Samstag, 21. November 2009

Sport



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16.05.2008
 

Löws EM-Kader

Mutprobe auf der Zugspitze

Vom Gipfel berichtet Christian Gödecke

Der EM-Kader ist benannt - und Timo Hildebrand nicht dabei. Warum hat der Bundestrainer René Adler berufen und warum nur David Odonkor? SPIEGEL ONLINE analysiert die überraschenden Nominierungen.

Sie haben es wieder getan. Da dachte man, die Zeit der Überraschungen sei vorbei, 2006 hatte Jürgen Klinsmann seinen WM-Kader benannt - und alle verblüfft. 23 Spieler, die meisten ungestüm wie Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger oder schon souverän wie Per Mertesacker - vor allem aber jung. Der Kader wirkte so leichtfüßig wie leichtsinnig, als Krönung David Odonkor, der noch nie ein A-Länderspiel absolviert hatte.

Bundestrainer Löw: "Ein Großteil weiß, dass er dabei ist"
DDP

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Und dann das. Joachim Löw, Hans-Dieter Flick, Andreas Köpke und Oliver Bierhoff stehen unter gleißenden Scheinwerfern auf 2962 Meter Höhe und klatschen kleine Kinder ab. Die Kinder tragen Trikots der Spieler, die im vorläufigen Kader für die EM stehen. Eins nach dem anderen läuft an der DFB-Führung vorbei, Lehmann, Enke, dann taucht René Adler auf. Der Leverkusener Torwart ist die erste Überraschung, aber noch lange nicht die letzte. Adler stellt sich neben Enke, sie schauen aus dem Fenster auf den Gipfel der Zugspitze. Draußen hängt ein DFB-Banner im Nebel.

So geht das ein paar Minuten, und am Ende stehen und hocken 26 Kinder da, mit Namen wie Jermaine Jones, Marko Marin, Patrick Helmes oder David Odonkor auf dem Rücken. Ein Schalker mit zwei Länderspielen, ein Gladbacher und ein Kölner Zweitligaprofi, Marin sogar wie Adler ohne Einsatz in der A-Mannschaft.

Und wieder Odonkor, in Sevilla lange Zeit ohne Spielpraxis.

Der Kader, den Klinsmann vor zwei Jahren in Berlin bekannt gab, wirkt dagegen so mutig wie ein Sprung vom Ein-Meter-Brett.

EM-REPORTER

Von der Fußball- EM in Österreich und der Schweiz (7. bis 29. Juni) berichtet unser Redakteur Christian Gödecke.
Doch so überraschend die Nominierungen von Adler und Marin zu sein scheinen - sie sind doch logisch. Adler war der beste Bundesliga-Torwart der Saison, die Leistung von Hildebrand in Valencia war hingegen schwankend. Dazu spricht das Alter des Bayer-Profis (23) gegen die beiden Konkurrenten.

Warum es nicht Enke, sondern Hildebrand erwischte, der jahrelang loyal die Bank hinter Oliver Kahn und Jens Lehmann drückte, wollte Torwarttrainer Köpke nicht verraten. Nur, dass es ihm "sehr nahe gegangen" sei.

Wahrscheinlich ist, dass Hildebrand Ansprüche für die Zeit nach der EM gestellt hat und ihm die Trainer angesichts der jüngeren - und besseren - Konkurrenz keine Garantien geben wollten.

Ein weiterer junger Spieler außer Adler ist Marin, den Löw als einen "Spieler mit besonderen Fähigkeiten" bezeichnet, und tatsächlich gibt es wenige deutsche Mittelfeldspieler, die so manisch die Eins-gegen-eins-Situationen suchen. Die Borussia aus Mönchengladbach war meist dann erfolgreich, wenn Marin gut spielte. Und Marin spielte immer dann gut, wenn DFB-Scout Urs Siegenthaler oder Co-Trainer Flick den 19-Jährigen beobachteten. Zuletzt war Löw persönlich beim Gladbacher Sieg gegen Wehen im Stadion gewesen - vielleicht der Moment, der den Ausschlag gab.

Zumindest vorläufig. Denn drei Profis werden bis zum Ende der Nominierungsfrist am 28. Mai noch aus dem vorläufigen Aufgebot gestrichen. Und nicht jeder der 26 hat die gleichen Chancen. "Es ist kein Geheimnis, dass ein Großteil der Spieler weiß, dass er bei der EM dabei ist, wenn er die Vorbereitung halbwegs ordentlich absolviert", sagt Löw. Der vom Bundestrainer angekündigte Konkurrenzkampf wird sich damit vor allem zwischen den Stürmern Oliver Neuville und Helmes abspielen sowie zwischen Jones, Odonkor und Marin.

Neuville hat dabei die besten Chancen der fünf. Viele sehen ihn schon im Altersheim, aber der 35-Jährige ist immer noch einer der besten deutschen Stürmer. 15 Tore und 10 Vorlagen für Gladbach sind sehr gute Werte in einer Zweitligasaison, die zu den stärksten der vergangenen Jahre zählt.

Helmes (17 Saisontreffer) mag torgefährlicher sein, aber die Erfahrung von zwei WM-Turnieren hat er nicht. Zudem hat sich Kapitän Ballack für Neuville eingesetzt.

Ein Rätsel bleibt die Berufung Odonkors. Zwar gilt fehlende Spielpraxis seit Jens Lehmann nicht mehr als Hinderungsgrund für eine Karriere in der DFB-Elf, aber seit seiner Vorlage für Neuville zum 1:0-Sieg gegen Polen während der WM-Vorrunde hat der Außenstürmer wegen Verletzungen weder bei seinem Club Betis Sevilla noch in der Nationalmannschaft konstant überzeugt. In Spanien ist er erst seit Ende April wieder Stammspieler. Seine Bilanz: 19 Spiele, ein Tor. Vieles spricht deshalb dafür, dass sowohl Odonkor als auch Helmes im Vorbereitungstrainingslager auf Mallorca fitgehalten werden, um sie im Fall der Verletzung eines Stammspielers nachzunominieren.

Zehn Tage werden den beiden nicht reichen, sich an den Gesetzten vorbeizukämpfen. Für Bundestrainer Löw hingegen sollte genug Zeit sein, sich alle Namen zu merken. Seinen NominierungsCoup Marin nannte er einmal "Markus".

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