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17.06.2008
 

Sieg gegen Frankreich

Italien rettet sich ins Viertelfinale

Von Hendrik Ternieden

Jubel beim Weltmeister, Trauer in Frankreich und Rumänien: Italien feiert den Einzug ins Viertelfinale durch einen Sieg über die Franzosen, die zudem Franck Ribéry durch eine schwere Verletzung verlieren. Rumänien blieb chancenlos gegen die B-Elf der Niederlande und ist ebenfalls draußen.

Er schaute wild entschlossen, dieser Roberto Donadoni. Italiens Nationaltrainer stand an der Außenlinie, die Arme in die Hüfte gestemmt und die Augen weit aufgerissen. Sein Team lag gegen Frankreich vorn, doch Donadoni wollte keine falsche Sorglosigkeit aufkommen lassen. Es ging für den 45-Jährigen schließlich um seinen Job. Noch nie ist ein amtierender Weltmeister bei einer EM in der Vorrunde ausgeschieden. Sollte dieser Fauxpas ausgerechnet Italien ereilen - Donadoni wäre mit Sicherheit nicht länger Trainer der "Squadra Azzurra" gewesen.

Doch die Sorgen waren unbegründet. Italien siegte 2:0 (1:0) und zieht in die Runde der letzten Acht ein. Die Tifosi müssen sich allerdings bei den Niederlanden bedanken, die gegen Rumänien mit 2:0 die Oberhand behielten und so das Weiterkommen der Italiener erst ermöglichten. Im Viertelfinale geht es für Luca Toni und Co. nun am Sonntag in Wien (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen Spanien, den Sieger der Gruppe D.

"Ich bin sehr zufrieden mit dem Spiel, wir haben die Früchte unserer Arbeit einfahren können. Ich hatte nie Zweifel und wusste, dass es so kommen würde", sagte Donadoni. Seine Mannschaft hatte schon früh einen Vorteil, denn vor 30.000 Zuschauern in Zürich hatten die Franzosen bereits in der achten Minute den ersten Rückschlag verkraften müssen.

Franck Ribéry, ihr wichtigster Mann, hatte Gegenspieler Gianluca Zambrotta gefoult und war dabei so unglücklich gefallen, dass er ausgewechselt werden musste. Mit starken Schmerzen und Verdacht auf Unterschenkelbruch wurde der 25-Jährige auf einer Trage vom Spielfeld gebracht. Dieser Anblick schien sein Team nachhaltig zu erschüttern, die Franzosen waren durcheinander.

In der 27. Minute lief Italiens Stürmer Luca Toni allein auf das Tor zu, nur verfolgt von Eric Abidal. Der französische Verteidiger zerrte und drückte und natürlich ging Toni zu Boden. Abidal bekam die Rote Karte und Italien einen Elfmeter. Diesen verwandelte Andrea Pirlo ohne Mühe. Sein Ball flog zielsicher ins linke obere Eck, Torhüter Gregory Coupet war ohne Chance.

Zu diesem Zeitpunkt schien die Partie bereits entschieden. Nicht einmal Frankreichs Nationaltrainer Raymond Domenech machte noch einen zuversichtlichen Eindruck. Der 56-Jährige schüttelte immer wieder den Kopf und spielte sich mit der Hand nervös am Mund herum. Wer konnte es ihm verdenken? Sein Team war in Unterzahl, Ribéry auf dem Weg ins Krankenhaus, und Italien startete einen wahren Sturmlauf.

Immer im Mittelpunkt dabei: Bayern-Stürmer Toni. Der 31-Jährige hatte Chance um Chance, allein zwischen der 28. und 30. Minute stand er dreimal aussichtsreich vor dem Tor. Ein Treffer war ihm aber nicht vergönnt. Stattdessen war beinahe Abwehrspieler Grosso erfolgreich, sein Freistoß klatschte aber gegen den Pfosten (44.). Nach dem Seitenwechsel stemmten sich die Franzosen noch einmal gegen die drohende Niederlage, doch bis auf einen zu hoch angesetzten Schuss von Karim Benzema kam dabei wenig heraus. Auch die Italiener zeigten sich in dieser Phase nicht sonderlich kreativ, hatten dafür aber das nötige Glück auf ihrer Seite.

Als Daniele De Rossi in der 62. Minute zum Freistoß antrat, rechnete Frankreichs Keeper Coupet nicht unbedingt mit großer Gefahr. Der Ball lag schließlich über 30 Meter von seinem Tor entfernt. Doch der Schuss wurde von Thierry Henry abgefälscht und flog unhaltbar an Coupet vorbei ins Netz. Die Italiener konnten ihr Glück kaum fassen - und jetzt zeigte sich selbst Donadoni ausgelassen. Er rannte zur Seitenlinie und klatschte mit seinen Spielern ab.

Tatsächlich war der Widerstand der Franzosen gebrochen. Wenn es doch noch einmal gefährlich wurde, dann nur aus der Distanz, und da zeigte sich Torwart Gianluigi Buffon als Meister seines Fachs - so auch in der 74. Minute, als er einen harten Schuss von Karim Benzema noch um den Pfosten lenkte. Italien überstand die Schlussphase ohne große Probleme, und Donadoni durfte seinen Assistenten in die Arme fallen.

Er weiß allerdings auch, wem er einen besonderen Dank schuldet. Ohne Keeper Buffon, der im Spiel gegen Rumänien kurz vor Schluss einen Elfmeter parierte, wäre Italien schon längst ausgeschieden. Der Routinier (84 Länderspiele) ist momentan die einzige Konstante in seinem Team.

Was zum Beispiel ist mit Tormaschine Toni geschehen? Der Angreifer spielt stark, er ist immer in Bewegung, erarbeitet sich eine Chance nach der anderen - und trifft das Tor nicht. Hätte er bei der EM die gleiche Trefferquote wie im Verein bei Bayern München - er würde die Torjägerliste mit geschätzten elf Treffern anführen. "Toni hat heute außergewöhnlich gespielt, aber nun muss er auch Tore schießen", forderte Donadoni.

Immerhin scheint er nach den vielen Wechseln in den ersten Spielen endlich seine Stammformation gefunden zu haben. Darin dürfte sich auch De Rossi einen Platz erkämpft haben, ganz im Gegensatz zu Alessandro Del Piero. Der Juve-Profi wurde gegen Frankreich nicht einmal eingewechselt. Ein Problem bezüglich seiner Formation wird Donadoni aber zumindest im Viertelfinale nicht lösen können. Wegen ihrer zweiten Gelben Karte sind die wichtigen Mittelfeld-Stammkräfte Andrea Pirlo und Gennaro Gattuso gegen Spanien gesperrt.

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