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24.04.2008
 

Harte Strafe

Acht Punkte Abzug für TuS Koblenz

Drastische Sanktionen für TuS Koblenz: Wegen eines Verstoßes gegen die Lizenzauflagen werden dem Fußball-Zweitligisten mit sofortiger Wirkung acht Punkte abgezogen. Die Bestrafung des Clubs könnte die Rettung für den 1. FC Kaiserslautern bedeuten.

Hamburg - Zweitligist TuS Koblenz ist von der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit dem Abzug von acht Punkten in der laufenden Saison bestraft worden. Dies ist der höchste Punktabzug in der Bundesliga-Geschichte. Außerdem wurde eine Vertragsstrafe von 200.000 Euro verhängt. Die Bestrafung "erfolgte aufgrund nicht vorgelegter Verträge im Bereich des Spielbetriebs, die von erheblicher wirtschaftlicher Relevanz im Lizenzierungsverfahren für die aktuelle Spielzeit gewesen sind", heißt es in einer Pressemitteilung der DFL.

Koblenzer Pektuerk: Es droht die dritte Liga
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Koblenzer Pektuerk: Es droht die dritte Liga

Genauer geht es nach Angaben der TuS um zwei Transferverträge mit den Spielern Marko Lomic und Branimir Bajic, die der DFL angeblich vorenthalten wurden. In einer Pressemitteilung des Vereins hieß es, dass dieser Verstoß aus der Amtszeit des damaligen TuS-Geschäftsführers Hermann Gläsner datiere. Gläsner habe die Verträge kurz nach Saisonbeginn bei Nachverhandlungen maßgeblich verändert und dem abgebenden Verein eine wesentlich höhere Transfersumme zugesichert, ohne den Aufsichtsrat der TuS Koblenz GmbH davon in Kenntnis zu setzen. Die Verträge sollen nach der fristlosen Kündigung Gläsners entdeckt und die dort angegebene Transfersumme umgehend von Sponsoren und dem Aufsichtsrat der TuS ausgeglichen worden sein. "Es ist niemandem ein Schaden entstanden. Insofern steht der Punktabzug in keinem Verhältnis zu dem, was in der Vergangenheit schon bei anderen Vereinen passiert ist oder derzeit passiert", sagte TuS-Aufsichtsratsvorsitzender Walterpeter Twer.

Die Gremien der TuS Koblenz werden in den kommenden tagen über das weitere Vorgehen beraten. Ein Rechtsanwalt wurde eingeschaltet. Geschäftsführer Wolfgang Loos: "Das ist ein Strafmaß, das in keinem Verhältnis zum Vergehen steht." Auch die sportliche Leitung beschwerte sich: "Das ist ein Drama. Der Klassenerhalt ist damit in Frage gestellt", sagte TuS-Trainer Uwe Rapolder. "Es ist für uns jetzt eine psychisch extrem schwierige Situation, denn wir hatten den Klassenerhalt praktisch schon sicher. Aber wir sind weiter hochmotiviert und werden uns nicht von unserem Weg abbringen lassen", so der 49-Jährige. Sein Team muss in den verbleibenden Partien noch in Paderborn, Hoffenheim und Aachen antreten und empfängt Wehen sowie Aue.

Durch die Sanktion fällt der Club vom achten auf den 14. Platz und steht nur noch drei Punkte vor dem 1. FC Kaiserslautern, der als 15. auf dem ersten Abstiegsrang liegt. Fünf Spieltage vor Ende der Saison gibt es somit neue Hoffnung für den Traditionsverein, den Sturz in die neugeschaffene dritte Liga zu vermeiden.

"Irgendwie kann ich mich darüber nicht freuen, denn das ist bitter für einen Club. Außerdem wollen wir den Klassenverbleib sportlich schaffen - alles andere würde uns nicht gefallen", sagte FCK-Vorstandschef Stefan Kuntz, der bis April 2006 als Manager in Koblenz tätig war. Lauterns Trainer Milan Sasic hatte vor Verkündung des Urteils der Tageszeitung "Die Rheinpfalz" gesagt: "Ich wünsche der TuS Koblenz nichts Schlechtes. Ich habe alles für den Verein getan. Aber wenn diese Nachricht stimmt, wäre das für den 1. FC Kaiserslautern eine neue Ausgangssituation. Dann ist mir die Hose näher als das Hemd."

DFL-Geschäftsführer Christian Müller begründete das Urteil folgendermaßen: "Aufgabe der DFL ist es unter anderem, mit Hilfe des Lizenzierungsverfahrens die Grundlage für einen fairen und spannenden Wettbewerb zu sichern. Es ist daher im Sinne der Gemeinschaft der 36 Profi-Clubs nicht hinnehmbar, wenn dieses europaweit als vorbildlich angesehene System durch Täuschung ad absurdum geführt wird."

Müller weiter: "Mit der Bestrafung noch in der laufenden Spielzeit trägt die DFL dem Grundsatz Rechnung, dass die Konsequenzen für Verfehlungen in derselben Saison wie die Verfehlung selbst zu tragen sind und die Integrität des Wettbewerbs soweit möglich wiederhergestellt wird."

Bislang hatten DFB oder DFL den SSV Reutlingen (2002/2003: sechs Zähler), den 1. FC Nürnberg (1995/1996: sechs), Dynamo Dresden (1993/94: vier), Hertha BSC Berlin (1995/1996: drei), den FC Gütersloh (1996/1997: drei), den 1. FC Kaiserslautern (2003/2004: drei), Kickers Offenbach (1984/85: zwei) und Eintracht Frankfurt (1999/2000: zwei) zu einem Punktabzug verurteilt.

Auf die Lizenzierung für die Saison 2008/09 hat die Bestrafung keinerlei Auswirkungen. Der Club hat nun die Möglichkeit, Beschwerde bei der DFL einzulegen. Würde die DFL der Beschwerde nicht abhelfen, wäre der Vorstand des Ligaverbandes als zweite Instanz mit dem Vorgang zu befassen.

fsc/jar/sid/dpa

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