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Nationalspieler Frings Der verwundete Egoist

2. Teil: 2006 ist Frings auf dem Höhepunkt, danach geht es bergab

Beide Male besaß Frings langfristige Verträge in Bremen und Dortmund, doch andernorts lockte mehr Ruhm und Geld. Bei der WM 2006 strahlte Frings, der das inszenierte Showgeschäft an der Säbener Straße nur eine Saison ertrug, als Fixstern vom Fußball-Firmament. Das Viertelfinale gegen Argentinien – Zetteltrick von Jens Lehmann hin oder her – hätte Deutschland nie gewonnen, hätte der auf dem Höhepunkt seiner Willens- und Schaffenskraft befindliche Frings nicht den südamerikanischen Spaßverderber gemimt. Und viele sagen ja noch heute, das Halbfinale hätten die Deutschen gegen Italien gewonnen, wäre Frings nicht von der Fifa aus dem Verkehr gezogen worden.

Doch was kam danach? In der Saison 2006/2007 war das Wichtigste, was Frings schaffte, den aus seiner Sicht nun ein bisschen zu notdürftigen Vertrag in Bremen aufzubessern. Dafür kokettierte er offen mit einem Angebot von Juventus Turin. Er schaute sich mit Ehefrau vor Ort in Italien um – um sich dann für die Unterzeichnung eines neuen Vier-Jahres-Vertrages bei Werder Bremen feiern zu lassen. Vier Millionen jährlich kann er mit Prämien verdienen.

Der Verein musste ihm danach jedoch viele Wochen keine Prämien mehr bezahlen. In der Saison 2007/2008 kam das Meiste, was von Frings zu hören war, aus dem Krankenhaus. Er erlitt im Sommer eine Innenbandverletzung, die zuerst ein Kreuzbandriss sein sollte. Kaum zurück, wurde das Knie eingegipst. Komplett für mehrere Wochen. Oliver Bierhoff kritisierte die medizinische Betreuung in der Hansestadt, zumal im Januar 2008 der dritte Rückschlag folgte. Frings bestritt nur elf Ligaspiele – half aber mit, die direkte Champions-League-Qualifikation zu retten.

Bei der EM setzte sich die Pechsträhne fort. Rippenbruch. Zwangspause. Und siehe da: Mit Simon Rolfes und Thomas Hitzlsperger in der Doppelrolle anstelle von Frings lief das deutsche EM-Spiel plötzlich flüssiger, schneller und direkter. 3:2 im Viertelfinale gegen Portugal.

Seitdem ist nichts mehr wie es war. Wie ein verwundeter Wolf beißt Frings um sich. Manchmal verhindert gerade noch die Medienabteilung im Verein oder im DFB, dass der Spieler die Konkurrenten direkt attackiert, die passsicherer und torgefährlicher (Hitzlsperger), dynamischer und agiler (Rolfes) agieren. Beide haben ihre beste Zeit noch vor sich – Frings hat sie hinter sich. Das ahnt oder weiß er. Aber er gibt es nicht zu oder er will es nicht einsehen.

Hitzlsperger und Rolfes sind Systemspieler mit kurzen Haaren, Frings ist Führungsspieler mit langen Haaren und markigen Tätowierungen. Er bildet im Spaßgebilde seines Förderers und Freundes Thomas Schaaf den natürlichen Gegenpol zum verspielten Diego. Im System Schaaf hält Frings mühelos mit. Das Abschlusstraining – Kreisspiel, Warmlaufen, Spielen – schaut noch heute manchmal so aus wie bei Otto Rehhagel. Nur als der Cheftrainer in diesem Sommer während des Trainingslagers in Schruns, auch Frings eine mit Sensoren vollgeklebte Mütze aufsetzen ließ, um die Spieler über und durch Stangen sprinten zu lassen und für einen neuen Fitnesstest wichtige Daten zu sammeln, da grummelte der Mann vernehmbar. "Ich werde nicht mehr schneller", sagt er danach im Hotel, "ich weiß nicht, was das soll."

Das fragen sich auch jetzt gerade viele.

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