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Spitzenspiel Balsam für die Borussen-Seele

Das ganz große Feuerwerk wurde erst nach dem Schlusspfiff gezündet, doch zumindest Michael Skibbe konnte nach dem 1:1 von Borussia Dortmund im Bundesliga-Gipfel beim FC Bayern etwas entspannter die Raketen am Münchner Nachthimmel betrachten.

München - Der in die Schusslinie geratene BVB-Trainer entging bei der winterlichen Rutschpartie im Olympiastadion einer weiteren Bauchlandung. "Wir sind noch oben dran und werden uns berappeln. Wir haben hier einen moralischen Sieg errungen", meinte der 34-Jährige, der dennoch weiß, dass die Situation vor dem Uefa-Cup-Heimspiel am Dienstag gegen die Glasgow Rangers (Hinspiel 0:2) und nach dem zehnten Pflichtspiel ohne Sieg für ihn und die hoch dotierte Mannschaft prekär bleibt. "Wenn wir nicht demnächst gewinnen, wird es kritisch bleiben", so Skibbe.

Schneeballschlacht: Christian Nerlinger (l.) und Patrick Andersson im Kampf um die rote Weihnachtskugel
DPA

Schneeballschlacht: Christian Nerlinger (l.) und Patrick Andersson im Kampf um die rote Weihnachtskugel

Die Derby-geschädigten Bayern behaupteten zwar die Tabellenführung vor den punktgleichen Leverkusenern (beide 27 Zähler), ärgerten sich aber wegen ihres Plus an Torchancen über zwei verlorene Punkte. Der Führungstreffer von Jens Jeremies (23.) reichte nicht, weil die Stürmer Alexander Zickler (27.) und Carsten Jancker (82.) bei zwei Großchancen an dem reaktionsschnellen BVB-Keeper Jens Lehmann scheiterten und da beim Kopfballtor des starken Jürgen Kohler (50.) "gepennt" wurde, wie Trainer Ottmar Hitzfeld ärgerlich monierte.

"Dass unsere Mannschaft nicht gewonnen hat, ist sehr ungerecht. Dortmund hatte in 90 Minuten keine einzige Torchance", meinte Bayern-Manager Uli Hoeneß. Allerdings lieferten auch die Münchner drei Tage vor dem Champions-League-Heimspiel gegen Dynamo Kiew keine Gala auf dem schwer bespielbaren Platz ab. Beeindruckend war einzig und allein, wie sich Jens Jeremies in Abwesenheit der Achse Matthäus-Effenberg-Elber als Bayern-«Leitwolf» der Zukunft präsentierte. Der Nationalspieler organisierte für Matthäus die Abwehr, trieb als Effenberg-Vertreter im Mittelfeld das Offensivspiel an und ist neuerdings auch noch der Mann für wichtige Tore. "In den letzten Jahren sind alle Schüsse hundert Meter drüber gegangen", kommentierte der 25-Jährige seinen fulminanten Volltreffer aus 16 Metern.

Trotz des 1:1 feierten die Meister-Kicker wenigstens Versöhnung mit ihren Fans, die vor Spielbeginn erneut ein Transparent ausgerollt hatten ("Wir verzeihen nicht!"). Anders als am Mittwoch nach dem DFB-Pokalspiel in Mannheim (3:0) liefen die Spieler dieses Mal nach dem Abpfiff geschlossen zu den Anhängern. Und beim nächsten Heimspiel gegen Arminia Bielefeld haben die 53.000 Zuschauer vom Samstag freien Eintritt. "Die Fans sind uns heilig", betonte Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge. Das sensible Thema sorgt intern für Unruhe. Mit Ober-Fan-Kritiker Stefan Effenberg "gab es am Freitag ein Gespräch", verriet Rummenigge. Hoeneß ging aber auch mit den Anhängern ins Gericht. "Es ist nicht das Recht der Fans, Spieler zu beleidigen. Schließlich ziehen wir den Fans nicht das Geld aus der Tasche", sagte der Manager gereizt. Aus Anlass des 100-jährigen Vereinsjubiläums im kommenden Jahr haben Dauerkarten-Besitzer für diese Saison 100 Mark Rabatt erhalten, die Südkurven-Fans bekamen ihr Jahresabo umsonst.

Auch die Borussen sahen in ihrer kämpferisch starken Leistung eine gelungene vertrauensbildende Maßnahme. "Ich denke, dass die Millionarios auf beiden Seiten die Antwort auf die Diskussionen gegeben haben", meinte BVB-Manager Michael Meier. Kohler, der trotz schmerzhafter Hüftprellung 75 Minuten durchhielt und als Manndecker mit drei Torschüssen auch gefährlichster Gästestürmer war, machte den mitgereisten Fans ein Kompliment und warb um sie für die Aufholjagd gegen Glasgow: "Die Unterstützung der Fans war fantastisch. Nur gemeinsam sind wir stark."

Gemeinsamkeit wurde auch mit Skibbe demonstriert. "Es gibt keinen Graben zwischen Mannschaft und Trainer", beteuerte Kapitän Stefan Reuter. Präsident Gerd Niebaum verurteilte die "unfaire Kampagne" gegen den Coach, bescheinigte Skibbe "qualifizierte, gute Arbeit" und begründete die aktuelle Misserfolgsserie vor allem mit fehlendem Glück. "So viel Pech habe ich in 13 Jahren bei Borussia Dortmund noch nie erlebt", behauptete Niebaum. Beim Weg aus der Krise hat er sich wie sein Trainer Bayer Leverkusen zum Vorbild genommen, das nach dem Scheitern in der Champions-League-Vorrunde wieder die Kurve gekriegt hat. Skibbe: "Den Weg wollen wir bis zur Winterpause auch gehen."

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