlich kompetenten Vorstand leitete nach dem Abstieg 1996 der ehemalige FCK-Kapitän Jürgen "Atze" Friedrich. Um ihn und den Konkursverwalter Dr. Robert Wieschemann gruppierte sich das "Team Professionelle Zukunft". Die Truppe bugsierte auf der Mitgliederversammlung am 9. Juli 1996 Norbert Thines aus dem Amt und teilte in einer neu geschaffenen Struktur – der Vorstand sollte fortan nur noch repräsentieren, der Aufsichtsrat entscheiden – die Posten unter sich auf.

Ex-Spieler West, Lincoln (o.): Zahlungen für Persönlichkeitsrechte
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Ex-Spieler West, Lincoln (o.): Zahlungen für Persönlichkeitsrechte

Mit seinem Verhandlungsgeschick gelang es Friedrich, den in München geschassten Otto Rehhagel nach Kaiserslautern zu lotsen: "Ich weiß, Otto, bei Bayern haben sie dich gerade rasiert, und wir spielen nur 2. Liga. Aber ich sag’ dir, das wird gut." Otto fand das auch – und es wurde sogar noch besser. Mit einem gefestigten Kader war das Jahr 2. Liga lediglich Formsache. Die Mitgliederzahl des FCK stieg auf über 7500, und in der Saison 1997/98 wurde der Club nach einem Parforceritt als erster Verein der Bundesligageschichte nach dem Aufstieg Deutscher Meister.

Kaiserslautern lag Friedrich zu Füßen. Doch wie so oft bei Erfolgsgeschichten mit epochalen Ausmaßen dräute auch hier am Horizont schon der Niedergang – der des FCK und sein persönlicher. Im Februar 2008, keine zehn Jahre später, sitzt Friedrich mit seinem ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Wieschemann in dessen schmucklosem Büro unterhalb der Autobahn in einem Industrieviertel von Kaiserslautern. Regale voll mit Aktenordnern. Eine Sekretärin mit toupierten Haaren steht am Kopierer. Wieschemann raucht Marlboro. Zwei Ordner liegen auf dem Tisch: Die minutiöse Dokumentation eines der spektakulärsten Prozesse in der Bundesliga-Geschichte.

Friedrich und Wieschemann sehen sich als Opfer eines Justizirrtums. Für viele in Kaiserslautern gelten sie jedoch als die Totengräber des Vereins. Großmannssucht und Größenwahn hat man ihnen vorgeworfen. 2005 verurteilte das Landgericht Kaiserslautern Friedrich zu einer Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung auf Bewährung, Wieschemann wegen Beihilfe zu einer Geldstrafe. Der Grund: Bei Transfers von Spielern wie Taribo West, Lincoln oder Jeff Strasser wurden Zahlungen für Persönlichkeitsrechte ins Ausland fällig, die nach Auffassung des Gerichts zum Teil unversteuert wieder in die Taschen der Spieler gewandert seien.

Die Gerichte gingen davon aus, dass die Angeklagten dieses Verfahren aktiv genutzt hätten, um hochkarätige Spieler zu einem deutlich verringerten Gehalt in die strukturschwache Pfalz zu locken. Durch diesen Bauerntrick hofften sie, mit den großen Clubs mitzuhalten. Ein Steuerdelikt: verdeckte Gehaltszahlungen. Das Gericht stützte sich dabei vor allem auf Zeugenaussagen unter anderem von Taribo West. Friedrich führte die Verhandlungen mit Spielern fast immer allein.

Friedrich und Wieschemann weisen jegliche Schuld von sich, schließlich hätten sie stets im Interesse des Clubs gehandelt, und die Zahlungen seien offiziell durch die Bücher des Vereins gelaufen. In seiner Urteilserklärung bescheinigte das Gericht den Angeklagten zumindest, sich nicht persönlich bereichert zu haben. Friedrich sagt: "Wir waren immer der Meinung, nach unserem rechtlichen und kaufmännischen Empfinden das Richtige zu tun – aber das war ein Irrglauben. Taribo West war doch informiert und hat es auch unterschrieben: Nach Paragraf IV erhält der Spieler von diesen Zuwendungen nichts."

Die persönlichen Folgen des Urteils waren verheerend: Friedrich musste die Privatinsolvenz antreten, sein Sohn flüchtete aus Angst vor Anfeindungen nach Brasilien. Wieschemanns Ruf als integrer Anwalt war fortan ebenso angeknackst wie seine Gesundheit. Noch heute wird seine Enkeltochter von Mitschülern gehänselt, das Auto, das ihr Vater fahre, gehöre dem FCK. Kleinstädte können grausam sein.

Lesen Sie am nächsten Montag im zweiten Teil: Wie Lautern trotz Stars wie Mario Basler und Michael Ballack in die Krise stürzte und wie der aktuelle Vorstand doch noch die Kurve kriegen will.

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