Von Frieder Pfeiffer
Hamburg - Große Namen vereint die Vorrunden-Gruppe C - große Spiele garantieren diese freilich nicht. So bot das 0:0 zum Auftakt der "Hammergruppe" zwischen Frankreich und Rumänien vor 30.585 Zuschauern in Zürich die bislang müdeste Art des Fußballs bei dieser Europameisterschaft.
In dieser Form wird es für beide Nationalteams schwer, in den kommenden Spielen gegen Italien und die Niederlande die Qualifikation für das Viertelfinale zu realisieren. Zu offensivschwach die Rumänen, zu behäbig die ehemals so erfolgreiche Auswahl der Franzosen.
"Wir haben zwei Punkte verloren, in dieser Gruppe kann schon ein Unentschieden schwerwiegende Folgen haben", sagte Frankreichs Trainer Raymond Domenech. "Jetzt müssen wir unser nächstes Spiel gewinnen", forderte der Coach: "Aber noch sind sechs Punkte zu vergeben. Ich bin nicht pessimistisch, sondern optimistisch."
Drei Europameister von 2000 hatte Domenech mit in die Schweiz genommen - auf zwei musste er jedoch gleich gegen Rumänien verzichten. Stürmer Thierry Henry (Knöchelprellung und Gesäßmuskelzerrung) und Mittelfeldmann Patrick Vieira (Oberschenkelverletzung) konnten Verteidiger Liliam Thuram nicht aufs Spielfeld im Zürcher Letzigrund folgen. Der Gegner aus Rumänien schickte seine besten elf Spieler in die Partie - der Stuttgarter Angreifer Ciprian Marica gehörte dabei erstmals seit langer Zeit nicht dazu.
Große Auswirkungen hätte sein Mitwirken in der Anfangsphase nicht gehabt, egal wie gut oder schlecht. Frankreich übernahm schnell die Kontrolle über das Spiel, kombinierte gefällig weil flüssig in der Hälfte der Rumänen. Die Stürmer in gelb blieben lange beschäftigungslos. Das spielerische Übergewicht der Franzosen mündete jedoch nur selten in Tormöglichkeiten; und wenn doch, dann in äußerst unspektakulären Halbchancen nach einem Fernschuss von Karim Benzema (10.) und einem Steilpass auf Florent Malouda, den Rumäniens Torhüter Bogdan Lobont im Rutschen mit dem Knie klären konnte (18.).
Das wurde in der Folge nicht besser. Im Gegenteil: Statt besserer Möglichkeiten gab es schlechtere Franzosen, mit der Folge, dass die Rumänen sicherer wurden und die Partie ausgeglichener. Ab der 20. Minute entwickelte sich ein zäher Kampf, der nichts von der Schnelligkeit der bisherigen Partien bei dieser Europameisterschaft hatte - kreativarm statt abwechslungsreich.
Daran änderte auch Frankreichs Angreifer Nicolas Anelka nichts, der für Henry von Beginn an ran durfte. Der Chelsea-Stürmer sorgte erst mit einem Kopfball in der 33. Minute für Gefahr vor dem rumänischen Tor, dann für Erheiterung auf den Rängen, als er von der Grundlinie aus versuchte, mit Vollspann den Ball ins Gehäuse zu jagen (38.).
Auch Franck Ribéry kam auf der ungeliebten rechten Seite nicht ins Spiel. Malouda, der die gewohnte Position des Bayern-Spielers auf links besetzte, agierte nicht nur unglücklich - er blockierte den seitenwechselnden Ribéry ein ums andere Mal und ließ sich nicht auf Positionsrochaden ein, was zu einer lähmenden Statik im französischen Spiel führte. Vor der Pause machte somit nur noch Benzema einmal kurz von sich reden, als er aus kurzer Distanz den Ball in die Arme Lobonts schob (43.).
Auch nach dem Wechsel war es der 20-jährige Stürmer von Olympique Lyon, der für spärliche - zumindest gefühlte - Höhepunkte verantwortlich war. Nach schöner Vorarbeit von Ribéry landete sein mittig plazierter Versuch von der Strafraumgrenze jedoch wiederum bei Keeper Lobont (57.). Sechs Minuten später zielte er noch ungenauer, sein Schuss verfehlte das rumänische Tor deutlich.
Rumäniens Trainer Victor Piturca klammerste sich an den positiven Erkenntnissen dieser Partie fest: "Es war ein gerechtes Ergebnis, denn es gab auf beiden Seiten nicht allzu viele Chancen", sagte er: "Beide Mannschaften sind nach wie vor in einer guten Position, um die nächste Runde zu erreichen." Spätestens in der 77. Minute gab Piturca jede Hoffnung auf einen Sieg auf und wechselte Mutu aus.
Wenige Minuten zuvor hatte Trainer Domenech ("Wir waren nervös") auf Seiten der Franzosen den jungen Angreifer Bafétimbi Gomis für Anelka aufs Feld geschickt. Doch selbst der 22-jährige vom AS St. Etienne, der in der Vorbereitung mit spektakulären Toren begeisterte, blieb chancenlos im Versuch, die eingefahrene Partie doch noch auf ansehnlichere Wege zu lenken.
Mit Material von sid und dpa
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