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21.05.2008
 

Chelsea-Pleite

Manchester gewinnt Champions League in Elfmeter-Krimi

Von Frieder Pfeiffer

Triumph für Manchester United: Der englische Meister hat die Champions League gewonnen. In einem Elfmeterkrimi wurde Liga-Rivale Chelsea mit Regisseur Michael Ballack knapp geschlagen - immerhin machte der Deutsche eine glänzende Figur, die für die EM hoffen lässt.

Viele sehen ihn nie. Manche bekommen einmal die Chance, ihm nah zu sein, teilweise dürfen sie ihn danach sogar in die Hand nehmen.

Michael Ballack gehörte bisher zu jenen, die den Champions-League-Pokal zwar sehen, aber nicht anfassen konnten. Dass der Kapitän der Deutschen Nationalmannschaft nun einen zweiten Blick riskieren durfte, ist ein großes Privileg. Und diesmal war Ballack noch viel näher dran.

Doch anfassen durfte er wieder nicht.

Der deutsche Nationalmannschaftskapitän führte den FC Chelsea in starker Manier über 120 Minuten Spielzeit und zeigte im entscheidenden Moment Verantwortung, als er im Elfmeterschießen als erster Schütze sicher verwandelte. Doch weil John Terry und Nicolas Anelka auf Seiten der Londoner verschossen und nur Cristiano Ronaldo auf Seiten Manchesters, musste sich Ballack wieder einmal geschlagen geben - 5:6 im Elfmeterschießen, der knappsten aller Entscheidungen. Nach 120 Minuten hatte es nach Toren von Ronaldo (26.) und Frank Lampard (45.) 1:1 gestanden.

Am Anfang behielten die Skeptiker Recht

Mit Leverkusen war Ballack 2002 im Finale an Real Madrid gescheitert (1:2). Sechs Jahre später ist nicht nur das eigene Team ein anderes, auch Ballack selbst hat eine imposante Entwicklung hinter sich. Das Endspiel gegen Manchester zeigte, dass aus dem Spieler, der früher in großen Spielen eher lethargisch denn mitreißend wirkte, in London ein Anführer geworden ist, der dies dann unterstreicht, wenn es am nötigsten ist - in großen Endspielen.

Vor diesem Finale hatte sich die Schar der Beobachter in zwei Lager geteilt. Die Skeptiker erwarteten, dass sich zwei Teams, die sich so gut kennen, über die weitesten Strecken des Finales neutralisieren. Die anderen hofften auf Geistesblitze - von Cristiano Ronaldo, Wayne Rooney, Didier Drogba oder eben Ballack.

In der Anfangsphase sollte die Gruppe der Skeptiker Recht behalten. Bis zum ersten Eckball vergingen 19 Minuten, der Rest war Pass, Zweikampf, Fehlpass. Doch was sich von Beginn an andeutete, nämlich dass ManU-Trainer Alex Ferguson das spielerisch bessere Team in dieses Finale schickte, bewahrheitete sich mehr und mehr. Denn wenn ein Team in der Anfangsphase zielstrebig und kreativ den Weg vor das gegnerische Tor suchte, dann war es das aus Manchester. Die Flanken kamen gut, doch noch stand die Chelsea-Verteidigung sicher.

Die Zuspiele vom Flügel wurden besser, die Abstimmung in der Abwehr der Londoner schlechter. In der 26. Minute war sie nicht mehr gut genug. Michael Essien ließ Ronaldo nach einer Flanke von Wes Brown ein paar Zentimeter zu viel Platz, der Portugiese köpfte stark und sicher ein. Sein 42. Pflichtspieltor in dieser Saison, sein 8. im Wettbewerb. Sie war verdient, die Führung. Und irgendwann war auch das 2:0 überfällig. Doch weder Ronaldo per Kopf (31.), Carlos Tevez und im Nachschuss Michael Carrick (35.) machten aus ihren großartigen Möglichkeiten ein zweites Tor. "Wir haben verdient gewonnen. Wir hätten schon 3:0 führen müssen", sagte ManU-Trainer Alex Ferguson.

Vor allem einer wurde wichtiger - Michael Ballack

Von Neutralisieren war nun keine Spur mehr. Die Geistesblitze rissen Löcher in das taktisch einwandfrei aufgestellte Gebilde des FC Chelsea. Das des englischen Meisters aus Manchester stand zu diesem Zeitpunkt noch einwandfrei.

Ob Chelsea trotz Rückstand in dieser Phase das Offensivspiel verweigerte, oder ob sie einfach nicht imstande waren, mehr zu leisten - es war nicht auszumachen. Sicher ist, dass sich selten ein Tor so glücklich fügte wie das zum 1:1 für Chelsea in der 45. Minute. Wenn man den Torschützen Frank Lampard fragen würde, wie und warum er an den Ball kam, den er kurz vor der Halbzeitpause aus kurzer Distanz an ManU-Keeper Edwin van der Sar vorbeilegen konnte, er wüsste wohl keine Antwort.

Und so sehr die Führung Manchester gut getan hatte, so sehr nährte sich das Offensivspiel der Londoner am Ausgleich. Die Blauen wurden stärker, die Partie offener. Und mit dem Spiel von Chelsea wurde vor allem einer stärker präsent - Michael Ballack (Bundestrainer Joachim Löw: "starke Leistung").

Jeder Angriff lief über den 31-Jährigen, Manchester wirkte nun plötzlich nicht mehr so gefährlich. Die physische Präsenz des FC Chelsea hatte die emsigen Roten eingeschnürt. Ballack stand sinnbildlich für das nun größer werdende Selbstbewusstsein, gestützt auf eine immense körperliche Wucht.

Einen, den diese Wucht ebenfalls bestens charakterisiert, ist Chelsea-Stürmer Drogba. In der ersten Halbzeit im Sturmzentrum noch gänzlich allein gelassen, wühlte er sich nun immer mehr in die Partie. In der 78. Minute traf er von der Strafraumgrenze mit einem schönen Schuss den Pfosten, zwei Minuten später blockte ManU-Verteidiger Nemanja Vidic einen Schuss des Ivorers.

Giggs hat die Entscheidung auf dem Fuß

Manchester sehnte nun die Verlängerung herbei, Chelsea suchte die Entscheidung. Das Spiel hatte sich vor Beginn der zusätzlichen 30 Minuten einmal komplett gedreht. Und die Londoner blieben weiter dran - Ballack auf Lampard, Unterkante der Latte (94.). Manchester kam nur selten gefährlich vor das Tor. Doch wenn ausgerechnet der eingewechselte Ryan Giggs, Champions-League-Sieger mit ManU 1999, nach gut 100 Minuten den Ball statt an John Terrys Kopf ins leere Tor geschoben hätte, niemand hätte sich im Nachhinein daran gestört.

Es wäre wohl die Entscheidung gewesen, denn nun verlor die Partie ihre spielerische Linie. Schlicht weil die Spieler kein Kraft mehr hatten. Letzter Höhepunkt der Schlussphase, in der zwischenzeitlich vier Spieler mit Krämpfen am Boden lagen, war der Platzverweis für Drogba, der im Rudel ManU-Verteidiger Vidic geohrfeigt hatte.

Chelsea fehlte damit ein Elfmeterschütze - vielleicht der entscheidende Schütze zu wenig.

Manchester United - FC Chelsea 1:1 (1:1, 1:1) n.V., 6:5 i.E.
1:0 Cristiano Ronaldo (26.)
1:1 Lampard (45.)
Elfmeterschießen:
1:0 Tevez
1:1 Ballack
2:1 Carrick
2:2 Belletti
Cech hält gegen Cristiano Ronaldo
2:3 Lampard
3:3 Hargreaves
3:4 Ashley Cole
4:4 Nani
Beka schießt über das Tor
5:4 Anderson
5:5 Kalou
6:5 Giggs
van der Sar hält gegen Anelka
Manchester: van der Sar - Brown (120.+5 Anderson), Ferdinand, Vidic, Evra - Hargreaves, Scholes (87. Giggs), Carrick, Cristiano Ronaldo - Rooney (102. Nani), Tevez. - Trainer: Ferguson
Chelsea: Cech - Essien, Carvalho, Terry, Ashley Cole - Makelele (120.+5 Belletti) - Ballack, Lampard - Joe Cole (99. Anelka), Drogba, Malouda (93. Kalou). - Trainer: Grant'
Schiedsrichter: Michel (Slowakei)
Zuschauer in Moskau: 61.000 (ausverkauft)
Rote Karte: Drogba nach einer Tätlichkeit (116.)
Gelbe Karten: Scholes, Ferdinand, Vidic, Tevez - Makelele, Carvalho, Essien, Ballack

mit Material von sid/dpa

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26.07.2008 von Dylan1941:

Ich meine nicht irgendeine willkürliche ausgesuchte Epoche der Vereine,sondern die bisher gesamten Leistungen und Daten. Wenn der Borussia Anhänger die Erfolge der letzten 15 JAhre sieht,dann wäre der BVB ganz klar hinter [...] mehr...

22.07.2008 von lentri:

Wie immer lemmie, ist das Meiste von dem was Du schreibst absolut richtig - das erfolgreichste solltest Du streichen dann zu 100%. Danke für Deinen Willkommensgruß, werde ich sofort an C. Daum weiterleiten. mehr...

22.07.2008 von lemmiecaution:

Genau, lentri. Und der FC ist der beste, größte, schönste und erfolgreichste Verein der Welt. Willkommen zurück, das verspricht noch eine Menge Spaß :-) ! mehr...

22.07.2008 von lentri:

Schaut man sich mal die Erfolge der Trainer an wird klar das Köln den derzeit erfolgreichsten Trainer in der Buli hat. Also ich denke diese Saison ist noch zu früh aber bald ist der Effzeh im Geschäft...;-) @Dylan, bitte [...] mehr...

22.07.2008 von lemmiecaution:

Wenn man sieht, wie offtopic hier inzwischen gepostet wird, sollte sich der sysop vielleicht ein paar neue Bundesliga-Freds ausdenken... mehr...

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