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26.06.2008
 

Fi-na-le!

Deutsche Fans im Rausch - Türken feiern mit

3. Teil: Hamburg - Eiserne Geduld beim Totalausfall

Die Amüsiermeile der Stadt ist Sekunden nach dem Abpfiff komplett dicht - die Polizei bändigt die Massen mit Absperrgittern und Personenkontrollen. Zuvor hatten die türkischen Fans mit versteinerten Gesichtern das Ende der hochspannenden Halbfinalpartie verfolgt - viele wandten sich bereits in der 89. Minute enttäuscht von den Leinwänden und Flatscreens ab, als Deutschland in Führung ging.

Hamburger Fans auf dem Heiligengeistfeld: "In jedem Fall gefreut"
DDP

Hamburger Fans auf dem Heiligengeistfeld: "In jedem Fall gefreut"

Die über 42.000 deutschen und türkischen Fußballfans, die auf dem Hamburger Heiligengeistfeld das Spiel verfolgten, stürzen sich nach Abpfiff in die Kneipen und Bars der Stadt. Ahmet Hirac, 35, ist ein Kind türkischer Einwanderer und in Geesthacht geboren - an diesem Abend hat er sein türkisches Fanhemd übergezogen, "doch zum Finale zieh ich dann mein deutsches Shirt an", sagt er lachend. Er nimmt die Niederlage der Türkei mehr als locker: "Ich hätte mich in jedem Fall gefreut, egal wer gewinnt."

Die Situation zwischen den Fans war schon während des Spiels "extrem entspannt", berichtet ein Beobachter vor Ort. Das Bühnenprogramm wird von einem deutsch-türkischen Moderatorenteam geführt, aus den Lautsprecherboxen erklingen abwechselnd deutsche und türkische Hits. Der 20-jährige Hamburger Türke Erkan Ak sagte vor der Partie: "In erster Linie bin ich für die Türkei, aber ich freue mich auch, wenn Deutschland gewinnt" - passend zum Spielmotto habe er sich extra eine Deutschland-Flagge um den linken Arm, und eine türkische Fahne um den rechten gewickelt.

Sogar der zeitweilige Totalausfall in der Live-Übertragung bringt die Fanmassen nicht in aggressive Wallungen - nach den ersten wütenden Pfiffen aus dem Fan- und Fahnenmeer beruhigt der Veranstalter via Mikrofon und klärt auf: Die Panne passiere gerade überall, nicht nur in Hamburg, es gebe ein technisches Problem beim ZDF. Geduldig harren die Fußballliebhaber aus, starren gemeinsam gespannt auf die Leinwand - bis die Zitterpartie weitergeht.

Ernste Zwischenfälle werden auch Stunden nach dem Abpfiff nicht bekannt - höchstens ein paar Pöbeleien, ein enttäuschter Anrempler, vereinzelte Wortgefechte sind auf Reeperbahn und Schanzenstraße zu beobachten. Selbst bei den anschließenden Feiern herrscht seltene Einigkeit; deutsche und türkische Flaggen wehen bis tief in die Nacht aus Autofenstern, begleitet von wilden Hupkonzerten, Jubelschreien und Fangesängen.

Birger Hamann

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