Von Peter Ahrens, Berlin
Sinsheim hat 35.000 Einwohner, das Stadion am Ort ist noch in der Mache, und die Frauenfußballerinnen der ansässigen TSG Hoffenheim spielen in der Oberliga. Bielefeld hat 325.000 Einwohner, ein frisch saniertes Stadion und ist ein Fußballstandort, wie er traditioneller kaum sein kann.
Bundeskanzlerin Merkel: Nieten für Magdeburg und Bielefeld
Die Vergabe an die Austragungsorte ist ein verzwicktes Puzzle. Der DFB muss dabei unterschiedlichste Befindlichkeiten berücksichtigen. So war klar, dass Leverkusen und die BayArena diesmal ein Platz im Neunerfeld finden würden – da Leverkusen zum großen Unwillen der dortigen Verantwortlichen bei der Männer-WM 2006 übergangen wurde. Berlin und Frankfurt als die beiden großen Bewerberstädte – die Hauptstadt und die Stadt der DFB-Zentrale – waren ebenfalls gesetzt: In Berlin wird nun das Eröffnungsspiel stattfinden, Frankfurt sieht das Finale.
Dazu kommen die regionalen Verteilungen – die DFB-Chef Theo Zwanziger und sein Generalsekretär Wolfgang Niersbach denn auch vor allem als Begründung "für diese ungemein schwierige Entscheidung" heranzogen. Mit Dresden war bereits ein Standort aus dem Osten im Boot – damit verschlechterten sich die Aussichten von Magdeburg. Auch Nordrhein-Westfalen hatte mit Bochum, Leverkusen und Mönchengladbach bereits drei Standorte aufzuweisen – nicht gut für den vierten Bewerber Bielefeld. Den Zuschlag erhielten außerdem noch Wolfsburg und Augsburg, womit auch Nord und Süd angemessen bedacht wurden.
Die Enttäuschung der Verlierer passte dabei gar nicht so gut ins Bild, das der DFB in bewährter Umarmung mit der ARD zuvor vermitteln wollte. Schließlich soll die WM in Deutschland doch "Frauenfußball-Euphorie, wie es sie nur hier gibt", vermitteln, "massenhaft gute Laune verbreiten" und eine "rauschende Party ausmachen", wie ARD-Frontfrau Monika Lierhaus in ihrer Moderation der Veranstaltung jubelte. Dazu musste Fifa-Chef Blatter seinen alten Satz "Die Zukunft des Fußballs ist weiblich" wieder entmotten. Hausherrin Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die "einzigartige Atmosphäre in den Stadien" zu loben, dazu wurde eine "Elf starker Frauen" (Lierhaus) auf die Bühne gejagt – von Franziska van Almsick über Vorzeige-Fechterin Britta Heidemann und Sängerin Nena bis hin zur Tatort-Kommissarin Ulrike Folkerts.
Dass van Almsick die Stimmung in der Region Sinsheim-Hoffenheim noch einmal hochleben ließ und Heidemann wieder mal erzählen durfte, dass sie den Hoffenheim-Profis schon einmal Fechtunterricht gegeben hat, versteht sich von selbst. Die elf Frauen sollen künftig als WM-Botschafterinnen tätig werden. Worin ihre Rolle dabei genau besteht, wussten sie wohl selbst nicht so genau zu sagen. Immerhin hat jede von ihnen schon einmal ein Trikot mit der Rückennummer 2011 von der Kanzlerin erhalten.
Anschließend durfte noch Ex-Showmaster Blacky Fuchsberger als Mitglied des Kuratoriums für die Frauen-WM verkünden, dass er mit dem Ausdruck Frauenmannschaft nicht einverstanden sei. Merkel wollte "gar nicht erst darüber nachdenken", dass sie 2011 theoretisch auch nicht mehr im Amt sein könnte. Und von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble durfte der Hinweis nicht fehlen, dass wir 2011 "auch für ein bisschen Sicherheit sorgen müssen". Um die Partystimmung aber nicht kippen zu lassen, beeilte er sich hinzuzufügen: Es wird bestimmt so sein, dass auch die Polizisten kräftig mitfeiern."
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