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24.05.2008
 

Torwart Hildebrand

"Hätte ich öfter mal ein Arsch sein müssen?"

2. Teil: Sich treu bleiben oder Trallala mitmachen - wie Hildebrand seine Leistung in Valencia selbst einschätzt, lesen Sie im zweiten Teil

SPIEGEL ONLINE: Wie oft haben Sie intern gefordert, die Nummer eins sein zu wollen?

Hildebrand: Zeigt sich das denn nicht hauptsächlich im Training? Im Spiel? An der Leistung unter Druck? Daran will ich gemessen werden. Nicht daran, ob ich, oder was ich für ein Typ bin.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie ein Image-Problem?

Hildebrand: Ach, es gibt so viel Druck in diesem Geschäft, du bist ständig mit dir selbst beschäftigt. Da bleibt doch gar keine Zeit, sich ständig ums Image zu kümmern. Und was heißt schon Image? Mein Anspruch war immer, Titel zu gewinnen und in der Nationalmannschaft die Nummer eins zu sein. Da bleibt privat verdammt viel auf der Strecke. Wenn du dich dann noch ganz von deinem eigentlichen Charakter verabschiedest, kannst du weder über Dauer Leistung bringen noch wirst du glücklich. Das ist der große Konflikt im Profi-Geschäft: Entweder man macht das ganze Trallala mit, oder man bleibt sich selbst treu. Manche gehen daran zu Grunde, manche halten es durch.

SPIEGEL ONLINE: Jogi Löw betont die positive persönliche Ausstrahlung René Adlers. Sie wirken in der Öffentlichkeit oft kühl, distanziert, manchmal ein bisschen arrogant ...

Hildebrand: ... wer mich kennt, behauptet etwas anderes. Vielleicht wirke ich ein bisschen schüchtern, aber arrogant bin ich definitiv nicht.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie also nicht im Kader, weil es ein zwischenmenschliches Problem zwischen Ihnen und den Trainern gibt?

Hildebrand: Glauben Sie, das wird Ihnen jemand so sagen? Glauben Sie, einer würde wagen, zu sagen: 'Hören Sie mal, wir mögen den Timo nicht, deshalb packt der es nicht, die Nummer eins zu sein? Nein, das ist reine Interpretation.

SPIEGEL ONLINE: Sie könnten den Eindruck gewonnen haben ...

Hildebrand: Ach was.

SPIEGEL ONLINE: Hat die Entscheidung in Wahrheit also nichts mit Ihrer Qualität zu tun?

Hildebrand: Nach welchen Leistungsprinzipien werden Nationalspieler denn ausgewählt? Es muss doch einen Maßstab geben oder nicht? Das vermitteln Sie doch ständig. Ich bin ins Ausland gegangen, wollte mich der internationalen Konkurrenz stellen. Ich habe mich in der Winterpause entschieden, diesen Schritt nach zwölf Jahren Stuttgart zu gehen. Damals wusste noch keiner, dass wir mit dem VfB Meister werden. Übrigens haben Jogi Löw und Andy Köpke mir dazu geraten. Sie sagten: Mach das, das bringt dich in allem weiter. Und sie hatten recht, es hat mich weitergebracht. Eben nur nicht in der Nationalmannschaft. Glauben Sie mir, das letzte Jahr war der Hammer. Kein Mensch in Deutschland, auch kein Journalist, kann das beurteilen. Weil alle nur abgeschrieben haben. Einen Tag hieß es, Hildebrand spielt super, dann hieß es, Hildebrand spielt unterirdisch. Dass die Bedingungen im Club extrem schwierig waren interessiert nicht.

SPIEGEL ONLINE: Wären Sie im EM-Kader, wenn Sie beim VfB Stuttgart geblieben wären?

Hildebrand: Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Es hätte wohl mehr Aufmerksamkeit gegeben, gut möglich.

SPIEGEL ONLINE: Wechseln Sie im Sommer zurück zum VfB?

Hildebrand: Ich habe gelernt: Im Fußball ist alles möglich. Aber eigentlich bin ich längst noch nicht fertig in Valencia.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es schon Kontakt zum VfB?

Hildebrand: Nein.

SPIEGEL ONLINE: Warum glauben Sie, der wahre Nachfolger von Jens Lehmann zu sein?

Hildebrand: Nach welchen Kriterien entscheiden wir jetzt?

SPIEGEL ONLINE: Nach Ihren persönlichen.

Hildebrand: Ich bin ins Ausland gegangen, habe hier eine Ikone vom Thron gestürzt, das hat im vergangenen Jahr kein anderer Torwart gemacht. Und ich habe einen Titel geholt, bin hier die Nummer eins. Das sind meine Kriterien.

SPIEGEL ONLINE: Wären Sie unter Jürgen Klinsmann noch dabei?

Hildebrand: Zumindest wäre unter Klinsmann nicht schon vor der Nominierung rausgekommen, dass ich nicht dabei bin. Genau das macht Jürgen in meinen Augen aus. Er lässt sich auf keine politischen Spielchen ein. Er hat seinen Plan und zieht ihn ohne Kompromisse durch.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht es jetzt weiter? Ist das Thema Nationalmannschaft für Sie beendet?

Hildebrand: Löw sagte, in dem Gespräch nach der EM werden wir über die Perspektiven reden. Es ist immer noch mein Traum, die Nummer eins zu sein. Ich werde nicht aufhören, dafür zu kämpfen.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie diesem Trainerteam überhaupt noch mal vertrauen?

Hildebrand: Tja. Ich muss oft darüber nachdenken, was es wohl für ein Gefühl sein würde, Andy Köpke wieder gegenüber zu stehen. Aber Kevin Kuranyi hat das ja auch gepackt.

SPIEGEL ONLINE: Motiviert es Sie, dass Jens Lehmann auch erst mit 36 Jahren die Nummer eins wurde?

Hildebrand: Darüber denke ich im Moment nicht wirklich nach. Trotzdem ist es nicht meine Art, einfach alles hinschmeißen zu wollen. Ich bin ein Kämpfer. Ich fahre jetzt erst mal zur Hochzeit eines Freundes nach Irland und anschließend zu meiner Familie.

Das Interview führte Cathrin Gilbert

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Die neuesten Beiträge:
07.07.2008 von reikur:

Ich bleibe dabei: Hildebrand ist unfair und menschlich unanständig behandelt worden. Und mir ist immer noch nicht erklärt worden, warum Torwarte von einem Graumausverein mit der Erfahrung eines Freundschaftsspieles bzw. von [...] mehr...

07.07.2008 von shokaku:

In der NM hat es schlicht nicht gepasst. Das Murmeltor auf Zypern, das Debakel gegen die Tschechen. Alles keine Glanzlichter. Und seine Saison in Spanien war auch von extremen Leistungsschwankungen geprägt. Hildebrand nicht zu [...] mehr...

07.07.2008 von reikur:

Na, nun weiß ich wenigstens, was für Leute Geld für derartige Bücher wie "Ich" des Titanen (gut getroffen von Pocher) ausgeben. Wahrscheinlich haben Sie auch die gesammelten Werke des Dieter Bohlen im Bücherschrank. mehr...

07.07.2008 von Statikus:

Eine ausreichende Leistung, um sich (bei der Konkurrenz!) für die Nationalmannschaft zu qualifizieren, allerdings auch nicht! mehr...

07.07.2008 von reikur:

Timo Hildebrand ist zweifellos unfair behandelt worden. Mir hat noch niemand erklären können, warum es sinnvoll war, bei der EM Ersatztorwarte mit einem, bzw. keinem Länderspiel zu nominieren. Und angebliche mangelnde Leistung [...] mehr...

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