Mit dem Abpfiff verwandelte sich die Hauptstadt in Deutschlands größte Open-Air-Party zu Ehren des Fußballs. Hunderttausende Fans feierten am Mittwochabend im kollektiven Freudentaumel und mit wilden Hupkonzerten quer durch ganz Berlin. Die 500.000 Fußballfans auf der Fanmeile am Brandenburger Tor hatten zusammen eine Riesenfete - der Jubel beim entscheidenden dritten Tor durch Philipp Lahm konnte absolut mit der Massenfreude mithalten, die dort zu Silvester um Mitternacht aufbraust.
Berliner Fans: Nach der Zitterpartie das Straßenfest
Die im Vergleich wenigen deutschen Fans mussten sich aber nicht ausgeschlossen fühlen - viele Anwesende schwenkten beide Fahnen, in der Halbzeitpause wurde mit dem Nachbarn bei Bier und Grillgut über die Leistung beider Mannschaften diskutiert. "Endlich mal Minderheit sein", sagt eine Berliner Studentin scherzhaft und lacht.
Die schwache Leistung der Deutschen in der ersten Halbzeit lässt die Türken hoffen - doch spätestens in der 89. Minute macht sich bittere Enttäuschung breit. Beim Abpfiff dann sekundenlanges Schweigen - die türkischen Fans blicken stumm auf ihre Niederlage, die deutschen Fans können ihren Sieg kaum fassen. Wo noch am vergangenen Freitag Feuerwerk und rot-weiße Autokorsos das Bild bestimmten, spürt man in dieser Nacht vor allem Resignation. "Die Enttäuschung ist besonders groß, weil die Türken so gut gespielt haben", sagt ein Fan.
Doch Enttäuschung und Trauer kippen nicht in Wut um - deutsche Fans werden beglückwünscht, die Fahnen beider Länder geschwenkt, auf den Straßen kommt es zu Verbrüderungsszenen.
"Deutschland hat zwar gewonnen, aber wir machen trotzdem Party", sagt ein junger türkischer Fan - die Kreuzberger halten sich noch Stunden nach dem Abpfiff in Stimmung, Trommler und Bands machen Musik, die Menschen tanzen auf den Straßen. Nur die meisten deutschen Fans kämpfen sich durch Absperrungen und Polizeiblockaden und ziehen weiter Richtung Fanmeile - um den Siegesrausch voll auszukosten.
Ferda Ataman
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