Fußballspieler zu sein, ist ein hartes Schicksal. Besonders nach dem Schlusspfiff. Dutzende von Journalisten kleben an den Lippen eines jeden Spielers, um auch bloß nicht ein Wort zu verpassen. Hundertemal pro Wochenende werden Sätze wie "Wir müssen jetzt weiter hart arbeiten", oder "der Gegner stand sehr kompakt" notiert. Im Grunde ist es erstaunlich, dass den Profis bei aller Interview-Routine doch immer wieder verbale Ausrutscher wie Bruno Labbbadias "Hochsterilisieren" oder das "Mailand, Madrid - Hauptsache Italien" des heutigen Offenbacher Managers Andreas Möller entgleiten.
Unfassbar ist es jedoch, dass die Zahl der lustigen, skurrilen und erinnernswerten Fußballersprüche so hoch ist, dass alleine im vergangenen Jahr mehrere Bücher erschienen sind, die einzig und alleine ein Best-of der verbalen Unglücke zum Inhalt hatten.
Die "Deutsche Akademie für Fußballkultur" prämiert in diesem Jahr die lustigsten Sprüche der Saison 2007/2008. Elf Juroren, darunter neben diversen Journalisten auch der Kabarettist Frank Goosen und der Autor Thomas Brussig, geben am 24. September die vier Sprüche bekannt, die ihrer Meinung nach am lustigsten waren.
In einem nächsten Schritt entscheidet dann am 31. Oktober das Publikum der Nürnberger Preisverleihung zum "Fußball-Kulturpreis des Jahres" über den Siegerspruch. Selbstverständlich haben die Juroren auch einen persönlichen Lieblingsspruch. Sie hatten allerdings die Vorgabe, nur Bonmots auszusuchen, die im Zusammenhang mit der vergangenen Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz stehen.
Jürgen Rollmann, dem heutigen Journalisten und ehemaligen Keeper von Werder Bremen und dem FC Augsburg hat es dabei Frankreichs Nationaltrainer Raymond Domenech angetan, dessen Analyse der 1:4-Niederalge gegen die Niederlande deutlich charmanter war als die Leistung seiner Mannen im Spiel zuvor. "Es gibt einige Sachen, die wir hätten besser machen können: die Torchancen nutzen und dem Schiedsrichter eine Brille kaufen."
Der gleiche Domemech wurde auch in einem anderen Kontext ausgewählt - als Adressat einer recht anschaulichen Verwünschung. In einem offenen Brief an ihn wünschte ihn der ehemalige Trainer von Girondins Bordeaux, Daniel Jeandupeux, zur Hölle: "Ich verlange, dass man dich auf das Schafott bringt und die Guillotine betätigt. Nicht wegen deiner Persönlichkeit, sondern weil mich der Fußball, den die Blauen spielen, langweilt, ermüdet, zermürbt, ärgert."
SPIEGEL-ONLINE-Leser haben nun die Möglichkeit, bereits jetzt eine Vorentscheidung zu treffen. Unter den 40 Vorschlägen, die der Nürnberger Jury vorliegen, hat die SPIEGEL-ONLINE-Redaktion 15 Sprüche ausgewählt, die Sie sich in der Fotostrecke anschauen können. Alsdann auf zur Abstimmung. Unverbindlich. Aber umso amüsanter.
Korrektur: In diesem Text hieß es zunächst, das Zitat "Fußball ist wie Schach. Nur ohne Würfel" stamme von Lukas Podolski. Tatsächlich ist das aber nicht bestätigt. Die Redaktion hat die entsprechende Passage geändert und bittet das Versehen zu entschuldigen.
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