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Italiens Mafia-Fußball Schattenmänner im Stadion

2. Teil: Patronen an die Geschäftsstelle - Mafiarituale auch im Norden

Trapani und Pecoraro sollen laut der Staatsanwaltschaft Palermo über eine gemeinsame Firma außerdem Gelder des Lo Piccolo-Clans beim Umbau des Adriahafens von Chioggia gewaschen haben. Sie sind seit Ende September in Untersuchungshaft. Daher müssen sie momentan ihre Tätigkeit als Spielervermittler ruhen lassen. Die beiden mutmaßlichen Mafia-Unterstützer dienen sich vor allem den Familien von erfolgversprechenden Nachwuchsspielern an. Derzeit wird ermittelt, ob sie Druck auf Trainer und Sportdirektor ausgeübt hatten, ihre Kader zu bevorzugen. Der abgetrennte Kopf einer Ziege war Weihnachten 2006 vor dem Haus des damaligen Sportdirektors von Palermo, Rino Foschi, abgelegt worden. Auch wenn Urheberschaft und genaue Intention noch nicht geklärt sind - der abgelegte Tierkopf ist ein typisches Drohsignal der Mafia.

Auch im Fußball Norditaliens sind solche Rituale nicht unbekannt. Mailänder Ultras versenden gern Drohbriefe mit Pistolenkugeln an die Geschäftsstellen ihrer Clubs. Doch hier handelt es sich um bizarre Folklore. "Die Ultras ahmen die Gesten der Mafia nach, mehr nicht", sagt Camorra-Jäger Ardituro.

Seines Wissens nach ist der gescheiterte Versuch der Camorra, im Jahre 2006 den börsennotierten Verein Lazio Rom zu übernehmen, die einzige nennenswerte Aktivität außerhalb der angestammten Regionen.

Doch korrupt zu sein schafft der Norden auch ohne Mafia. Bestes Beispiel ist die weitverzweigte Bestechungsmaschinerie, die der Juve-Manager Luciano Moggi aufgebaut hatte. Moggi lernte sein Geschäft pikanterweise im Neapel der Maradona-Jahre.

Im Stadion San Paolo, in dem der SSC seine Heimspiele austrägt, ist die Camorra noch immer präsent. "In der Curva A herrscht das Gesetz der Camorra", bekannte im vergangenen Jahr ein Aussteiger aus dem Familienclan der Misso. Der junge Mann, er hört auf den Namen Emiliano Zapata Misso, war bei Heim- wie Auswärtsspielen in der Fankurve anwesend. Er berichtete den Ermittlern, dass die Camorra-Clans bestimmen, an welchem Platz im Stadion die Fanclubs Aufstellung nehmen dürfen.

Polizeichef Antonino Puglisi erzählt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE von der Odyssee des Fanclubs Masseria Cardone. "Sie waren in der Curva A nicht mehr geduldet. Der Mafiaclan aus dem Stadtviertel Sanitá, die Misso, hatte ihnen den Zutritt verwehrt. Ein Jahr lang schauten sie den Spielen von der Seitentribüne zu, bis sie Aufnahme in der Curva B fanden. Und auch das erst, nachdem die dort herrschenden Familien die Zustimmung gegeben hatten." Zu Gute kommt der Camorra die lokale Gliederung der Fanclubs. Jede Ultra-Gruppierung hat ihr eigenes Einzugsgebiet. Und das ist meist identisch mit dem Herrschaftsbereich eines Clans.

Den Höhepunkt der Synergie zwischen Camorra und Hooligans hat Neapel in diesem Januar erlebt. Da schickte der Capo der Niss seine Männer für Bauunternehmer ins Feuer, die wegen der Wiedereröffnung der Müllkippe einen Wertverlust ihrer – meist illegal errichteten – Immobilien befürchteten. Praktischerweise hat der Anführer der Hooligans in dieser Gegend selbst mit dem Eigenheimbau begonnen.

Der Einfluss der verschiedenen Mafia-Organisationen auf den Fußball wirkt lächerlich klein und unspektakulär. Er ist allerdings so feingesponnen und alltäglich, wie der Einfluss auf Wirtschaft, Politik und Verwaltung generell.

Diese Art der Durchdringung machte schon nach Ansicht des 1992 ermordeten Mafia-Jägers Giovanni Falcone die Qualität der mafiösen Strukturen aus. Nur gelegentlich kommen diese Aktivitäten ans Licht.

Dann erschrickt, wie überall, auch die Welt des Fußballs.

Wenn das nächste Spiel angepfiffen wird, ist aber schon wieder vergessen, welcher Spieler von der Mafia protegiert wird, welche Einnahmen sie mit Wetten und Ticketverkauf erzielt - und wer eigentlich Chef im Stadion ist.

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insgesamt 20 Beiträge
ray05 17.10.2008
Nanu, die Frage steht jetzt schon fast ne halbe Stunde im Raum ... Forist Alcapone, wo stecken Sie? Schreiten Sie kühn voran und retten Sie wieder die Ehre des italienischen Fussballs...
Zitat von sysopVerschobene Spiele, familieneigene Wettbüros, Kontrolle über gewaltbereite Ultras: Die Mafia hat den italienischen Fußball mit einem feinen Netz überzogen. Kann sich der Sport gegen das organisierte Verbrechen wehren, oder muss es als unvermeidbares Übel geduldet werden?
Nanu, die Frage steht jetzt schon fast ne halbe Stunde im Raum ... Forist Alcapone, wo stecken Sie? Schreiten Sie kühn voran und retten Sie wieder die Ehre des italienischen Fussballs...
klumpenhund 17.10.2008
Genau das wollte ich auch gerade schreiben. Ich vermute mal, er hat es noch nicht gesehen.
Zitat von ray05Nanu, die Frage steht jetzt schon fast ne halbe Stunde im Raum ... Forist Alcapone, wo stecken Sie? Schreiten Sie kühn voran und retten Sie wieder die Ehre des italienischen Fussballs...
Genau das wollte ich auch gerade schreiben. Ich vermute mal, er hat es noch nicht gesehen.
Justitia 17.10.2008
Wie man weiss hat AlCapone hat ja auch noch ganz andere Dinge zu erledigen als bei Spon sich mit Fussball zu beschäftigen. :-)
Zitat von klumpenhundGenau das wollte ich auch gerade schreiben. Ich vermute mal, er hat es noch nicht gesehen.
Wie man weiss hat AlCapone hat ja auch noch ganz andere Dinge zu erledigen als bei Spon sich mit Fussball zu beschäftigen. :-)
Dino 17.10.2008
Blöde Frage, italienischer Fußball und Mafia sind doch ein und dasselbe, oder? Schon die erste Fußball-WM auf europäischen Boden ( 1934 Italien) wurde durch den Obermafiosi und Faschistenführer Benito Mussolini ähem, sagen wir [...]
Zitat von sysopVerschobene Spiele, familieneigene Wettbüros, Kontrolle über gewaltbereite Ultras: Die Mafia hat den italienischen Fußball mit einem feinen Netz überzogen. Kann sich der Sport gegen das organisierte Verbrechen wehren, oder muss es als unvermeidbares Übel geduldet werden?
Blöde Frage, italienischer Fußball und Mafia sind doch ein und dasselbe, oder? Schon die erste Fußball-WM auf europäischen Boden ( 1934 Italien) wurde durch den Obermafiosi und Faschistenführer Benito Mussolini ähem, sagen wir einfach mal, stark beeinflußt, räusper. So fing es an und so geht es Jahr für Jahr mit merkwürdigen Schiedsrichterentscheidungen, undurchsichtigen Spielerverkäufen, italienischem Finanzgebaren, etc pp weiter. In dieser ruhmreichen Tradition setzt sich das seit Generationen fort und erreicht derzeit mit dem allseits beliebten Botox- und Haartransplantationskasper Don Vito Berlusconi seinen traurigen Höhepunkt. Armes Italien. Gruß Dino
Dino 17.10.2008
Ach so, einen hab` ich noch. Es gibt nicht wenige Leute, die bereits die italienische Spielweise als ein organisiertes Verbrechen am Fußball bezeichnen. Nach den letzten Auftritten dieser Truppe kann man das nicht gänzlich von [...]
Zitat von sysopVerschobene Spiele, familieneigene Wettbüros, Kontrolle über gewaltbereite Ultras: Die Mafia hat den italienischen Fußball mit einem feinen Netz überzogen. Kann sich der Sport gegen das organisierte Verbrechen wehren, oder muss es als unvermeidbares Übel geduldet werden?
Ach so, einen hab` ich noch. Es gibt nicht wenige Leute, die bereits die italienische Spielweise als ein organisiertes Verbrechen am Fußball bezeichnen. Nach den letzten Auftritten dieser Truppe kann man das nicht gänzlich von der Hand weisen. Solange man die Jungs disziplinarisch und sittlich am kurzen Riemen hält, den Einfluß der Mama begrenzt, oder noch besser, gänzlich ausschließt, sind sogar Spitzenleistungen möglich, (siehe Luca Toni) ;-) Dino
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