Hamburg - Sein Auftritt beginnt schon vor dem Auftritt. Als die Journalistenmeute den schmucklosen und stickigen Pressesaal stürmt, lümmelt sich José Mourinho längst auf einem Stuhl. Verächtlich-gelangweilte Blicke, herabgezogene Mundwinkel - im Stile eines Cäsaren hält der Trainer von Inter Mailand vor dem heutigen Champions-League-Spiel gegen Werder Bremen (20.45 Liveticker SPIEGEL ONLINE) Hof.
Der Portugiese stichelt, kritisiert, provoziert - und genießt innerlich das riesige Interesse seines Publikums. 40 Kilometer haben die zahlreichen Berichterstatter zurückgelegt, um sich prächtig unterhalten zu lassen im Inter-Trainingsquartier in Appiano Gentile, einem Kaff nördlich von Mailand.
"Hier entscheidet nur einer. Und wenn ich nur über die Champions League reden will, dann rede ich nur über die Champions League", kanzelt der 45-Jährige einen ohnehin schon unterwürfigen Fragesteller ab, der noch einmal etwas über das verlorene Lokalderby gegen den AC Mailand (0:1) wissen will.
Pressevertreter sind für ihn frustrierte Besserwisser, die viel zu wenig aus ihrem Leben gemacht haben. "Wahrscheinlich wollten sie Trainer werden, aber dann hat es nur zum Journalisten gereicht", unterstellt er einem anderen Medienmann. Zuvor hatte er dem Reporter der Sport-Tageszeitung "Tuttosport" vorgehalten, er solle nicht Aufstellungen im Nachhinein kritisieren, sondern im Vorhinein selbst einen Vorschlag machen. Dazu erklärte sich der Journalist spontan bereit, wenn ihm Mourinho dafür einen Teil seines Trainergehalts abgebe. Das fällt laut Mourinho üppiger aus, als bislang spekuliert wurde. "Immer wird über neun Millionen Euro berichtet. Mit Sponsoren und Werbung sind es eher elf, vielleicht auch 14 Millionen." In einer Pressemitteilung beeilte sich Inter Mailand wenig später, die genannten Zahlen zu revidieren. "Diese Summe trifft nicht zu", heißt es in einer Erklärung des Vereins.
Werder Bremen? Ach ja, der nächste Gegner. Natürlich nicht leicht, selbstverständlich ernst zu nehmen. Dennoch: Selbst die fünf Tore der Hanseaten gegen Bayern München können Mourinho nicht beunruhigen: "Ich weiß doch auch, dass sie gegen Famagusta nicht getroffen haben. Und das war Champions League."
Seine Niederlage in der Königsklasse vor zwei Jahren als Coach des FC Chelsea im Weserstadion? "Das war damals nur unsere Reservemannschaft." Und so redet und redet und redet der Mann im schlichten weißen Sweatshirt, Italiens Weltmeister Marco Materazzi sitzt nahezu stumm und weitgehend ungefragt neben ihm auf der Bühne.
Mourinhos Wortschwall endet erst nach dem dezenten Hinweis, in Kürze müsse er das Abschlusstraining seiner Mannschaft leiten. Da bleibt nur noch gerade Zeit für einen prägnanten Schlusssatz: "Wer mich nicht mag, mag mich eben nicht. Mir ist das egal."
mig/sid/dpa
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