SPIEGEL ONLINE: Warum gehören Sie nicht zum Kader der Europameisterschaft?
Hildebrand: Torwarttrainer Andreas Köpke hat mir am Telefon mitgeteilt, dass unter anderem meine Leistungen in den bisherigen Länderspielen nicht überzeugend genug waren.
SPIEGEL ONLINE: Und was denken Sie?
Hildebrand: Dass es in dieser Angelegenheit an Offenheit fehlt und an Mut, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Das fängt schon bei der Art und Weise an, wie die Trainer mir die Nachricht überbracht haben.
SPIEGEL ONLINE: Wie denn?
Hildebrand: Wenige Stunden vor Bekanntgabe des Kaders am Freitag der vergangenen Woche hat Andy Köpke mich angerufen und Jogi Löw entschuldigt, da er gerade im Flieger sitze und deshalb nicht mit mir telefonieren könne. Was ist das denn für eine Art? Als Köpke mir die Entscheidung mitgeteilt hat, war ich zuerst so geschockt, dass ich nichts mehr sagen konnte und wieder aufgelegt habe. Ich habe dann wenig später wieder angerufen, um die Gründe zu erfahren. Da kam dann die Sache mit den Länderspielen als Grund. Ich hatte gerade mal vier Länderspieleinsätze in den letzten beiden Jahren. Mein schlechtestes ist eineinhalb Jahre her, gegen Zypern. Da war die ganze Mannschaft nicht gut. Das kann nicht der Grund sein, warum ich nicht dabei bin. Und ich frage mich: Warum ist ein Spieler, der vier Jahre zum Stammkader der Nationalmannschaft zählt, am Tag der Nominierung plötzlich nicht mehr gut genug? Oder haben die mich vorher nur mitgenommen, weil sie dachten, ich halte still?
SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie mittlerweile die Möglichkeit, dem Bundestrainer diese Frage zu stellen?
Hildebrand: Nein. Er hat mich am Montagabend kurz angerufen und mitgeteilt, dass wir uns nach der EM treffen und über die exakten Gründe sprechen sollten.
SPIEGEL ONLINE: Wie fühlen Sie sich jetzt?
Hildebrand: Wütend.
SPIEGEL ONLINE: Ausgenutzt?
Hildebrand: Wie würden Sie sich denn fühlen?
SPIEGEL ONLINE: Sepp Maier hat schon vor Jahren kritisiert, dass Sie Freistöße aus rund 20 Metern Entfernung falsch einschätzen.
Hildebrand: Das war am Anfang meiner Karriere.
SPIEGEL ONLINE: Spätestens ab dem Viertelfinale einer Europameisterschaft entstehen die meisten Torschüsse aus solchen Standardsituationen. Ist das der Grund, warum Jogi Löw Ihnen kein großes Turnier als Nummer eins zutraut?
Hildebrand: Solche Fehler habe ich in meinem ersten Jahr in Stuttgart gemacht. Erst kürzlich habe ich ein Spiel vom AC Mailand gesehen, in dem Kalac einen Treffer im Torwarteck kassierte. Das passiert immer wieder. Mich auf solche Fehler festzunageln, ist lächerlich. Apropos, da fällt mir ein, was Jogi Löw noch zu mir gesagt hat ...
SPIEGEL ONLINE: .. dass Sie auf Abruf bereit stehen sollen, falls sich einer der drei Nominierten verletzt?
Hildebrand: Nein. Er hat mich für meine professionelle Art gelobt. Dafür, dass ich immer an mir arbeite und mich anständig verhalten habe im Kreise der Nationalmannschaft.
SPIEGEL ONLINE: Dann hätten Sie wohl einfach ...
Hildebrand: ... öfter mal ein Arsch sein müssen etwa?
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie nicht längst geahnt, dass es knapp werden würde?
Hildebrand: Dass Hansi Flick und Andy Köpke in der letzten Saison nur ein einziges Mal in Valencia waren, um mich live spielen zu sehen, habe ich mir damit erklärt, dass sie eben wissen, wie ich drauf bin. Sie sind ja auch nicht ständig nach London geflogen und Jens Lehmann spielt trotzdem. Vielleicht habe ich zu sehr dem Leistungsprinzip vertraut.
SPIEGEL ONLINE: Waren Sie ein bisschen zu naiv?
Hildebrand: Es gab ein Gespräch mit Andy Köpke letztes Jahr in Berlin. Er sagte, ich solle die Nummer eins mehr unter Druck setzen, mehr Konkurrent sein, mehr angreifen, mehr fordern. So steht es auch in meinem EM-Leitfaden, der bei einem Workshop im Sommer 2007 verteilt wurde.
SPIEGEL ONLINE: Sie sollten Jens Lehmann öffentlich angreifen?
Hildebrand: Wissen Sie, in der Nationalmannschaft werden so viele Dinge eingefordert. Vor allem soziale Kompetenz, Menschlichkeit, Ehrlichkeit, Teamgeist. Aber gleichzeitig muss man wohl auch Lautsprecher in den Medien sein, um den Eindruck zu erwecken, man sei eine wirkliche Nummer 1.
SPIEGEL ONLINE: Warum haben Sie das nicht einfach gemacht?
Hildebrand: Weil das nicht meine Art ist. Aber vielleicht haben Sie recht und ich war wirklich in dieser Hinsicht zu naiv.
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Ich bleibe dabei: Hildebrand ist unfair und menschlich unanständig behandelt worden. Und mir ist immer noch nicht erklärt worden, warum Torwarte von einem Graumausverein mit der Erfahrung eines Freundschaftsspieles bzw. von [...] mehr...
In der NM hat es schlicht nicht gepasst. Das Murmeltor auf Zypern, das Debakel gegen die Tschechen. Alles keine Glanzlichter. Und seine Saison in Spanien war auch von extremen Leistungsschwankungen geprägt. Hildebrand nicht zu [...] mehr...
Na, nun weiß ich wenigstens, was für Leute Geld für derartige Bücher wie "Ich" des Titanen (gut getroffen von Pocher) ausgeben. Wahrscheinlich haben Sie auch die gesammelten Werke des Dieter Bohlen im Bücherschrank. mehr...
Eine ausreichende Leistung, um sich (bei der Konkurrenz!) für die Nationalmannschaft zu qualifizieren, allerdings auch nicht! mehr...
Timo Hildebrand ist zweifellos unfair behandelt worden. Mir hat noch niemand erklären können, warum es sinnvoll war, bei der EM Ersatztorwarte mit einem, bzw. keinem Länderspiel zu nominieren. Und angebliche mangelnde Leistung [...] mehr...
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