Hamburg - Wie schon gegen Getafe fährt Bayern München mit der Hypothek eines 1:1 ins Rückspiel gegen Zenit St. Petersburg. In der ersten Halbzeit präsentierten sich die Münchner noch überlegen. Doch außer einem Treffer durch Ribéry wurde die gute Spielanlage nicht genutzt, um ein beruhigendes Polster zu schaffen. Das rächte sich, denn obwohl die Russen in der Offensive nichts zustande brachten, stand es plötzlich 1:1 - Lucio köpfte ins eigene Tor. Oliver Kahn verletzte sich am Oberschenkel und musste in der 67. Minute den Platz verlassen. Zwar erhöhten die Münchner den Druck, aber auch Petersburg hatte noch einige gute Konter-Chancen.
Die Erkenntnis des Spiels ist jedoch: Miroslav Klose und Lukas Podolski konnten den Gelb-gesperrten Stürmer Luca Toni nicht gleichwertig ersetzen. Die Kopfballstärke und die Ballsicherheit des Italieners fehlten im Zentrum, Klose schoss nicht einmal aufs Tor, Podolski mühte sich und kam immerhin zu zwei Chancen. Klose erlitt zudem einen Nasenbeinbruch. Der deutsche Rekordmeister und Uefa-Cup-Sieger von 1996 muss nun in der Zarenstadt gewinnen oder bei einem Remis mindestens zwei Treffer erzielen, um das Endspiel am 14. Mai in Manchester gegen den Sieger aus dem Duell zwischen den Glasgow Rangers und dem AC Florenz zu erreichen.
"Das frühe 1:0 hat uns Schwung gegeben, aber wir haben bei den Kontergelegenheiten schlecht gespielt", bemängelte Trainer Ottmar Hitzfeld, der Toni sehr vermisste: "Ihn kann man schwer ersetzen." Die Mannschaft müsse in St. Petersburg mehr Entschlossenheit zeigen, so Hitzfeld. "Wir müssen jetzt im Rückspiel ein Tor aufholen, das ist schwer, aber möglich. Angst haben wir nicht, weil wir die bessere Mannschaft sind. Das müssen wir auf dem Platz zeigen", forderte Podolski.
Fünf Tage nach dem DFB-Pokalsieg gegen Borussia Dortmund (2:1 n.V.) brachte Ribéry die Bayern in der 18. Minute in Führung - allerdings mit Glück. Der Franzose scheiterte zunächst mit einem von Fernando Ricksen an Zé Roberto verursachten Foulelfmeter an Zenit-Keeper Wjatscheslaw Malafejew, der Nachschuss saß dann jedoch. In der 60. Minute gelang Zenit unter Mithilfe der Bayern dann der Ausgleich: Eine Flanke von Wiktor Fajsulin lenkte Lucio unhaltbar für Oliver Kahn ins eigene Tor ab. Für Kahn war es der letzte Europapokal-Auftritt vor heimischem Publikum - der dann durch eine Verletzung auch noch unglücklich endete.
Dabei hatten die Bayern vor 66.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena bei ihrer vierten Halbfinal-Teilnahme im Uefa Cup von Beginn an Druck gegen das Team von Trainer Dick Advocaat gemacht. Zenit, im Viertelfinale noch 4:1 in Leverkusen siegreich, konnte sich zunächst kaum befreien, um seine Konter über Pawel Pogrebnjak oder Andrej Arschawin anzusetzen.
Das 1:0 - das 100. Heimtor für den souveränen Bundesliga-Spitzenreiter im Uefa-Cup - war die logische Folge. Auch danach blieben die engagierten und spielfreudigen Bayern zunächst am Drücker. Zé Roberto, Lucio oder Bastian Schweinsteiger verpassten vor der Pause aber ein mögliches 2:0. Nationalspieler Klose konnte trotz einer Entzündung am Fuß spielen. Die Russen befreiten sich erst zum Ende der ersten Halbzeit. Ein Schuss von Konstantin Zyrianow (23.), den Kahn parieren konnte, und ein Kopfball von Ivica Krizanac (44.), den Marcell Jansen von der Linie kratzte, waren die besten Möglichkeiten im ersten Durchgang.
Die Bayern konnte das hohe Tempo nach dem Wechsel nicht mehr halten. Zwar hatten Schweinsteiger (49.) und Podolski (59.) noch das 2:0 auf dem Fuß, ehe Zenit der Ausgleich gelang. Der Treffer setzte den Münchnern merklich zu, sie konnten sich kaum mehr in Szene setzen. In der 83. Minute hatte Fajsulin sogar die große Chance zum Siegtreffer, als Zé Roberto den Ball erst kurz von der Linie wegschlug. Fünf Minuten verfehlte Arschawin nur knapp das Ziel. Arschawin ist im Rückspiel nach seiner dritten Gelben Karte genauso wie Ricksen und Radek Sirl gesperrt.
FCBayern München - FC Zenit St. Petersburg 1:1 (1:0)
1:0 Ribéry (18.)
1:1 Lucio (61., Eigentor)
FC Bayern München: Kahn (67. Rensing) - Lahm (80. Kroos), Lucio, Demichelis, Jansen - Schweinsteiger (66. Lell), van Bommel, Zé Roberto, Ribery - Klose, Podolski
FC Zenit St. Petersburg: Malafeev - Krizanac - Ricksen, Shirokov, Sirl, Tymoshchuk, Zyryanov, Fayzulin - Denisov, Pogrebnyak, Arshavin
Schiedsrichter: Michel (Slowakei)
Zuschauer: 66.000
Gelbe Karten: Ricksen (18.), Fayzulin (29.), Sirl (75.), Arschawin (80.)
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