Die Kombination klang vielversprechend. Mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und Leo Kirch hatten sich zwei wirtschaftliche Schwergewichte mit reichlich Erfahrung zusammengetan, um den deutschen Fußball-Fernsehmarkt der Zukunft nach ihren Vorstellungen aufzuteilen. Doch nun könnte das Bundeskartellamt den milliardenschweren Rechtepoker empfindlich stören.
Zunächst muss die DFL ihre Zeitpläne für die Vergabe der Rechte der Saison 2009/10 kippen. "Solange beim Kartellamt noch Informationsbedarf besteht, macht es keinen Sinn, die Rechte einfach so auf eigenes Risiko auszuschreiben. Natürlich gibt es einen gewissen Zeitdruck. Aber im Moment ist es schwierig, ein konkretes Datum zu nennen", sagte Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung, heute. Ursprünglich wollte die DFL die verschiedenen Rechte-Pakete spätestens in diesem Frühjahr ausschreiben.
Alles schien schon in trockenen Tüchern. Ab 2009 werden die Fernseh-Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga neu vergeben. Der altbekannte Medienmogul Kirch erhielt mit seiner Firma Sirius von der DFL den Zuschlag als Rechteverwerter. Der Aufschrei in der Öffentlichkeit war groß, handelt es sich doch um eben jenen Kirch, der 2002 mit einer Milliardenpleite die Liga fast in den Ruin getrieben hätte.
Doch der alte neue Geschäftspartner garantierte 500 Millionen Euro per annum, bei einer Laufzeit von sechs Jahren. Nun kann sich das mit viel öffentlichem Brimborium zustandegekommene Machwerk als Bumerang erweisen, dessen Folgen für den deutschen Profifußball noch nicht absehbar sind. Das Zünglein an der Waage ist das Kartellamt, das vorige Woche allen Clubs aus erster und zweiter Liga einen delikaten Fragebogen zugesendet hat, den diese bis zum 19. März zurücksenden sollen.
"Wir prüfen kartellrechtlich die Zentralvermarktung und das geplante Product Joint Venture", bestätigte Kartellamtssprecherin Silke Kaul SPIEGEL ONLINE.
DFL-Geschäftsführer Seifert entgegnete heute: "Das Kartellamt hat selbst gesagt, dass es im Moment keinen Grund gibt, warum die Zentralvermarktung in der Bundesliga kippen sollte. Das sind derzeit reine Spekulationen. 16 von 20 Profiligen in Europa vermarkten zentral, dazu kommen demnächst noch Italien und Griechenland." Die wichtigsten Beteiligten der zukünftigen Berichterstattung auf Seiten der Medien stehen der Kontrolle dagegen durchaus positiv gegenüber.
An erster Stelle steht in der Verwertungskette das Bezahlfernsehen, das die höchste Summe beisteuert. Derzeit ist das der Pay-TV-Sender Premiere, der vor allem gegen das vom Kartellamt ebenfalls zu prüfende Vorhaben Sturm läuft, dass die DFL und Kirchs Sirius die Ware Bundesliga möglichst lange in der Hand behalten wollen. Die beiden Partner wollen dem Meistbietenden ein fertiges Programm verkaufen - sie versprechen sich davon, dass dann auch Telekommunikationsfirmen und Kabelnetzbetreiber um die Rechte mitbieten werden.
"Eine von Sirius und der DFL produzierte Einheitsberichterstattung lehnen wir kategorisch ab", sagt hingegen Premiere-Sportvorstand Carsten Schmidt. "Unsere Abonnenten haben ein Recht auf weiterhin hundertprozentig unabhängige Reportagen und Meinungen. In diesem Punkt sind wir zu keinerlei Kompromissen bereit." Auch der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken, hält das von Sirius/DFL lancierte Konstrukt mit einer freien Berichterstattung für unvereinbar: "Die mediale Vielfalt ist in Gefahr, es wäre ein reines PR-Produkt, ohne kritische Aspekte."
Ein weiteres Problem für den Bezahlsender ist die zeitnahe Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, denn die ARD sendet ihre "Sportschau" bereits um 18.30 Uhr. Ihr Programmdirektor Günter Struve ist sich sicher, dass diese Festung gehalten werden kann. "Die zeitnahe Berichterstattung bleibt überaus wichtig, denn schließlich trifft eine Erstverwertung im Free-TV in den späten Abendstunden vor allem die Fußball-Fans und die Kinder. Spielraum gibt es deshalb für uns nicht", fordert er die Einbehaltung des Status Quo.
Free-TV-Anbieter wie ARD, ZDF, Sat 1, RTL und DSF können ihre Berichterstattung auch weiterhin selbst aufbereiten. Die ARD und auch der Spartensender Deutsches Sportfernsehen könnten sogar Profiteure der ganzen Angelegenheit werden. Denn das Kartellamt prüfe, so Kaul, "Vorteile, die dem Verbraucher erwachsen können". Dabei sei es unumgänglich, "Rechtepakete aufzuspalten". Bei der Rechteausschreibung 2005 für die Spielzeiten 2006 bis 2009 hat die DFL den damals 35 Nachfragern 233 Pakete offeriert. Auch diesmal dürften es mindestens 200 sein. So ist auch ein 20.15-Schlagerspiel für den Samstagabend in einigen der zahlreichen Wundertüten enthalten, prädestiniert für die Prime-Time im Free-TV.
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Das wöchentliche Fussballspektakel gönne ich mir nur, weil es die Sportschau wieder gibt. Dass die Rechte zu teuer eingekauft wurden, stört mich allerdings ebenfalls. Noch mehr, dass wir als Zuschauer der DFL/DFB- Connection [...] mehr...
Hab zwar Premiere - auch wegen der grottenschlechten Übertragungen mit Johannes B.(ufftera) Kerner und Bela Rethy, aber es ist schon dreist, was ARD und ZDF angesichts von über 6,4 Mrd. € (6.400 Millionen Euro)mit den [...] mehr...
Ich verzichte ebenso, da ich auch gar keinen Fernseher mehr habe. Aber eines finde ich doch immer noch seltsam: Die Begriffe "deutsch" und das Spiel "Fußball" lassen sich rechtlich nicht schützen, weil es [...] mehr...
Ist ja eh langweilig wenn der FCB immer dabei ist.....aber premiere kann mich auch mal mehr...
So wie ich den Artikel verstanden habe, geht es "nur" um die Live-Übertragungen. Die Zusammenfassungen laufen weiter bei den ÖR, ein Totalverzicht ist nicht notwendig. mehr...
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