Frage: Herr Dickel, Sie waren einer der Hauptakteure beim letzten Pokalsieg des BVB 1989. Im Finale gegen Bremen schossen Sie zwei Tore, darunter ein Volley-Traumtor zum 3:1. Der beste Moment Ihrer Karriere?
Dickel: Zweifelsohne. So ehrlich muss ich sein, das war schon etwas ganz Besonderes. An dem Tag hat alles gepasst, das war wunderbar.
Frage: Bremen galt damals mit Rune Bratseth, Frank Neubarth und Karl-Heinz Riedle als Favorit. Dortmund verlagerte sich auf Konter - mit Erfolg. Welche Chancen hatten Sie sich selbst auf den Sieg ausgerechnet?
Dickel: Bremen hatte damals natürlich eine Riesensaison gespielt, und dass das nicht einfach wird, war uns klar. Als die Bremer das 1:0 geschossen haben (durch Kalle Riedle, Anm. d. Red.), dachten wir natürlich schon: "Oh Scheiße", das wollten wir natürlich vermeiden. Aber als wir den Ausgleich gemacht haben und mit 1:1 in die Pause gegangen sind, haben wir gesagt "Was soll’s? Jetzt sind es noch 45 Minuten, und es ist alles in Ordnung, jetzt können wir angreifen". Vielleicht haben wir dann einfach mehr Mut gehabt, dagegen zu halten, und im Kopf war die Blockade weg, dass Bremen der übermächtige Gegner ist.
Frage: Gibt es denn auch in diesem Jahr gegen den FC Bayern Chancen, am vergangenen Sonntag musste der BVB eine 0:5-Pleite in München hinnehmen?
Dickel: Immer. Absolut. Es gab noch nie eine Mannschaft, die in der einen Woche sehr hoch gewinnen und das in der nächsten Woche wiederholen konnte. Wir haben eine Außenseiterchance, es steht nicht 0:5, sondern 0:0. Ich bin sehr optimistisch, dass die Mannschaft es schafft, sich nicht noch mal so zu präsentieren wie am vergangenen Sonntag.
Frage: Kann das Debakel auch ein Weckruf zur richtigen Zeit gewesen sein?
Dickel: Könnte sein, ja. Insofern ist so ein 0:5 auch besser als ein 0:1. Jetzt sind wirklich alle wach, und jeder muss sich an den eigenen Kopf fassen und sich sagen: "So geht's nicht". Es fahren 30.000 bis 40.000 Dortmunder nach Berlin, da müssen wir uns anders präsentieren.
Frage: Die Begeisterungsfähigkeit des Dortmunder Publikums ist ja bekannt. Trotzdem war es für Außenstehende doch auch erstaunlich, mit welcher Leidenschaft der Finaleinzug gegen Jena gefeiert wurde. Wie groß ist die Sehnsucht nach einem Titel?
Dickel: Danach lechzen die Fans von Borussia. Sie möchten einfach gerne einen Titel haben. Das möchte jeder Verein gerne, aber dadurch, dass 95, 96, 97 und 2002 Titel da waren, weiß jeder, wie schön das ist und möchte das wiederhaben. Und deswegen sind alle hier so heiß auf das Endspiel.
Frage: Könnte eine ähnliche Kontertaktik wie 1989 auch dieses Mal zum Erfolg führen? Oder ist die BVB-Defensive dafür zu anfällig?
Dickel: Wir haben viele Tore reingekriegt, das ist schon richtig. Aber die Bayern sagen ja selbst, dass sie gegen Mannschaften nicht zurechtkommen, die hinten drin stehen. Das ist normalerweise nicht meine Denke von Fußball, aber wir sollten aus einer kontrollierten Defensive agieren und Spitzen setzen. Dann, glaube ich, sind auch die Bayern anfällig.
Frage: Nach dem Pokalsieg 1989 ging es für die Borussia mit einer kurzen Unterbrechung (Platz zehn in der Saison 1990/91) steil bergauf. Braucht der Verein vielleicht wieder einmal eine Initialzündung?
Dickel: Ja. Das kann eine Initialzündung werden, weil die Konstellation ähnlich ist wie 1989. Wir haben jetzt eine Durststrecke finanzieller Art hinter uns und sind wieder auf dem aufsteigenden Ast, so war es 89 auch. Vielleicht ist das so, dass man jetzt wieder durchstartet, auch wegen der internationalen Spiele unter der Woche, die für jeden etwas Besonderes sind. Natürlich müssen sich dafür alle am Riemen reißen, unsere Defensive muss besser spielen als zuletzt, dann bin ich zuversichtlich, dass das eine Riesengeschichte werden kann.
Frage: Sie sind inzwischen Stadionsprecher, Eventmanager und Webradio-Kommentator für den BVB. In welcher Eigenschaft werden Sie das Spiel denn erleben?
Dickel: Als Stadionsprecher und Radiokommentator.
Frage: Ach, Sie dürfen auch in Berlin die Ansagen machen?
Dickel: Ja, für die BVB-Fans. Für die andere Seite übernimmt das der Stadionsprecher der Bayern.
Frage: Und wie können Sie da gleichzeitig kommentieren?
Dickel: Wenn Ansagen kommen, gebe ich schnell ab an meinen Freund Boris Rupert, mit dem ich das Web-Radio gemeinsam mache.
Die Fragen stellte Fabian Jonas.
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