Sonntag, 22. November 2009

Sport



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04.10.2008
 

Remis gegen Bochum

Klinsmanns Bayern vom Dusel verlassen

Von Hendrik Ternieden

Die Spieler schwächeln, die Fans pfeifen, der Manager grantelt: Auf Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann kommen nach dem 3:3 gegen Bochum schwere Zeiten zu. Noch genießt er im Verein Rückendeckung, doch allzu viele Patzer sollte sein Team sich nicht mehr erlauben.

Hamburg - Es gab einmal eine Zeit, da waren die Bayern dafür bekannt, in letzter Sekunde noch Spiele zu drehen. Die Konkurrenz zitterte vor diesem unheimlichen Bayern-Dusel. Am siebten Spieltag der Bundesliga bekamen die Münchner nun ihre eigene Medizin zu schmecken: Bis zur 83. Minute führten sie 3:1 gegen Bochum, dann schlug der VfL innerhalb von drei Minuten zweimal zu und erzwang noch ein Unentschieden. Die 69.000 Zuschauer im Stadion reagierten verärgert und pfiffen ihr Team gnadenlos aus. "Klinsmann raus"-Rufe waren deutlich zu hören. Entsprechend angefressen präsentierte sich Uli Hoeneß nach dem Schlusspfiff. Haben Sie schon eine Erklärung? "Nein." Können Sie glauben, was da gerade passiert ist? "Nein." So wortkarg hatte man den Bayern-Manager lange nicht erlebt.

Hoeneß stand mit zusammengepressten Lippen und glänzender Stirn in den Katakomben der Münchner Arena und versuchte gar nicht erst, seinen Unmut zu verbergen. Sein teurer Kader hat in der Bundesliga seit drei Spielen nicht mehr gewonnen und rangiert in der Tabelle nur auf Platz elf. Bei den Niederlagen gegen Bremen (2:5) und Hannover (0:1) spielten die Bayern schlecht. Gegen Bochum schon deutlich besser - trotzdem stimmte das Ergebnis am Ende nicht.

Und Trainer Jürgen Klinsmann muss sich langsam fragen, warum er sein Starensemble nicht auf Touren bekommt. Auf eine großangelegte Rotation hatte er diesmal verzichtet. Einzig Verteidiger Breno musste im Vergleich zum Champions-League-Spiel gegen Lyon (1:1) auf die Bank. Seinen Platz nahm Daniel van Buyten ein.

Der Belgier erzielte in der 15. Minute die Führung, sah beim 1:1-Ausgleich durch Bochums Sinan jedoch alles andere als gut aus. Die Defensive scheint im Moment ein wesentlicher Schwachpunkt der Bayern zu sein. Innenverteidiger Lucio und seine Nebenmänner kassierten in sieben Spielen schon 13 Gegentore - zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison waren es drei. Nur zwei Teams in der Liga sind momentan schlechter (Bremen mit 16 und Gladbach mit 15).

Auch Torwart Michael Rensing ist bislang nicht der erhoffte Rückhalt und im Mittelfeld suchen die Münchner weiter ihren Rhythmus. Antreiber Franck Ribéry ist nach seiner Verletzung noch nicht in der Form des Vorjahres, Kapitän Mark van Bommel sitzt derzeit nur auf der Bank. Einzig Zé Roberto ist in starker Verfassung. Doch nicht einmal seine zwei Tore (45./68.) reichten gegen Bochum zum Sieg. Der Brasilianer wurde in der 78. Minute ausgewechselt - fünf Minuten später schlugen die Gäste zu: Christoph Dabrowski (83.) und Dennis Grote (85.) ließen den VfL jubeln.

"Man darf sich so ein 3:1 nicht aus der Hand nehmen lassen, das geht einfach nicht. Die Mannschaft war sich eine Spur zu sicher", ärgerte sich Klinsmann, "wir waren mehr darauf bedacht, das 4:1 oder 5:1 zu machen. Das war total unnötig."

Diese Ansage ging auch in Richtung Luca Toni. Der Italiener ließ viele gute Chancen aus, zwei alleine nach dem 3:1. Toni wartet nun seit drei Bundesligaspielen auf ein Tor, ebenso wie Sturmpartner Miroslav Klose. Manager Hoeneß nahm noch einige andere Akteure ins Visier: "Der ein oder andere, der dann reinkommt, muss sich schon fragen, ob er die Leistung bringt, für die er bezahlt wird", so Hoeneß. Ein recht klarer Vorwurf an Lukas Podolski, Jose Ernesto Sosa oder Tim Borowski, die nach dem zweiten Treffer von Zé Roberto eingewechselt wurden.

Bei allen diesen Problemen sucht Klinsmann nach der richtigen Strategie: Mit Dreierkette in der Abwehr? Oder doch lieber zu viert? Mit van Bommel als Abräumer oder ohne? Noch geben ihm die Verantwortlichen Rückendeckung: "Wir haben totales Vertrauen zu ihm", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, "aber wir müssen schnell in die Erfolgsspur zurückfinden."

Es gab einmal eine Zeit, da fanden die Münchner ihre Erfolgsspur immer pünktlich zum Oktoberfest. Doch selbst diese Magie wirkt 2008 nicht mehr. Zum Auftakt der Wiesn vor zwei Wochen blamierte sich der Rekordmeister 2:5 gegen Werder, zum Abschluss gab es nun das enttäuschende 3:3 gegen Bochum. Die Bayern-Profis haben für Sonntag einen Besuch auf dem Volksfest angekündigt. Grund zum Feiern gibt es nicht.

Mit Material vom sid

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