Frankfurt am Main - Das Bundeskartellamt stellt außer dem Vertrag zwischen der Deutschen Fußball Liga (DFL) und der Kirch-Tochter Sirius im Zuge der TV-Vermarktung ab 2009 auch die Zentralvermarktung der Medienrechte insgesamt auf den Prüfstand. Daraufhin machten sich heute DFB-Präsident Theo Zwanziger und Ligaverbands-Boss Reinhard Rauball auf den Weg nach Bonn, um in Gesprächen mit den Spitzen des Kartellamts die auch durch die Hausdurchsuchungen bei Verband und Liga in den letzten Wochen aufgekommenen Irritationen aus dem Weg zu räumen.
Kameramann in der Allianz-Arena (Archiv): Neuer Wirbel in der Liga
Zuvor hatte Dr. Ralph Langhoff, der Vorsitzende der 6. Beschlussabteilung des Bundeskartellamts, dem "Kicker" erklärt, dass die zentrale TV-Vermarktung in der aktuellen Form gegen Kartellrecht verstoße: "Die Zentralvermarktung von Medienrechten hat dieselbe Wirkung wie ein Preiskartell."
Nachdem Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor knapp zwei Wochen wegen der Zentralvermarktung beim Kartellamt vorstellig geworden war und die DFL-Führung zuletzt dem Kartellamt die nötigen Unterlagen über den neuen TV-Vermarktungsvertrag zur Prüfung hatte zukommen lassen, schickte Langhoff nun einen vierseitigen Fragebogen an die Lizenzclubs.
Bis zum 19. März will das Kartellamt beispielsweise wissen, welche Rechte für den Fall der Einzelvermarktung schon an Agenturen abgetreten wurden. Nach Meinung des Kartellamts verstößt die Zentralvermarktung "gegen Art. 81, Abs. 1 EG bzw. 1 GWB, da dadurch die Vereine daran gehindert werden, eigenständig mit Fernseh- und Radiobetreibern und/oder Sportrechteagenturen zu verhandeln und ihre Rechte eigenständig zu verwerten".
Rummenigge bezeichnete zuletzt die zentrale Vermarktung als " wichtiges Gut", erklärte aber zugleich, dass man innerhalb der Liga die "Parameter überprüfen" müsse. Nach Angaben des Kartellamts sei eine Fortführung der Zentralvermarktung aber nur dann zu gewähren, wenn die kleineren Vereine stärker an den TV-Honoraren beteiligt werden.
Rummenigge verteidigte seinen Vorstoß damit, dass er "mit offenen, sauberen Karten gespielt" habe. Der Bayern-Boss betonte zudem, die Einzelvermarktung "brächte Bayern viel Geld" und man müsse auch darauf achten, "dass deutsche Spitzenclubs in der Champions League mitspielen können". Die übrigen Clubs interessiert aber nicht die Chancengleichheit in der Königsklasse, sondern die Wettbewerbsfähigkeit aller Bundesliga-Clubs.
"In Italien hat die Einzelvermarktung der Attraktivität der Liga mehr geschadet als genutzt", sagte Nürnbergs Manager Martin Bader, der sich zwar wie Rummenigge eine Überprüfung des Verteilungsschlüssels wünscht, allerdings in die genau entgegengesetzte Richtung: "Vereine, die in internationalen Wettbewerben vertreten sind, erzielen ohnehin höhere Einnahmen durch Zuschauer, Sponsoren, Fernsehgelder im Europacup und Transfererlöse."
Der selben Meinung ist auch Bochums Aufsichtsratschef Werner Altegoer, der ebenfalls einen neuen Verteilungsschlüssel fordert: "Es muss insofern geändert werden, dass er weniger kopflastig zugunsten der in der Tabelle oben angesiedelten Vereine ausgerichtet wird. Rummenigges Wünsche gehen zudem am Thema vorbei, denn die nationalen TV-Gelder haben nichts mit den internationalen Wettbewerben zu tun."
fpf/sid
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