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09.06.2008
 

DFB-Held Podolski

Der Prinz zählt nichts im Bayern-Land

Aus Tenero berichtet Cathrin Gilbert

Im Nationaldress top, beim FC Bayern nur Ersatz: Egal wie gut Lukas Podolski auch bei dieser EM auftritt, eine herausragende Rolle beim Deutschen Meister scheint ihm verwehrt - zu groß ist die Konkurrenz. Das Turnier könnte nun seine Bewerbung für einen neuen Verein sein.

Wenn sich Lukas Podolski im Bus der Nationalmannschaft auf dem Weg ins Stadion konzentrieren will, hört er auf seinem iPod am liebsten Lieder von Usher - dem R&B-Star, der sich von den Straßen des amerikanischen Bundesstaates Tennessee über den heimischen Kirchenchor in die internationalen Charts hochgesungen hat. Usher singt von Frauen und einer schwierigen Kindheit, wie die meisten R&B-Künstler. Und davon, dass man sich nie unterkriegen lassen darf.

Poldi gefällt diese Einstellung. Als er am Sonntag vor dem EM- Auftaktspiel gegen Polen (2:0) zu den gewohnten Klängen träumte, müssen sich seine Gedanken auch um die schwierigen letzten beiden Jahre bei Bayern München gedreht haben. "Er war vor dem Spiel so wahnsinnig konzentriert", sagt Teammanger Oliver Bierhoff. Nach der WM 2006 von der Fifa offiziell zum besten Nachwuchsspieler der Welt gewählt, hat er in München den Sprung in die Stammelf verpasst. Es hat ihm weh getan, von der Bank beobachten zu müssen, wie Franck Ribéry und Luca Toni seine Bayern zum Double führten und dafür von der Öffentlichkeit zu den Königen der Bundesliga erkoren wurden.

Aber Könige werden im Fußball manchmal innerhalb von 90 Minuten geboren und Prinzen wie Poldi wiederbelebt. Spätestens mit seinem zweiten Treffer gegen Polen in der 72. Spielminute, als er den Ball mit dieser unglaublichen Wucht, volley, aus elf Metern Distanz unter die Latte knallte, hat sich Podolski seinen Bayern-Frust von der Seele geschossen. Da hallten sie wieder, die Lukas-Podolski-Gesänge, diesmal durch die Arena in Klagenfurt. Schon nach seinem ersten Auftritt avanciert Podolski neben dem Portugiesen Cristiano Ronaldo, den er beim Fifa-Ranking 2006 auf Platz zwei verwies, zum auffälligsten Spieler der EM. Es ist wieder Poldi-Time.

Aber warum funktioniert Lukas Podolski in der Nationalmannschaft anscheinend auf Knopfdruck? Wird sein Potential bei den Bayern verkannt? Wird er sich mit einer erfolgreichen EM endlich in die Startelf spielen? Übernimmt doch Jürgen Klinsmann die Bayern nach der Sommerpause, der ihm durch sein Vertrauen als Trainer bei der WM 2006 den Weg aus Köln nach München ebnete.

Es klingt im ersten Moment unglaublich, aber die Mission Bayern scheint unmöglich für Podolski. Denn die Position im linken Mittelfeld, auf der ihn Bundestrainer Joachim Löw als "wahnsinnig stark" bezeichnet, ist schon besetzt - von Ribéry. Dass der für 25 Millionen Euro eingekaufte Franzose für den DFB-Torschützen den Platz räumen muss, ist sogar unter Klinsmann schwer vorstellbar.

Im Sturm, Podolskis gewohntem Terrain, sind Toni und Miroslav Klose gesetzt. Das weiß der 23-Jährige. Momentan konzentriere er sich natürlich voll auf die EM, sagt er, aber danach ziehe er Bilanz. Zwei Titel habe er mit den Bayern gewonnen, aber definitiv zu wenig gespielt. Er habe zwar noch keine anderen Angebote, aber das Turnier ist noch jung.

Auch auf der Fahrt zum nächsten Vorrundenspiel gegen Kroatien am Donnerstag (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wird Podolski wieder seinen gewohnten Rhythm & Blues-Mix hören. Er will weiter glänzen. Jedes Tor, jeder gelungene Pass wird keine Eintrittskarte in die Bayernelf, aber eine Bewerbung für die Liga der internationalen Spitzenvereine. Denn es gibt wenige Spieler neben ihm, die eine solche Torgefährlichkeit aus dem Mittelfeld ausstrahlen und gleichzeitig den gezielten Pass in die Tiefe spielen können.

Verloren wäre die Zeit beim FC Bayern ohnehin nicht, egal was nun kommt. Podolski ist erwachsen geworden. Es scheint, als wolle er sich bewusst von den anderen Jungstars abgrenzen. Mit dem Heiraten möchte er sich noch etwas Zeit lassen, aber eine kleine Familie hat er mit Freundin Monica schon gegründet. Im April kam Sohn Louis zur Welt. "Ich bin ein perfekter Familienmensch", sagt Podolski.

Usher ist zwar derzeit einer der erfolgreichsten Rapper der Welt, aber kein gewöhnlicher. Er brauche keine wilden Parties oder Alkohol, sagt er: "Ich schöpfe meine Kraft für die Musik aus meiner Familie."

Kurz vor Podolskis Sohn ist Usher Raymond V. zur Welt gekommen.

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