Aus Asasewa in Ghana berichtet Nathalie Klüver
Das ist es, was Paulina hören möchte. Für sie ist Fußball eine Möglichkeit, ihrem kleinen Dorf den Rücken zu kehren. "Ich sehe hier keine Zukunft für mich." Zukunft möchte sie es nicht nennen, ein Leben wie ihre Eltern zu führen. Die sind Bauern, ihre Mutter verkauft das wenige, was von der Ernte ihres Vaters überbleibt. Das meiste benötigen sie selbst - 98 Prozent der Kleinbauern in Ghana leben von Subsistenzwirtschaft. "Mit spätestens 18 Kinder bekommen, ein Leben lang auf dem Feld arbeiten, nie aus diesem Dorf herauskommen: Das ist nicht das, was ich vom Leben erhoffe", sagt die 16-Jährige ernst.
Nach Accra möchte sie, in die Hauptstadt, dorthin, wo die Menschen Englisch sprechen statt verschiedener Stammessprachen. Wo es Strom gibt, fließendes Wasser, richtige Straßen - und ein großes Fußballstadion. Dort möchte sie auch die weiterführende Schule besuchen. Eine gute Ausbildung ist wichtig, sagt sie, auch wenn Profifußballerinnen in Ghana von ihrem Einkommen leben können. "Aber jede Fußballkarriere ist irgendwann vorbei. Darauf will ich vorbereitet sein."
Kinder möchte sie auch haben - doch nicht vor dem 30. Geburtstag. Erst einmal will sie für sich selbst sorgen können. Der Vater der Kinder, soviel ist klar, wird auf keinen Fall ein Mann aus ihrem Heimatdorf sein: "Ich will einen Mann, der mich bei meiner Fußballkarriere unterstützt - der mich nicht nur als Hausfrau sieht."
Paulina verabschiedet sich, sie will noch ein wenig trainieren. Mercy will nach Hause und packt ihre Sachen zusammen. Fußball macht Spaß, sagt sie, es ist ein tolles Gefühl, in einer Mannschaft zu spielen, zusammen zu feiern, sich gegenseitig zu trösten. "Ich habe mehr Selbstbewusstsein durch das Fußballspielen bekommen", sagt sie. Das ist auch das Ziel des Projektes, das Plan International in Ghana ins Leben gerufen hat. "Wir bekommen mehr Anerkennung in unserem Dorf. Endlich stehen wir Mädchen im Mittelpunkt."
Aber ihr Ziel ist es nicht, Profi zu werden. Auf dem Weg durch den dunkelroten Sand zu ihr nach Hause erzählt sie von ihrem Traum, einmal Ärztin zu werden, denen zu helfen, die es am nötigsten haben. "Wir haben in Ghana viel zu wenig Ärzte", sagt sie. Von ihrem Dorf zur nächsten Krankenstation sind es eineinhalb Stunden Autofahrt über holprige Straßen. Doch in ihrem Dorf hat kaum jemand ein Auto, und so müssen selbst die Kranken den weiten Weg zu Fuß zurücklegen.
Es ist ein kleines Dorf mit 250 Einwohnern, in dem die Menschen in roten Lehm- und Holzhäusern wohnen, stolz darauf sind, dass endlich jeder Haushalt eine eigene Latrine hat und das Dorf einen eigenen Brunnen, aus dem sie das Wasser holen. Das Haus von Mercy liegt hinter einem kleinen Maisfeld, Ziegen dösen in der Sonne, ein paar Hühner laufen davon. Mercy lebt hier mit ihrem Vater, ihrer Großmutter und ihren Brüdern und Halbbrüdern. Ihre Mutter lebt nicht mehr, Mercy hat ihre Rolle eingenommen und verkauft die Dinge, die ihr Vater erntet, auf dem Markt.
Fünf Personen auf 15 Quadratmetern
Ihr Vater begrüßt die Gäste, führt sie in den Schatten eines alten Mangobaumes. Die ganze Familie ist versammelt vor dem kleinen Haus und dem Ziegenstall aus rostigen Wellblechen. Er sei stolz auf seine älteste Tochter, sagt der Vater und drückt Mercys Schulter, einen Moment nur, dann steckt seine Hand wieder in der Hosentasche. Dass sie Fußball spielt, findet er großartig, besser als seine Söhne spiele sie, fügt er hinzu, seine Augen blitzen in Richtung der Söhne, die lässig an einem Baumstamm lehnen. "Wir kommen zu jedem Spiel, die ganze Familie, und feuern unsere Mercy an."
Während Mercy das 15 Quadratmeter große, fensterlose Zimmer zeigt, in dem die fünfköpfige Familie schläft, erzählt sie, dass sie ebenfalls nach Accra gehen möchte.
"Ich möchte einmal mein eigenes Leben führen", sagt die 16-Jährige. Das sei auch etwas, das ihr das Fußballspielen gezeigt habe: Dass es mehr gibt als die kleine Welt ihres Dorfes. Dass es sich lohnt, seine Ziele zu verfolgen. "Ich habe durch den Fußball gelernt, dass man etwas erreichen kann, wenn man nur wirklich will." Und dass der Wille allein nicht reicht - ein Stück harte Arbeit gehört immer dazu.
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