Von Tom Mustroph
Zementblöcke versperren die Straßen. Flammen lodern aus einem umgestürzten Omnibus. Junge Männer werfen Steine auf Löschfahrzeuge. Sie haben ihre Gesichter in die hellblauen Fanschals des SSC Neapel gehüllt.
Ihre Kumpane bedrohen Kameramänner internationaler Fernsehstationen. Sie wollen die Aufnahme von Bildern verhindern, die später zur Identifizierung führen könnten.
Die jungen Männer sind geübt in Randale. Sie gehören den härtesten Ultra-Gruppierungen in Neapel an, den "Teste Matte" (verrückte Köpfe) und den "Niss" - das steht für "Niente incontri, solo scontri", auf Deutsch etwa: "nie zusammentreffen, stets zusammenschlagen". Der Name ist Programm.
Die Hooligans inszenieren ihre Schlacht nicht am Rand eines Fußballstadions oder auf der Ab- und Anreise zu einem Spiel, wie man es sonst kennt - sondern in Wurfweite zu einer historischen Müllhalde im Hügelland vor Neapel. Sie sind von Männern engagiert, die eigene politische und ökonomische Interessen verfolgen. Die Ultras, gewöhnlich stolz auf ihre Unabhängigkeit, sind als Legionäre in Aktion.
Als Infanterie der Camorra.
Die Müllhalden-Randale werden inzwischen vom profilierten Anti-Mafia-Staatsanwalt Antonio Ardituro untersucht, der im elften Stockwerk des Justizpalastes von Neapel sitzt - und die Ermittlungen deuten klar darauf hin, dass sich die organisierte Kriminalität in Italien zusehends mit dem schönen bunten Fußballspektakel vermengt.
"Die Camorra interessiert sich für alles, was ökonomischen Profit verspricht", sagt Ardituro. Natürlich auch für Fußball.
Die Verbindung ist nicht mehr so offensichtlich wie in den achtziger Jahren, zu Zeiten des Diego Maradona. Mit dem argentinischen Dribbelwunder sollen sich seinerzeit die Ehrenwerten des Giuliano-Clans geschmückt haben - als Beleg wird stets ein Foto von 1986 herangezogen, das Maradona in der Muschelbadewanne Seite an Seite mit zwei der sechs damals recht einflussreichen Giuliano-Brüder zeigt.
Gute Margen im Wettgeschäft
Die Camorra war in jenen Jahren so mächtig, dass sie angeblich sogar Spiele verschob. So soll sie in der Saison nach dem Titel 1987 den favorisierten SSC Neapel gegen Ende der italienischen Meisterschaft verlieren lassen haben, um große Wettgewinne einzustreichen. Die Paten hatten gegen den heimischen Club gesetzt. Staatsanwalt Ardituro hält die Gerüchte nicht für aus der Luft gegriffen, sagt aber: "Wir haben keine Beweise, die diese Vermutung unterstützen könnten."
Im Wettgeschäft ist die Camorra noch heute aktiv. Sie organisiert nicht mehr die illegalen Wetten wie vor 20 Jahren, sie soll aber inzwischen das Management staatlich lizenzierter Wettbüros in die Hand genommen haben.
"Die Camorra leitet über Strohmänner viele der SNAI-Büros in der Stadt. Das Wettgeschäft ist eine ideale Möglichkeit für die Geldwäsche", sagt Ardituro. Auch der illegale Tickethandel war fester Bestandteil der Business-Aktivitäten der Clans - bis zum Verbot der Ausgabe von Gratiskarten an Fanclubs, das nach den tödlichen Ausschreitungen in Catania im Februar 2007 erlassen wurde.
Die Karten, die in Hunderterpacks an die Camorra abgegeben wurden, wurden auf offener Straße weiterverkauft. "Aber die neue Vereinsführung unter Präsident de Laurentiis hat das nach unseren Erkenntnissen wirksam unterbunden", sagt Ardituro.
"Wohin gehen diese Ehrenkarten?"
In Palermo, einer historischen Hochburg der sizilianischen Cosa Nostra, haben es die lokalen Unterweltgrößen selbst in dieser Saison noch per Freikarten ins Stadion geschafft. "Ich habe mich immer gefragt, wohin diese 300 bis 400 Ehrenkarten pro Heimspiel gehen", sagte Vereinspräsident Zamparini, ein über den mafiösen Verdacht erhabener Unternehmer aus Norditalien. Seit Ende September weiß er es. Mindestens hundert gingen an die Mafiafamilie Lo Piccolo, die diese Tickets an andere Clans verteilte. Das hatte ein geständiger Mafioso der Anti-Mafia-Staatsanwaltschaft von Palermo erzählt.
Salvatore Lo Piccolo war Herr der Cosa Nostra in Palermo in der Zeit zwischen der Verhaftung des obersten Paten Bernardo Provenzano im April 2006 und seiner eigenen im November 2007. Er hatte auch auf das Stadionprojekt und einen Supermarkt, den Vereinspräsident Zamparini plant, Einfluss nehmen wollen. Als seine Mittelsmänner fungierten ausgerechnet sein Anwalt Marcello Trapani und der frühere Chef der Nachwuchsabteilung des Clubs, Giovanni Pecoraro.
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Wohl gesprochen werter Faust27. Woher kommt eigentlich die Maer, der DFB (oder gleich ganz Deutschland!?) wollten als EM-Ausrichter einspringen? Als vor einigen Monaten zum ersten Mal Zweifel an den Faehigkeiten Polens und [...] mehr...
Der Zuschlag sollte bindend sein für die UEFA. Es kann ja nicht Schule machen, dass zu optimistische Entscheidungen getroffen werden, die dann zu Chaos und Irritation führen in allen Ländern. Wie katastrophal ist es denn, wenn [...] mehr...
[QUOTE=Faust27;2929067]Das sind ja in der Tat abenteuerliche Gedanken! Ja, die deutsche Presse ist gleichgeschaltet, um den armen Italienern die EM wegzuschnappen, die ihnen ohnehin nicht zugesprochen wurde... Aha! Sicher! Es [...] mehr...
Das sind ja in der Tat abenteuerliche Gedanken! Ja, die deutsche Presse ist gleichgeschaltet, um den armen Italienern die EM wegzuschnappen, die ihnen ohnehin nicht zugesprochen wurde... Aha! Sicher! Es fällt mir wie Schuppen [...] mehr...
Ich denke, diese Chance besteht eher nicht. Es handelt sich zu sehr um ein gewachsenes und miteinander verwobenes System, dass sich nicht mehr so leicht trennen lässt. Wichtig wäre, aus Italien seine Lehren zu ziehen und in [...] mehr...
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