Hamburg - Bundestrainer Joachim Löw macht sich Hoffnungen auf einen Freispruch im Seitenlinien-Streit. Schiedsrichter Manuel Mejuto Gonzalez hatte ihn und Österreichs Teamchef Josef Hickersberger in der 40. Minute des Spiels in Wiendes Feldes verwiesen - doch dass ihn die Uefa deshalb auch für das Portugal-Spiel am Donnerstag sperrt, erwartet Löw nicht.
Er wisse zwar nicht, ob er sich in diesem "schwebenden Verfahren" schon dazu äußern könne, sagte Löw an diesem Dienstag - aber: "Ich gehe davon aus, dass es einen Freispruch geben kann, weil ich niemanden beleidigt habe."
Er schilderte seine Version des Vorfalls und warf den Schiedsrichtern Überreaktionen vor: "Ich habe mir mit Josef Hickersberger kein Scharmützel geleistet. Wir haben uns beide beim vierten Offiziellen beschwert, weil wir in Ruhe unseren Job machen wollten," sagte Löw.
Der vierte Offizielle, in dem Spiel Damir Skomina (Slowenien), kontrolliert unter anderem die Coaching-Zone, in der sich die Trainer bewegen dürfen. Dessen ständige Zurückweisungen hätten weder ihm noch Hickersberger gefallen, sagte Löw: "Für einen Trainer ist es nicht schön, wenn er sich eingeschränkt fühlt und sich nicht frei bewegen kann." Er selbst habe "zu Hickersberger ein sehr, sehr gutes Verhältnis. Wir kennen uns schon aus der österreichischen Liga und haben kein einziges Problem miteinander".
Ein Überschreiten der Coaching-Zone will Löw allerdings nicht ausschließen: "Es kann sein, dass ich einen Schritt außerhalb der Coaching Zone gemacht habe."
Der Bundestrainer ist gemäß den Uefa-Regularien für das Viertelfinalspiel am Donnerstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen Portugal in Basel vorläufig gesperrt. Dies gilt bis zu einer endgültigen Entscheidung durch die Uefa-Kontroll- und Disziplinarkommission, die für Mittwoch erwartet wird. Für den Fall einer Sperre steht laut Löw noch kein Plan B bereit: "Ich gehe davon aus, dass ich am Donnerstag auf der Bank sitzen kann. Über eine andere Lösung unterhalten wir uns, wenn eine definitive Entscheidung gefallen ist."
Mut machen dürfte ihm eine Entscheidung der Uefa im Fall Andreas Herzog: Gegen den österreichischen Teammanager wird nach dessen Schiedsrichterschelte nicht ermittelt. Herzog hatte die Hinausstellung von Hickersberger und Löw noch am Montagabend als "völlig überzogen" bezeichnet. "Der Schiedsrichter wollte sich in Szene setzen. Er sollte seinen Job machen und sich nicht wichtig machen. Das war ein Selbstdarsteller", sagte Herzog. Der frühere Bundesliga-Spieler von Werder Bremen und Bayern München monierte, der Spanier habe mit seiner Entscheidung "ein Spiel, das zuvor ganz normal war, komisch gemacht". Uefa-Mediendirektor William Gaillard teilte dazu nur knapp mit, die Kontroll- und Disziplinarkommission des Verbands befasse sich nicht mit Herzogs Äußerungen.
chp/sid/dpa
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