Aus Nürnberg berichtet Frank Hellmann
Das Gesicht blass. Die Miene ernst. In der rechten Hand eine Flasche Bier - nur mit dem Schluck aus der Pulle ließ sich erklären, was irgendwie nicht zu erklären war. Martin Bader, Manager des 1. FC Nürnberg, vergaß an diesem trüben Tag die Konventionen. Will man es ihm verdenken? Sein Arbeitgeber war gerade aus der Bundesliga abgestiegen – das machte Bader schwer zu schaffen.
"Das hängt ganz tief in den Klamotten", stellte der 40-Jährige seinen Ausführungen voran, "denn das ist der unnötigste Abstieg, den der 1. FC Nürnberg je in seiner Vereinsgeschichte mitgemacht hat." Mit einem 0:2 (0:1) gegen den FC Schalke zerstoben die letzten Hoffnungen der Franken, am 34. Spieltag doch noch den siebten Abstieg aus der Bundesliga zu verhindern.
Das aber ist nicht gelungen, "wir sind die ganze Saison der Musik hinterher gelaufen – da war im Kopf eine unglaubliche Leere", sagte Bader. Das überschätzte Ensemble hinterließ zudem vor 47.000 Zuschauern nicht den Eindruck, als seien Wille und Glauben im Finish groß genug – auch deswegen wirkte die treue Gefolgschaft irgendwie gespalten: Die einen pfiffen, die anderen applaudierten. Die einen blockierten den Bus und beschimpften die kickenden Versager, die anderen trollten sich heim und sangen bereits vom Wiederaufstieg. Und über allem schwebte eine Art von Fatalismus, der sich aus Enttäuschung und Bestürzung speiste.
Fakt ist: Aus dem früheren Rekordmeister ist der Rekordabsteiger geworden; und der "Club" hat das Kunststück vollbracht, nicht nur nach dem Gewinn einer deutschen Meisterschaft direkt abzusteigen (1969), sondern auch nach dem Triumph eines Pokalsiegs.
Es waren gewiss nicht die Tore des Gelsenkirchener Abwehrrecken Marcelo Bordon, der die Nürnberger Abwehr zweimal nach Standardsituationen übertölpelte (19. und 61.), die das enttäuschende Ende einer verkorksten Saison besiegelten. "Dieses Spiel war vielmehr das Spiegelbild einer ganzen Saison", klagte Bader. Das prominent besetzte, offensiv ausgerichtete und anfangs ansehnlich kombinierende FCN-Ensemble spielte erst mit dem königsblauen Champions-League-Anwärter Katz und Maus, um dann doch nach dem ersten Rückschlag kollektiv zu versagen.
Abermals ließen Kräfte wie Marek Mintal, Zvjezdan Misimovic, Jan Koller oder Angelos Charisteas ihr Können aufblitzen, das allemal zum Ligaverbleib hätte reichen müssen. 10:4 Ecken und 25:8 Torschüsse versammelte der Verlierer für sich – und doch wirkte die Begegnung ungleich, weil Schalke mit defensiver Denke und individueller Qualität (Bordon, Heiko Westermann und allen voran Torhüter Manuel Neuer) effektiv und erfolgreich das Tor verteidigte. Und: "Es ist wiederum ein Zeichen von Qualität und Überzeugung, wenn wir unsere Chancen nicht nutzen", stimmte Trainer Thomas von Heesen das ewig gleiche Klagelied an, das viele am Valznerweiher nicht mehr hören können.
Unüberhörbar die Krakeeler, die sich denn nach Spielschluss in überschaubarer Zahl vor dem Spielertrakt versammelt hatten und ein "Heesen-Raus!" intonierten. Doch wer daraus die allgemeine Stimmungslage der Nürnberger ableitet, liegt falsch. Eine ganze Region und der gesamte Verein tun sich in der Ursachenforschung schwer. Das zu lange Festhalten an Hans Meyer, das fehlerhafte Vertrauen in Torwart Jaromir Blazek, das lange andauernde Blendwerk des Pokalsieges und nicht zuletzt die schädliche Zusatzbelastung Uefa-Cup – all das sind Indizien, die doch für viele nicht ausreichend Erklärungen liefern. "Wir müssen genau fragen, warum es uns trifft", sagt Bader. "Wir werden uns in den Gremien zusammensetzen und jedes Steinchen umdrehen." Der eloquente Vordenker, der maßgeblich für die Konsolidierung des einst krisengeschüttelten Vereins steht, weiß, dass auch um seine Person diskutiert wird.
Präsident Michael A. Roth wollte bislang partout keine Stellungnahme zu Personalien abgeben. Es gilt noch als ungewiss, ob das als gutes oder schlechtes Zeichen zu werten ist. Sicher ist, dass am kommenden Dienstag der Aufsichtsrat des 1. FC Nürnberg zusammenkommt: sieben Aufsichtsratsmitglieder, dazu vier Vizepräsidenten (darunter auch Bader) und eben der allmächtige Roth. Es soll Einflüsterer des 72-jährigen Vereinsbosses geben, die sowohl Bader als auch von Heesen schassen wollen.
Es wäre das verkehrteste Signal – und deshalb gaben sich auch beide Protagonisten am Samstagabend mit etwas wirren Worten größte Mühe, ein Plädoyer auf Joberhalt zu verfassen. "Es darf kein Vakuum entstehen. Wenn wir Zeit verlieren, wäre das fatal", erklärt Bader. Der Manager will sich "der Verantwortung stellen". Am besten mit Heesen. "Ich bin überzeugt von ihm." Der 46-jährige Fußballlehrer ist nach Meinung Baders der ideale Mann für den Neuaufbau mit unbekannteren und unverbrauchteren Kräften. Aber die Personalfrage Heesen scheint in der Führungsetage die größten Diskussionen auszulösen. "Ich habe einen Vertrag für die Zweite Liga, ich möchte der Verpflichtung nachkommen", beteuert der Trainer, wohl wissend, "dass es Überlegungen im Verein geben kann, einen großen Schnitt zu machen." Von Heesen: "Die Entscheidung obliegt nicht mir."
Viel Arbeit also beim notorisch aufgeregten Traditionsverein, der seinen bisherigen Etat von 47 Millionen Euro in Liga zwei etwa halbieren muss. "Plan B kommt jetzt aus der Schublade", sagt Bader, "wir wollen direkt wieder hoch." Dabei wird Nürnbergs Bester, Filigrantechniker Misimovic, nicht mithelfen, der sich gegen eine Millionen-Ablöse aller Voraussicht nach zum VfL Wolfsburg verabschiedet. Auch Javier Pinola (Leverkusen oder Schalke), Ivan Saenko (St. Petersburg), Robert Vittek und Angelos Charisteas werden Wechselgelüste nachgesagt. Für alle Spieler kassiert Nürnberg aber Ablöse. Gehalten werden sollen unter allen Umständen Andreas Wolf und Marek Mintal – sie sind von Trainer und Manager als Korsettstangen des Neuaufbaus auserkoren. Das setzt aber voraus, dass Bader und von Heesen nicht in den gewiss turbulenten Tagen der kommenden Woche stürzen.
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Naja, mag sein, dass es bei Bayern sowas wie eine deutsche Quote gibt. Aber ich bleibe dabei, dass Podolski kein Schlechter ist und in jeder andereren Bundesligamannschaft einen Stammplatz hätte. Und das mit den deutschen [...] mehr...
Also hallo, will mir im Ernst jemand unterstellen ich wüsste nicht, dass Poldi aus Kölle ist. Aber auch die deutschen haben Quoten beim FCB. Wenn Poldi aus, sagen wir, Ecuador käme, dann hätte Bayern ihn schon lange [...] mehr...
Doppelter Einspruch: 1. Poldi ist absolut kein Münchner. 2. Poldi hat schon was drauf. Sonst hätten Klinsi und Jogi ihn schon lange aussortiert. Dass er Bayern den absoluten Druchbruch nicht geschafft hat, steht auf einem [...] mehr...
Hieß es nicht ungefähr: "Der wird hier NICHT mal Greenkeeper im neuen Stadion". schönes Wortspiel mehr...
Nee, den Greenkeeper-Posten haben wir schon dem Lothar versprochen. Das blöde an Lell ist, dass er Münchner ist. Der kommt über die Quoten-Regelung rein. Genau wie Poldi und Schweini. Haben alle nichts drauf, aber das Glück des [...] mehr...
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