ThemaChampions LeagueRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
23.10.2008
 

Champions League

Neue Frings-Grätsche gegen Löw

Mit viel Glück und Moral hat Werder Bremen in der Champions League bei Panathinaikos Athen ein Unentschieden erkämpft. Trotz Ersatztorwart Vander, trotz eines schwachen Diego - und trotz eines Frings, der seinen stärksten Auftritt in der Mixed Zone hatte. Von Alexandros Manousakis, Athen

Überbordende Freude war es nicht, mit der Sebastian Boenisch, Torsten Frings und Per Mertesacker in dieser milden Athener Herbstnacht zu ihren mitgereisten grün-weißen Anhängern schritten.

Mit erhobenen Häuptern und mit einer erklecklichen Portion Erleichterung ballte das Trio die Fäuste, um sich gegenseitig zu gratulieren, dann erst folgte das Winke-Winke für die Fans von Werder Bremen, die sich im Olympia-Stadion Spiros Louis der Klatschparade befleißigten. Denn das dritte Remis im dritten Champions-League-Spiel der Gruppe B wurde allenthalben als Sieg der Moral gewertet - auch wenn das 2:2 (1:1) eigentlich gemeinhin für die Ansprüche des Vizemeisters zu wenig ist.

"Wir können damit leben", konstatierte der kritische Cheftrainer Thomas Schaaf, "wir müssen nur im Rückspiel besser spielen und ein besseres Ergebnis erzielen." Sprach's und grinste sich einen.

Die anderen Grün-Weißen, Spieler und Sympathisanten von Panathinaikos Athen hatten sich da längst in den Katakomben des Leichtathletikstadion und dem Zentrum der Olympischen Spiele von vor vier Jahren verzogen.

"Für Bremen war das 2:2 sehr glücklich. Wir waren die aggressivere Mannschaft, wir hatten die bessere Mannschaft", kommentierte der österreichische Internationale Andreas Ivanschitz, immerhin Kapitän seiner Landesauswahl, das Geschehen. Und Evangelos Mantzios, der in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt im ersten Halbjahr dieses Jahres kein Glück hatte und nun zwei sehenswerte Kopfball-Bogenlampen zum 1:1 (36.) und 2:1 (68.) fabriziert hatte, war nach eigenem Bekunden "sauer".

Denn, so der 26-Jährige, "für uns war das zu wenig". Der griechische Traditionsclub verharrt trotz großen Eifers und Einsatzes mit einem Pünktchen am Tabellenende - der niederländische Trainer-Kauz Henk Ten Cate haderte denn gleich mit den griechischen Göttern, "die nicht auf unserer Seite waren".

Handspiel von Mertesacker nicht geahndet

Schiedsrichter Michael Riley wollte er das gleich mit einschließen, hatte der Engländer doch entschieden, das unkonventionelle Handspiel bei einer Ballannahme von Per Mertesacker bei der Freistoß-Hereingabe von Mesut Özil nicht zu ahnden, so dass der 24-jährige Nationalspieler sehr gekonnt die Bremer Führung erzielte (29.). Am zweiten Werder-Tor gab es allerdings nichts zu deuteln: Der eingewechselte Sebastian Boenisch flankte, der bis dahin untergetauchte Portugiese Hugo Almeida köpfte das schmeichelhafte 2:2 (82.). "Ich bin glücklich, ich habe einen guten Job gemacht", bilanzierte Werders Angreifer, der in den kommenden strapaziösen Wochen noch wichtig werden könnte. Sturmkollege Claudio Pizarro musste mit muskulären Problemen früh den Platz verlassen, "der Oberschenkel hat zugemacht", berichtete Klaus Allofs.

Außer Werders Trainer hatte auch der Sportchef erkennbar gute Laune, als es galt, ein Fazit der viertägigen Dienstreise - wegen eines Lotsenstreiks war der Bremer Tross schon am Montagabend in der Mittelmeer-Metropole gelandet - zu ziehen. "Wir haben uns mehr auf die Defensive konzentriert und waren besser organisiert", so Schaaf. "Es war kein leichtes Spiel, aber gut für die Moral. Das ist eine gute Voraussetzung für die kommenden Aufgaben", sagte Allofs.

Doch bei genauem Hinsehen sollte die sportliche Leitung auch erkannt haben, dass sich noch ganz schön viele Sorgenkinder im Kader trollen. Am wenigsten Ersatztorwart Christian Vander.

Der 27-Jährige parierte zweimal prächtig gegen Giorgos Karagounis - nun darf man streiten, ob die Mantzios-Kopfbälle mit ihrer tückischen Flugbahn, Allofs sprach von "fiesen Bällen", haltbar waren. "Ich habe der Mannschaft Sicherheit gegeben. An den Toren kann ich nichts machen", beschied Vander hinterher aufgeräumt wie entschieden, "ich freue mich auf die nächsten Spiele."

Mit Laserpointer auf Gesicht von Vander gezielt

Zumal die ohne störendes Laserlicht von der Tribüne vonstatten gehen sollten. Wie schon gegen Inter Mailand hatten griechische Wirrköpfe versucht, mit einem grünen Laserpointer auf das Gesicht des Gäste-Schlussmannes zu zielen - erst nach vier Durchsagen des Stadionsprechers und dem Eingreifen des Panathinaikos-Präsidenten hörte die Unsitte auf. Erstaunlich, wie gelassen der kahlköpfige Keeper aus Willich zwei Tage vor seinem 28. Geburtstag damit umging. "Wenn ich einen Aufstand mache und mich beschwere, verliere ich einen Tick Konzentration und bringe das Publikum gegen mich auf."

Vander also nervenstark und selbstbewusst. Spielmacher Diego hingegen gereizt und übellaunig.

Abermals outete sich der Brasilianer als überforderter Mitläufer, verlor zu viele Bälle, sah die Gelbe Karte, winkte ab oder lag am Boden. Der vermeintliche Genius ist dieser Tage ein ganz normaler Bundesliga-Profi, was Allofs aber nicht beunruhigt. "Wir hatten ja nicht ohne Grund verhindern wollen, dass er nicht zu den Olympischen Spielen reist. Man merkt jetzt, dass er keine vernünftige Vorbereitung hatte und ihm die Kraft fehlt."

Genauso wirkte es auch bei Nebenmann Frings. Der Wortführer von der Weser ließ sich erstaunlich oft überlaufen, Vander schrie ihn nach einer Stunde an. Frings' Reaktion? Keine.

Frings: "Gut, dass Michael mal die Wahrheit gesagt hat"

Dafür hatte der 31-jährige Mittelfeldmann, von dem man derzeit immer noch nicht weiß, ob er ein Nationalspieler oder ein Ex-Nationalspieler ist, einen einmaligen Auftritt in der Mixed Zone. Denn erst als er auf die Causa Michael Ballack angesprochen wurde, war bei ihm wahre Entschlossenheit zu beobachten. Dass der Kapitän der Nationalelf für ihn Partei ergriffen habe, "daran merkt man ja, dass was dort nicht in Ordnung ist". Frings: "Der Kapitän hat das Recht, das anzusprechen. Der 'Micha' ist mein Freund, wir spielen seit der U 21 zusammen, wir haben immer Kontakt. Wir waren ein Super-Gespann - das gute Gespann ist nun auseinandergerissen. Er muss das sagen können."

Angesprochen auf die Dissonanzen in DFB-Kreisen, entgegnete er vielsagend: "Man sollte mal hinterfragen, warum sich gestandene Spieler so aufregen. Gut, dass Michael Ballack mal die Wahrheit gesagt hat. Mich hat die Art und Weise aufgeregt, wie mit mir umgesprungen wurde. So geht es nicht. Ich bin seit elf Jahren Profifußballer, ich habe immer gekämpft und mich immer dem Konkurrenzkampf gestellt."

Sein Rücktritt, das erneuerte der 78-malige Nationalspieler, sei noch nicht vom Tisch, "darüber mache ich mir nicht Tag und Nacht Gedanken, das ist nicht so wichtig. Ich werde jetzt mit allen sprechen, mit meinen Freunden, mit meinen Leuten bei Werder." Den Namen des Bundestrainers erwähnte er in diesem Zusammenhang nicht. Ob Joachim Löw das in diesen schwierigen Zeiten gefällt, ist kaum anzunehmen.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 1188 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
05.03.2009 von pst:

hi schwab, was ist los mit dir?!... Es war doch Spaß... ;:) Sonst alles klar! mehr...

05.03.2009 von pst:

Danke! Aber Neid muß nicht sein... Sonnige Grüße -pst- mehr...

05.03.2009 von pst:

100% Zustimmung, Brieli! Gruß nach Italien.. ;:) mehr...

05.03.2009 von Schwabenpower:

Tegucigalpa - Honduras, Sie erinnern sich? Sie sollten keinen Fussballkrieg gegen El Salvador anzetteln, also kommen Sie schön wieder zurück nach Guatemala. Und Durban, ja das ist dieses Kaff in SA am Ind. Oz. Selbst schon dort [...] mehr...

04.03.2009 von stevowitsch: Hihi

Er meinte natürlich Guatemala-Stadt und Maputo. (Besserwiss :) ) Ganz schönes Reisepensum. Da keimt Neid. Aber es sei Dir gegönnt. mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
alles aus der Rubrik Fußball
alles zum Thema Champions League

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP