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29.10.2008
 

TV-Rechte-Poker

Disney greift nach der Bundesliga

Von Daniel Bouhs

2. Teil: Warum Sat.1 zur Konkurrenz für die ARD wird

Weil es für Premiere also in den nächsten Wochen ums Überleben geht, ESPN aber willens ist, in den deutschen Markt einzusteigen, wird sich am Ende die Fußball-Liga freuen können: Für die Live-Rechte, die in jedem Fall an das Bezahlfernsehen gehen sollen, darf mit hohen Summen gerechnet werden. 205 Millionen Euro zahlt Premiere derzeit pro Saison. Es dürften weit mehr werden.

Sat.1 baut bereits eine eigene Sportredaktion

Gleichzeitig muss die ARD fürchten, sich nicht mehr das Recht sichern zu können, als erster im frei empfangbaren Fernsehen über die Spiele berichten zu dürfen. Denn auch folgendes nicht unrealistisches Szenario ist im Gespräch: Murdochs Premiere könnte sich gleich alle TV-Rechte sichern und das sogenannte Erstverwertungsrecht für die Zusammenfassungen an einen Privatsender weiterreichen. Vor allem Sat.1 scheint hier vorstellbar. Der Sender hatte zwischen 1992 und 2003 mit dem reinen Bundesliga-Magazin "ran" großen Erfolg, obwohl der Sendung immer wieder vorgeworfen wurde, den Sport zu einer Show zu machen. In den vergangenen Jahren fehlte Sat.1 dann die finanzielle Kraft, dabeizubleiben. Sat.1 hat sich nun ebenfalls die Ausschreibungsunterlagen schicken lassen.

In der ARD bangen sie nun nicht nur um die Zuschauer, die Fußball zieht. Die Sportredaktionen denken an ein ganz anderes Problem: Was sollten die auf die einzelnen Landessender wie WDR und SWR verteilten Sportreporter eigentlich tun, wenn ihnen die Bundesliga verlorengehen sollte? Zuletzt hat die ARD ja erst entschieden, die Tour de France nicht mehr mit dem bisherigen großen Aufwand zu begleiten.

Würde jetzt auch Fußball eine Sparberichterstattung, weil die Rechte fehlten, müssten etliche ARD-Mitarbeiter Däumchen drehen. Und auch das passt ins Bild: Sat.1 hat erst vor wenigen Tagen erklärt, der Sender baue wieder eine eigene Sportredaktion auf, hat er doch unter anderem wieder Champions-League-Begegnungen im Programm.

Ein Modell mit vier verschiedenen Anstoßzeiten

Für den Großteil der Fußballfans dürfte es freilich egal sein, ob sie letztlich weiter die "Sportschau" oder bald doch wieder "ran" einschalten. Die Sendungen unterscheiden sich in ihrer nach Emotionen gierenden und mit Werbung gespickten Machart nur unwesentlich. Ein öffentlich-rechtliches Profil ist in der "Sportschau" in der reinen Spielberichterstattung jedenfalls nicht zu erkennen.

Den Zuschauer wird letztlich viel mehr interessieren, wann er seine Spiele denn künftig wird sehen können. Im Gespräch ist derzeit vor allem ein Modell mit vier verschiedenen Anfangszeiten: ein Spiel am Freitag um 20.30 Uhr, fünf Partien am Samstag um 15.30 Uhr und eine Begegnung um 18.30 Uhr sowie am Sonntag eine Partie um 15.30 und eine um 17.30 Uhr.

Das würde aber bedeuten, dass "Sportschau" oder auch "ran" gegen ein Samstagspiel senden müssten. Viele Fußballanhänger wären dann im Stadion, in der Kneipe oder bei mit Pay-TV ausgestatteten Freunden. Ein ARD-Sprecher betonte deshalb im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE auch, dass damit "der Wert der Erstverwertungsrechte erheblich sinken würde".

Bei den Rahmenbedingungen von vor ein paar Wochen hätte dieses Argument für die ARD noch als Trumpf getaugt, weniger Geld zu zahlen. Jetzt nicht mehr. Konkurrenz belebt nicht nur das Geschäft. In diesem Fall erhöht sie auch die Preise.

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