Hamburg - Zenit St. Petersburg holte sich in Manchester zum ersten Mal in der Clubgeschichte den Uefa-Pokal. In einer ereignisarmen Partie präsentierten sich die Russen überlegen, auch wenn Glasgow zwischenzeitlich ein Elfmeter hätte zugesprochen werden können. Insgesamt brachten die Rangers zu wenig Gefahr vor das Tor von Zenit. Ein wunderschön herausgespielter Treffer durch Igor Denisow (72.) und ein Tor von Konstantin Zyrjanow (90.+4) machten das 2:0 für Petersburg perfekt.
Beiden Mannschaften merkte man zunächst an, dass sie das Risiko eines Rückstands scheuten. Das Spiel war die gesamte erste Halbzeit von der Defensive geprägt. Zwar gab es vereinzelte Torszenen auf beiden Seiten, für den Zuschauer hatte das Spiel bis zum Pausenpfiff dennoch nur wenig Sehenswertes zu bieten. Zenit war aktiver, doch das Rangers-Bollwerk stand sicher. In der zweiten Hälfte trauten sich beide Teams mehr. Torszenen blieben aber Mangelware.
Auf dem Platz hatten von Beginn an ganz klar die Russen die Oberhand. Bis zur 25. Minuten erspielte sich St. Petersburg eine Torschuss-Bilanz von 8:0, allerdings sprangen dabei gegen die kompakte Abwehr der Schotten kaum große Torchancen heraus. Die größte in der Anfangsphase besaß Andrej Arschawin, der in der 4. Minute aus zehn Metern das Außennetz traf.
Mit zunehmender Spieldauer verlagerte sich das Spielgeschehen immer mehr in die Hälfte der Rangers. Der Druck nahm zu, doch die Schotten hielten ihm bis zur Pause stand. Kurz vor dem Halbzeitpfiff hatten die Rangers Glück, als Broadfoot eine Arschawin-Flanke an die Hand bekam, Referee Fröjdfeldt (Schweden) aber nicht pfiff (45.).
In der zweiten Halbzeit war es Zenit-Keeper Wjatscheslaw Malafejew, der gegen Rangers-Stürmer Jean-Claude Darcheville in der 54. Minute rettete. Im Nachsetzen sprang Denisow der Ball an den Arm, doch trotz aller Rangers-Proteste blieb Fröjdfeldts Pfeife stumm. Arschawin vergab in der 62. Minute die bis dahin größte Chance, als er Rangers-Keeper Neil Alexander außerhalb des Strafraums ausspielte, Sasa Papac den Ball aber von der Linie köpfte. Zehn Minuten später gab der überragende Außenstürmer dann die Vorlage, Denisov vollstreckte. Zyrjanow machte dann in der 94. Minute den Sieg perfekt.
Sieger Zenit erhielt neben der Trophäe 2,5 Millionen Euro Prämie, Glasgow kassierte 1,5 Millionen Euro. Um 22.48 Uhr nahm Kapitän Timoschtschuk den begehrten Pokal aus den Händen von Uefa-Präsident Michel Platini entgegen. "Ich bin sehr froh, dass wir gewonnen haben. Man gewinnt vielleicht nur einmal im Leben einen Preis wie heute Abend", sagte St. Petersburgs Coach Advocaat, der zwischen 1998 und 2002 auch die Rangers betreut hatte. "Was wir dieses Jahr geschafft haben, ist super." Immerhin holten die Russen unter ihm in der vergangenen Saison bereits die Meisterschaft.
Die größte Leistung des kleinen Holländers, der seinen ersten Titel in einem europäischen Wettbewerb gewann, war die Improvisation. Schon im Halbfinal-Rückspiel gegen die Bayern, das Zenit am Ende 4:0 gewann, ersetzte Advocaat fünf Gelb-gesperrte Profis ohne Probleme. Gegen die Rangers musste St. Petersburg nun auf Pawel Pogrebnjak verzichten, der wegen einer Gelbsperre zusah - und auch das blieb ohne Folgen. Pogrebnjak gewann trotz Abwesenheit noch einen weiteren Titel: Mit zehn Treffern wurde er zusammen mit dem Münchner Luca Toni bester Torjäger des Wettbewerbs.
Rangers-Manager Walter Smith blieb nach dem Spiel nicht viel mehr, als den Sieg des Gegners anzuerkennen. "Wir haben ziemlich hart gearbeitet, um in dieses Finale zu kommen, aber heute war für uns nicht viel drin", erklärte der Coach, der in dieser Saison noch seinen achten Meistertitel holen kann und auch im Pokalfinale steht. 1998 war er bei den Rangers ausgerechnet durch Advocaat ersetzt worden. "Zenit war das offensivere Team, aber natürlich bin ich enttäuscht, wenn man so kurz vor dem Ziel verliert", so Smith.
Zenit St. Petersburg - Glasgow Rangers 2:0 (0:0)
1:0 Denisow (72.)
2:0 Zyrjanow (90+4.)
FC Zenit St. Petersburg: Malafejew - Anyukow, Krizanac - Schirokow, Sirl, Timoschtschuk, Zyrjanow, Fayzulin (90+3. D.-J. Kim) - Denisow, Arschawin, Tekke
Glasgow Rangers: Alexander - Broadfoot, Cuellar, Weir, Papac (77. Nacho Novo), Whittaker (86. K. Boyd) - Hemdani (80. McCulloch), Ferguson, Thomson, St. Davis - Darcheville Schiedsrichter: Fröjdfeldt (Schweden)
Zuschauer: 47.726 (ausverkauft)
Gelbe Karte: Malafeev (90+2.)
goe/jar/sid/dpa
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