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03.10.2008
 

1. FC Kaiserslautern

Die Rückkehr der roten Teufel

Von Oliver Trust

Der 1. FC Kaiserslautern ist die Überraschung der Zweiten Liga: Fünf Siege aus sechs Spielen bedeuten Platz zwei der Tabelle. Dank des Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz gesundet der Verein finanziell wie sportlich - und rückt endlich wieder näher an die Fans.

Es sind nicht nur die Siege, die man neuerdings feiert. Oder den vorübergehenden Sprung an die Tabellenspitze der zweiten Liga nach dem 2:1-Sieg gegen den FSV Frankfurt am vergangenen Sonntag. Es sind eher diese kleinen Zeichen, die deutlich machen, dass es mit dem 1. FC Kaiserslautern wieder aufwärts geht. Nicht nur auf dem Platz.

Vergangenen Freitag war Stefan Kuntz, der Vorstandsvorsitzende des FCK, auf dem 63. "Weinfest der südlichen Weinstraße" in Edenkoben eingeladen. Dort wog man den einstigen Stürmer des Clubs mit Südpfälzer Wein auf. Diese Ehre wurde einem Aktiven oder Verantwortlichen des 1. FC Kaiserslautern zuletzt 1988 zuteil, als Hans-Peter Briegel auf die Waage stieg. In der Region ist der FCK wieder angesagt. Was auch die Zuschauerzahlen beweisen.

Beim 4:1 gegen den FC St. Pauli waren in dieser Saison fast 42.000 Zuschauer im Stadion, gegen den Abstiegskandidaten FSV Frankfurt fast 38.000. In der vergangenen Saison, als die Mannschaft im Abstiegskampf der Zweiten Liga mehr taumelte als spielte, straften die Fans das kopflose Team oft mit Liebesentzug. Für Kaiserslauterer Verhältnisse waren weniger als 20.000 Besucher erbärmlich, die Stimmung auf den Rängen unterirdisch.

Es schien, als würde das Geschehen im Stadion nun auch den finanziellen Niedergang des Clubs widerspiegeln. 2003 musste der FCK sein Stadion für weit über 50 Millionen Euro veräußern, um den Konkurs abzuwenden. Land, Stadt und Banken sprangen ein. Es gebe eine "Solidaritätsgemeinschaft aus Stadt, Land und Verein", hat Vorstandschef Kuntz kürzlich etwas blumig formuliert.

Anders gesagt: Man hilft, weil der FCK sonst nicht überlebensfähig wäre. Als jüngste Finanzhilfe zahlte die Landesregierung Rheinland-Pfalz der Stadt Kaiserslautern 575.000 Euro als Ausgleich für geringere Mietzahlungen des FCK in der Saison 2008/2009 an die Stadionbetreibergesellschaft - die wiederum zu 100 Prozent eine Tochter der Stadt ist. Zudem, sagt Finanzminister Ingolf Deubel, sei das Land bereit, ein Jahr später nochmals einzuspringen.

Der marode Club kann die jährlich rund 3,2 Millionen Euro hohe Miete für den Betzenberg derzeit nicht aufbringen. Die Stadt gewährte eine Reduzierung auf 1,8 Millionen und teilt sich entgangene Einnahmen mit dem Land. Die Stadt muss zudem für die rund 70 Millionen Euro Schulden der Stadiongesellschaft bürgen. Eine solch massive Unterstützung eines Fußballclubs, der sich aus eigenem Verschulden an den Abgrund manövriert hatte, stieß nicht einmal in Kaiserslautern selbst überall auf Gegenliebe.

Dabei war der 1. FC Kaiserslautern über Jahrzehnte eigentlich gleichbedeutend mit der Stadt Kaiserslautern und umgekehrt. Dann verlagerten sich die engen Beziehungen aufs Geschäftliche - bis heute. Wann die Stimmung wieder umschlug und neue Begeisterung spürbar wurde, lässt sich recht genau datieren.

Am 7. April 2008 kam das Pfälzer Idol Kuntz zurück, räumte als Vorstandsvorsitzender auf und vermittelte endlich wieder Aufbruchstimmung. Erwin Göbel, letzter Überlebender einer dunklen Zeit, räumte still und heimlich seinen Platz. Der Ex-Clubchef und Finanzkontrolleur war nicht nur in der Fanszene zur verhassten Figur und zum Synonym für den Untergang geworden. Kuntz aber trat an, um dem Club wieder eine Perspektive zu geben.

Sein erster Eindruck war zwiespältig. "Misstrauen ist es nicht, was mir begegnet, es ist ein Abwarten", sagte Kuntz SPIEGEL ONLINE. Auch damit soll es bald vorbei sein, doch Kuntz bleibt vorerst nur die Politik der kleinen Schritte. Der skeptischen Stadt bot der Club an, das geplante Kongresszentrum doch in der Halle unter der Nordtribüne zu installieren.

"Die Umstände sind nicht mehr so nervenaufreibend wie am Anfang", sagt Kuntz heute. "Ich habe das Gefühl, ich bin am richtigen Platz." Das hat auch mit Trainer Milan Sasic zu tun. Der Kroate gilt als kompromissloser Fachmann, der Disziplin über alles stellt, aber auch spieltaktisch immer eine Lösung präsentiert und deshalb bei den Spielern höchsten Respekt genießt. Kuntz kannte ihn aus gemeinsamen Zeiten bei der TuS Koblenz. Statt über Besuche von der Steuerfahndung, der Kripo oder des Staatsanwalts wird nun wieder über Fußball und Zukunft geredet. Und über die engere Bindung der Fans an den FCK.

Man plant einen Kids-Club, ein eigenes Museum, neue Fanshops, ein effizientes Ticketsystem und Stadionführungen. "Wir wollen wieder zum Zentrum werden", sagt Kuntz. Auch in der Stadt. Nächstes Jahr etwa soll es in der Kaiserslauterer City wieder Fanaktionen des Clubs geben. Man wolle "in der Stadt wieder präsent sein", hat der FCK dazu mitgeteilt - und diese Presseerklärung war kein Witz. Sie zeigt nur, wie tief der 1. FC Kaiserslautern nach sportlichen Abstürzen, Steuer- und Finanzskandalen und Streit in der Führungsetage gesunken war.

Sogar der Hauptsponsor, die Deutsche Vermögensberatung (DVAG), nimmt die neuen Signale positiv auf. Vor kurzem noch wollte die DVAG bald möglichst aussteigen, nun finden neue Gespräche statt. "Es ist überall noch Luft", sagt Kuntz. Vor kurzem einigte er sich auch mit dem Energieversorger Pfalzwerke über eine Zusammenarbeit.

Keine Umbenennung in "Smarties-Fritz-Walter-Stadion"

"Der sportliche Betrieb ist am weitesten. Jetzt suchen wir für alles andere Lösungen", sagt Kuntz. Beim Neuaufbruch fassen die Pfälzer sogar einen neuen Namen für das "Fritz-Walter-Stadion" ins Auge. "Das ist schon ein Thema. Sicherlich werden wir hier aber mit dem nötigen Respekt gegenüber dem Namen Fritz Walters vorgehen, eine Umbenennung in "Smarties-Fritz-Walter-Stadion" halte ich beispielsweise für ausgeschlossen", sagte Kuntz dem Internetforum "der-betze-brennt" zur Stadionfrage.

Für Kuntz bedeutet die Wiederaufbauarbeit vor allem, Stunden am Schreibtisch zu verbringen. "Ich habe zugenommen", sagt er. Aber selbst das hat sein Gutes - wenn man etwa mit Südpfälzer Wein aufgewogen wird.

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