Hamburg - Deutschland siegte gegen Russland in einem spannenden Spiel 2:1 (2:0) und verteidigt damit die Tabellenführung in der Qualifikationsgruppe vier. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw musste vor etwa 65.000 Zuschauern in Dortmund in der Schlussphase aber mächtig um die drei Punkte zittern. So traf Alan Dsagojew mit einem Schuss in der 88. Minute nur den Pfosten. Zuvor hatten Lukas Podolski (9. Minute) und Michael Ballack (28.) für die DFB-Elf getroffen, für die Gäste war Stürmerstar Andrej Arschawin erfolgreich (51.).
"Wir haben in der ersten Halbzeit ein tolles Spiel gemacht und zwei schöne Tore erzielt", sagte Ballack. "Aber die Russen haben sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, haben bis zum Schluss auf das zweite Tor gespielt und das wäre am Ende sicher verdient gewesen", so Ballack weiter.
Der Kapitän stand vor der Partie besonders im Blickpunkt, schließlich hatte es in den vergangenen Wochen verstärkt Diskussionen um die Rolle der etablierten Spieler gegeben. So wurde Ballack und Torsten Frings vorgeworfen, ihre harschen Führungsansprüche nicht mit entsprechenden Leistungen zu untermauern. Akteure wie Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes drängten in die Startelf.
Und tatsächlich saß Torsten Frings gegen Russland nur auf der Ersatzbank. Für den Bremer spielte Hitzlsperger (VfB Stuttgart) im zentralen Mittelfeld. Ballack jedoch wischte alle Zweifel an seiner Wichtigkeit für die DFB-Elf beiseite: Der Chelsea-Profi zeigte eine herausragende Partie.
Nachdem er in der neunten Minute noch mit einem Schuss an Russlands Keeper Igor Akinfejew gescheitert war, musste er Mitte der ersten Hälfte nur noch den Fuß hinhalten, um sein 39. Tor in der Nationalmannschaft zu erzielen. Die Vorlage hatte Bastian Schweinsteiger mit einer präzisen Flanke geliefert.
Zuvor hatte Lukas Podolski schon früh für Erleichterung auf der deutschen Bank gesorgt. Der Stürmer war mit einem wuchtigen Schuss ins kurze Eck erfolgreich. Und auch an diesem Treffer war Schweinsteiger beteiligt: Per Hackentrick leitete der Bayern-Profi den Ball zu Miroslav Klose weiter, der wiederum Podolski in Szene setzte.
In der Folge bot die deutsche Offensive das, was man eigentlich von den Russen erwartet hatte: schnelle Angriffe und tolle Kombinationen. Die Gäste hatten ihren gefürchteten Angriffswirbel nur in der Anfangsphase entfalten können. Die beste Chance vergab dabei Pawel Pogrebnjak, als er in der vierten Minute den Ball aus kurzer Distanz per Volley über die Latte drosch.
Die DFB-Elf kam dagegen auch nach Ballacks Treffer zu weiteren Chancen: Piotr Trochowski (34.) und Podolski (34./42.) scheiterten mit Fernschüssen an Akinfejew, Ballack zielte kurz darauf etwas zu hoch (45.).
Nach dem Seitenwechsel dann plötzlich ein anderes Bild: Die Russen erhöhten das Tempo, die deutsche Hintermannschaft wackelte. Nach einem unnötigen Ballverlust von Philipp Lahm gelang dem Team von Trainer Guus Hiddink der Anschluss. Stürmer Andrej Arschawin hatte keine Mühe, den Ball nach einem Querpass von Alexander Anjukow über die Linie zu drücken.
Große Probleme in der Abwehr
Auf dem Weg zur WM 2010 nach Südafrika: 13 Teilnehmer aus Europa werden in neun Gruppen ermittelt.
Im Angriff gelang den Deutschen in der zweiten Halbzeit nur noch wenig. Ein Schuss von Piotr Trochowski an die Latte war die beste Chance zum 3:1 (62.). Die Russen wirkten nun gefährlicher und drängten weiter auf den Ausgleich.
Pogrebnjak zwang Adler mit einem Kopfball zu einer Glanzparade, stand dabei allerdings im Abseits, so dass der mögliche Treffer nicht gegolten hätte. In der Schlussphase war es dann vor allem Arschawin, der für Unruhe sorgte: In der 81. Minute zielte der 27-Jährige nur um Zentimeter am rechten Pfosten vorbei, eine Minute später scheiterte er mit einem Schuss von der Strafraumgrenze an Adler.
Beim Pfostenschuss von Dsagojew wäre jedoch auch der Schlussmann ohne Chance gewesen. So war der zweite Sieg im dritten Qualifikationsspiel am Ende etwas glücklich. In der nächsten Partie auf dem Weg zur WM 2010 in Südafrika trifft die DFB-Elf am Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Mönchengladbach auf Wales. Die Waliser gehen ebenfalls mit Selbstvertrauen in die Partie, sie siegten 2:0 gegen Liechtenstein.
Deutschland - Russland 2:1 (2:0)
1:0 Podolski (9.)
2:0 Ballack (28.)
2:1 Arschawin (51.)
Deutschland: Adler - Friedrich, Mertesacker, Westermann, Lahm - Schweinsteiger - Ballack , Hitzlsperger (ab 90.+3 Rolfes), Trochowski (ab 84. Frings) - Klose (ab 71. Gomez), Podolski.
Russland: Akinfejew - Anjukow , Beresuzki, Ignaschewitsch, Janbajew (ab 46. Dsagojew) - Syrjanow , Semak (ab 84. Sytschew), Schirkow - Dennissow, Arschawin - Pogrebnjak
Schiedsrichter: Peter Fröjdfeldt (Schweden)
Zuschauer: 65.607 (ausverkauft)
hut
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