Hamburg - Christian Ziege gab sich viel Mühe, nichts zu verraten. Die Indizien, die in der Trainerfrage auf eine Antwort Hans Meyer deuteten, ließen das Versteckspiel des Gladbacher Managers jedoch erfolglos bleiben.
Trainer Meyer: Die Kultfigur soll Gladbach retten
Wenig später bestätigte auch die Borussia, dass Meyer am Sonntag (14 Uhr) vorgestellt werde. Am Montag soll er das erste Training leiten. Für seine zweite Amtszeit beim fünfmaligen deutschen Meister erhält er einen Vertrag bis zum 30. Juni 2010.
Meyer hatte die Borussen bereits von September 1999 bis März 2003 trainiert. Das erneute Borussia-Engagement bezeichnete das Ehrenmitglied schon nach der Entlassung von Jos Luhukay vor knapp zwei Wochen als "Herzensangelegenheit". Der Borussia, die beim 2:2 beim VfL Bochum am Freitag erst den vierten Punkt im achten Spiel holte, traut er den Klassenerhalt durchaus zu: "Sieben bis acht Mannschaften sind doch nicht besser. Die fußballerische Substanz ist da. Und auch vom Charakter her ist der Kader gut aufgestellt."
Selbst die Spieler äußern sich bereits positiv über ihren wohl zukünftigen neuen Trainer: "Er kennt den Club, er kennt die Situation - das passt super", sagte Abwehrspieler Alexander Voigt nach dem Unentschieden in Bochum, und niemand zweifelte mehr daran, dass Meyer nach über fünfeinhalb Jahren als Trainer zur Elf vom Niederrhein zurückkehrt. Meyer hatte die Borussia bereits zwischen 1999 und 2003 betreut, führte sie 2001 zum Wiederaufstieg und genießt bei den Fans Kultstatus.
"Aus der Ferne betrachtet macht es immer Spaß, ihn zu verfolgen, zum Beispiel bei seinen Pressekonferenzen", räumte auch Ziege nach zahllosen Nachfragen ein. Ansonsten hatte sich der Sportdirektor und "Ein-Spiel-Trainer" aber wieder alle Mühe gegeben, die Journalisten weiter im Dunkeln tappen zu lassen. Ja, er schließe aus, nach seinem Trainerdebüt die Rolle weiter auszufüllen, und nein, er wolle auch weiterhin keine Wasserstandsmeldungen in der Trainerfrage abgeben.
Nur so viel gab er preis: "Ich hoffe, dass es jetzt so schnell wie möglich geht." Mit sieben Trainern hatte es die Borussia seit Meyers Rücktritt versucht und war mit keinem glücklich geworden. Die Nummer acht, Ziege, wurde von den Fans nach dem Achtungserfolg in Bochum mit jeder Menge Applaus bedacht.
Tatsächlich verhalf der 72-malige Nationalspieler dem Team wieder zu jener Struktur, die unter Jos Luhukay verloren gegangen war. "Ich bin wahnsinnig stolz, dass ich das hier machen durfte. Die Mannschaft hat exakt das umgesetzt, was wir uns in den vergangenen zehn Tagen hart erarbeitet haben", sagte Ziege.
Auf fünf Positionen hatte er die Startelf im Vergleich zu Luhukays letztem Spiel, dem 1:2 gegen den 1. FC Köln, geändert. Unter anderem stellte er den 35-jährigen Uwe Gospodarek ("Er hat die Erfahrung, die jetzt wichtig ist"), der zuletzt am 15. Mai 2000 ein Erstligaspiel bestritten hatte, für Christofer Heimeroth ins Tor. Er vertraute im Gegensatz zu Luhukay in der Abwehr wieder auf Voigt und Thomas Kleine ("Das sind Typen, die die Truppe anschieben.").
Kleine erzielte in der 79. Minute auch prompt das 2:2 und sicherte dem Aufsteiger den ersten Auswärtspunkt der Saison. "Dass die Mannschaft nach dem 1:2 so eine tolle Reaktion gezeigt hat, ist besonders bemerkenswert", sagte Ziege. Keine zwei Minuten vor dem Ausgleich hatte Bochums Sinan Kaloglu mit seinem Tor für die vermeintliche Entscheidung gesorgt. "Vor zwei, drei Wochen hätten wir in so einer Situation auch noch das dritte Tor kassiert", so Voigt.
Steve Gohouri (30.), der in der Halbzeit mit einer Oberschenkelverletzung ausgewechselt wurde, hatte Gladbach in Führung geköpft, Christoph Dabrowski (55.) für die Gastgeber ausgeglichen. Beide Borussia-Tore bereitete Nationalspieler Marko Marin vor, der nach seinem Muskelfaserriss überraschend auflaufen konnte. Die Gladbacher Profis bekamen zur Belohnung das Wochenende trainingsfrei - in dieser Zeit wird sich nun Meyer auf seine neue Mannschaft einstellen können.
Einigung mit dem 1. FC Nürnberg
Auch weil nun auch mit seinem ehemaligen Arbeitgeber alles geregelt ist. Nach monatelangen Auseinandersetzungen legte Meyer seinen Streit mit dem 1. FC Nürnberg um die Lohnfortzahlung bei. Über Einzelheiten des Vergleichs wurde Stillschweigen vereinbart, teilten die Franken am Samstag mit. Auch der beim Arbeitsgericht Nürnberg anhängige Rechtsstreit sei beigelegt. Meyer war im Februar durch Thomas von Heesen ersetzt worden. Er forderte aber die Fortzahlung seines Gehalts, da seiner Ansicht nach keine Kündigung erfolgt war.
fpf/sid/dpa
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