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08.07.2008
 

Mädchenfußball in Ghana

Träumen von der schwarzen Königin

Aus Asasewa in Ghana berichtet Nathalie Klüver

Sie träumen von einer Profi-Karriere, einem anderen Leben - und bekommen endlich Anerkennung: Ein Kinderhilfswerk hat in Ghana ein vielversprechendes Mädchenfußballprojekt ins Leben gerufen. Die jungen Spielerinnen wollen ran an den Ball, "Black Queens" werden und so raus aus der Armut.

Die Musik wird mit jedem Tor ein wenig lauter. Sie kommt aus zwei großen schwarzen Boxen, die am Spielfeldrand stehen. Der Boden unter den Plastikstühlen bebt, aber wer setzt sich schon bei so einem Spiel? Sie sind alle aufgestanden, die Mannschaften, die Trainer sowieso, die Eltern, die Kinder, die mit Wasser gefüllte Plastiktütchen verkaufen, sogar die coolen Jungs mit den Schirmmützen haben ihre Hände aus den Hosentaschen genommen.

Mehr als tausend Menschen stehen rund um den Rasenplatz in der ghanaischen Kleinstadt Asasewa, die Fäuste geballt, bereit zu jubeln oder entsetzt die Hände über den Kopf zusammenzuschlagen. Es läuft das Elfmeterschießen - im Finale eines langen Turniers.

Zehn Mädchenmannschaften sind gegeneinander angetreten. Es sind keine Profis, die hier über den ausgetretenen Rasen rennen, den die Jungs von der hiesigen Grundschule vor dem Spiel noch mit ihren Macheten zurechtgestutzt haben. Die Mädchen spielen erst seit einem Jahr, viele erst seit wenigen Monaten.

Der entscheidende Elfmeter lässt alle Hände in die Luft fahren. Die einen vor Freude, die anderen vor Entsetzen. Während die einen aufs Spielfeld rennen, lassen sich die anderen auf die Sitze sinken, schütteln den Kopf, ziehen sich die Schuhe von den Füßen. Auf Schultern wird die erfolgreiche Torhüterin übers Spielfeld getragen, die Torschützenkönigin gleich hinterher. Der Trainer umarmt jeden, der ihm über den Weg läuft. Fußball ist ein Fest in Afrika. Eine Möglichkeit, die Armut zu vergessen, dem Alltag zu entfliehen.

Während auf dem Spielfeld die Siegermannschaft zu einem Knäuel aus gelben Trikots mutiert ist, rhythmisch in die Höhe springt und ein fröhliches "Hipp-hipp-hurray" anstimmt, trocknen die Tränen bei der unterlegenen Mannschaft. "Das nächste Mal gewinnen wir", sagt Paulina und wirft ihre Stutzen auf den Rasen. Die 16-Jährige ist vor allem wütend auf sich selbst, ihren Elfmeter hat die Torhüterin gehalten. War es einfach nur Pech, war er zu schwach geschossen? Sie weiß es nicht, nur, dass sie alles gegeben und es nicht gereicht hat.

"Wir sind immerhin Zweite von zehn Mannschaften", versucht ihre Freundin und Mannschaftskollegin Mercy sie zu trösten. Elfmeterschießen sei immer reine Glückssache, sagt Mercy, was soll man machen, das Turnier ist vorbei, das nächste Mal müssten sie die Tore vorher schießen.

"Die Jungs gucken uns immer beim Training zu"

Paulina ärgert sich über die vergebenen Chancen. Sie ist ehrgeizig, denn sie hat ein großes Ziel: Sie möchte einmal Spielerin der Frauen-Nationalmannschaft werden, der "Black Queens" ("schwarze Königinnen"), wie man sie hier nennt.

Schon als kleines Mädchen hat sie Fußball gespielt, mit den Jungs im Dorf. Als sie vor einem halben Jahr gefragt wurde, ob sie beim Mädchenfußballprojekt des Kinderhilfswerks Plan International mitmachen möchte, hat sie sofort ja gesagt. "Fußballspielerin zu werden war schon immer mein Traum." Doch in ihrer Heimat Apimsu, dem 200-Einwohner-Dorf in der Nähe des Voltasees, vier Stunden von der Hauptstadt Accra entfernt, gab es nie eine Fußballmannschaft, geschweige denn einen Verein, noch nicht einmal für Jungs.

Dreimal in der Woche trainieren Paulina und Mercy, nachmittags gleich nach der Schule, wo sie die Abschlussklasse besuchen. "Die Jungs gucken uns immer beim Training zu", erzählt Mercy. Ihnen scheinen die fußballspielenden Mädchen zu gefallen, hat Paulina festgestellt. "Sie lachen höchstens über unsere Aufwärmübungen - aber bei den Spielen stehen sie hinter uns."

Noch vor kurzem galt Frauenfußball in Ghana als verpönt

Ein Talentscout aus Accra geht an den Mädchen vorbei. Er kommt zu jedem Spiel der Fußballmädchen hier in der östlichen Region Ghanas. Zwei Frauenligen gibt es in Ghana, insgesamt ganze 280 Fußballvereine. Tausend fußballspielende Frauen zählt das ghanaische Pendant zum DFB, die Ghana Football Association. Die 200 Mädchen, die hier über den Platz liefen, noch nicht mitgezählt. Noch vor ein paar Jahren galt Frauenfußball in Ghana als verpönt - schickte sich nicht für Frauen. Doch seit die Schwarzen Königinnen bei den Weltmeisterschaften 2003 und 2007 dabei waren, wächst die Begeisterung - obwohl das Team beide Male in der Gruppenphase scheiterte.

Die Chance, in den nächsten zwei Jahren in einer der beiden Ligen zu spielen, steht gut für die Mädchen, sagt der Scout aus Accra. Man sei gerade händeringend dabei, nach gutem Nachwuchs zu suchen und früher gar nicht auf die Idee gekommen, auch in den ländlichen Gebieten danach zu schauen. "Ein bis zwei Mädchen pro Jahrgang haben reelle Chancen darauf, in die Nationalmannschaft zu kommen", sagt er.

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