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08.06.2008
 

DFB-Erfolg zum Auftakt

Podolski besiegt Polen

Von Mike Glindmeier und Christian Paul

Perfekter Start ins EM-Turnier: Deutschland hat das hart umkämpfte Auftaktspiel gegen Polen gewonnen. Die entscheidenden Treffer erzielte Bayern-Profi Lukas Podolski, der bis kurz vor der Partie noch um seinen Einsatz zittern musste.

Hamburg - Die deutsche Nationalmannschaft hat bei der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz einen Einstand nach Maß gefeiert. Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw gewann ihr erstes Spiel in der Gruppe B gegen Polen 2:0 (1:0). Beide Tore erzielte Lukas Podolski, der erst am Mittag von seinem Einsatz in der Startelf erfahren hatte. Die Diskussion um seinen Einsatz von Beginn an wollte der 23-Jährige nach dem Erfolg nicht mehr groß kommentieren: "Im Vorfeld wird immer viel geredet. Ob ich im Mittelfeld oder im Sturm spiele, ist mir egal", so Podolski.

Doppel-Torschütze Podolski: "Polen liegt mir sehr am Herzen"
REUTERS

Doppel-Torschütze Podolski: "Polen liegt mir sehr am Herzen"

Polen misslang die angekündigte Revanche für die 0:1-Niederlage bei der WM 2006 und wartet damit auch nach dem 16. Aufeinandertreffen weiter auf einen Erfolg gegen Deutschland. Das Team des niederländischen Trainers Leo Beenhakker steht schon nach dem ersten EM-Spiel unter Druck. Die DFB-Elf hingegen ist aufgrund der besseren Tordifferenz nach dem ersten Spieltag Gruppenerster vor Kroatien, das sein Auftaktspiel gegen Österreich 1:0 gewann. Der deutsche Sieg war gleichzeitig der erste Erfolg bei einer EM-Endrunde seit dem Finale 1996 (2:1 gegen Tschechien).

Mit dem Anpfiff des norwegischen Schiedsrichters Tom Henning Övrebö entwickelte sich ein temporeiches Spiel, das kaum Pausen gestattete. Keine 40 Sekunden waren gespielt, als eine Flanke aus dem rechten Halbfeld in den deutschen Strafraum segelte. Auf Höhe des Elfmeterpunktes behinderten sich Keeper Jens Lehmann und Abwehrspieler Per Mertesacker gegenseitig. Der Ball fiel Jacek Krzynowek vor die Füße, der aus 16 Metern abzog, den Ball aber nicht richtig traf und so die Großchance vergab.

In der vierten Minute dann der erste Angriff der DFB-Elf: Michael Ballack spielte Miroslav Klose auf halblinks frei, der Bayern-Stürmer stand nicht im Abseits und zog der polnischen Innenverteidigung davon. Sein Pass in die Mitte zu Sturmkollege Mario Gomez geriet jedoch etwas zu steil, der Stuttgarter konnte den Ball nur noch Zentimeter am Tor vorbeispitzeln.

Die Abstimmung in der Abwehr, das große Problem in den Vorbereitungsspielen gegen Weißrussland und Serbien, erwies sich in der Anfangsphase weiterhin als ausbaufähig. Bei einem Steilpass der Polen in den Strafraum zu Maciej Zurawski ging Mertesacker dazwischen. Lehmann konnte den Abpraller aber im Fallen nicht festhalten, es war jedoch kein Pole nachgerückt (15.).

Kurz darauf dann fast die Duplizität der Szene aus der vierten Minute. Diesmal brach Klose auf der rechten Seite durch, stand dabei aber minimal im Abseits. Doch die Fahne des Schiedsrichterassistenten blieb unten. Klose spielte diesmal mustergültig auf den mitgelaufenen Podolski. Der gebürtige Pole, der den Vorzug im linken Mittelfeld vor seinem Kumpel Bastian Schweinsteiger erhalten hatte, schob ohne Mühe zum 1:0 für Deutschland ein (20.). Erinnerungen an das Sommermärchen während der WM 2006 wurden wach, Podolskis Jubel fiel allerdings eher verhalten aus. "Polen liegt mir sehr am Herzen, deshalb habe ich nicht richtig gejubelt nach den Toren", so Podolski.

"Das erste Tor war wichtig, es hätten in der ersten Halbzeit sogar ein oder zwei mehr sein können", so Ballack. Die Polen reagierten und kamen nur kurz darauf zu ihrer bis dahin besten Chance. Wojciech Lobodzinski drang von der rechten Seite in den Strafraum ein und zog flach ab, Lehmann parierte den Schuss sicher (28.). Marcell Jansen hatte seinem Gegenspieler zu viel Raum gelassen. Lobodzinski sorgte mit einer Hereingabe auf Zurawski erneut für Gefahr, doch der Mittelfeldspieler verfehlte das Tor um gut einen Meter (36.).

In der 38. Minute dann wieder einmal eine Chance für die deutsche Nationalmannschaft: Clemens Fritz, der in den ersten 45 Minuten häufig viel Platz auf der rechten Seite hatte und diesen immer wieder für gefährliche Vorstöße nutzte, schüttelte seinen Gegenspieler Jacek Bak ab. Sein Pass in den Strafraum der Polen landete bei Gomez, doch der 23-Jährige traf den Ball nicht richtig und schoss drei Meter links vorbei.

Löw: "Lukas hat stark gespielt"

In der zweiten Halbzeit sorgte wieder der starke Fritz für den ersten emotionalen Ausbruch der deutschen Fans. Besser gesagt dessen Auswechslung. Als Löw den besten deutschen Spieler der ersten Halbzeit in der 55. Minute vom Platz nahm und Schweinsteiger brachte, gab es laute Pfiffe aus dem Block der deutschen Anhänger. "Clemens Fritz war in der Vorbereitung angeschlagen, in der Halbzeit hab ich ihm gesagt, er soll die nächsten 10 bis 15 Minuten nochmal Gas geben", begründete Löw die Maßnahme. "Bastian Schweinsteiger hatte in den letzten Tagen deutlich ansteigende Form, fast schon Bestform, und er war sofort gut im Spiel", so Löw.

Insgesamt verlor die Partie in den zweiten 45 Minuten zunehmend an Qualität: Deutschland zog sich etwas zurück, die Polen drangen zwar das eine oder andere Mal gefährlich in die deutsche Hälfte vor, am Strafraum war allerdings meistens Endstation. In der 62. Minute hatte die DFB-Elf zudem das Glück, dass das Schiedsrichtergespann einen Treffer des ehemaligen Dortmunders Ebi Smolarek nicht anerkannte. Der Stürmer soll bei der Flanke von Mariusz Lewandowski im Abseits gestanden haben.

In der 70. Minute hätte Ballack dann aber doch vorzeitig für eine Entscheidung sorgen können. Phillipp Lahm hatte von der rechten Außenbahn schön zurückgelegt, doch der Kapitän scheiterte aus 13 Metern am polnischen Torwart Artur Boruc. Nur zwei Minuten später machte es Podolski besser. Über Schweinsteiger und Klose landete der Ball bei dem Bayern-Stürmer, der aus elf Metern abzog und herrlich in den linken Winkel traf. "Lukas hat zwei Tore gemacht und stark gespielt, aber die ganze Mannschaft hat eine gute Leistung gezeigt", sagte Löw, dessen Entscheidung für Podolski von Beginn an ein Volltreffer war. Sein Kapitän stimmte ihm zu: "Heute hat es mit Podolski auf der linken Seite gut geklappt", so Ballack.

Polens Trainer Leo Beenhakker, der sich vor dem Spiel persönlich für die Entgleisung einer polnischen Boulevardzeitung bei Löw entschuldigt hatte, zeigte sich auch nach dem Schlusspfiff als fairer Verlierer: "Ich bin zufrieden, wie wir bis zum zweiten Tor mitgehalten haben. Wir sind viel am Ball gewesen, aber den letzten Punch habe ich vermisst, auch das Glück hat uns gefehlt", so Beenhakker. Die Anfeindungen, die sich im Vorfeld abgespielt haben, bezeichnete der Coach erneut als "unverantwortlich".

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