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05.11.2008
 

Gespräch

"Ich war saumäßig ehrgeizig"

Er hat eine der spektakulärsten Trainerkarrieren Deutschlands hingelegt: Bernhard Peters, bekannt geworden als "Klinsmanns Hockeytrainer", wechselte vor zwei Jahren zum Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim. Doch die größte Veränderung seines Lebens fand in seinem Kopf statt. Im Interview erzählt er, wie er sich vom Schleifer zum Begleiter seiner Spieler wandelte, wie man Zielvereinbarungen richtig einsetzt und warum er Fußballjunioren in "Glück" unterrichten lässt.

Frage: Herr Peters, wenn man Ihrer Selbstbeschreibung glauben darf, müssen Sie in Ihren ersten Jahren als Hockeytrainer eine ganz schöne Zumutung gewesen sein: Sie waren autoritär, humorlos und emotional unzugänglich, haben Ihre Spieler angeschrien und beleidigt. Tut Ihnen das heute leid?

Peters: Ja, natürlich. Aber diese Phase gehört auch zu meiner Entwicklung. Wenn ich heute - 20 Jahre später - mit Spielern darüber spreche, dann erzählen sie oft von sich aus, dass es für sie auch eine unheimlich wertvolle Zeit gewesen ist. Für die Entwicklung ihrer Persönlichkeit, für das Durchsetzen persönlicher und sportlicher Ziele. Aber wenn man mal von den rein sportlichen Ergebnissen absieht - wir haben ja auch oft gesiegt -, gibt es sicher etliche Dinge, die ich heute anders machen würde. Frage: Wie haben die Spieler auf Ihre Härte reagiert?

Peters: Viele haben aus der Konfrontation zwischen Trainer und Mannschaft Stärke bezogen. Es war schon interessant zu sehen, wie Spielerinnen und Spieler als Team zusammengegluckt und sich gegen mich - aber im Sinne des Ziels - positioniert haben. Viele haben es auch als Herausforderung betrachtet, sich dieser Härte, Konsequenz und dem absoluten Leistungswillen unterzuordnen und daran zu wachsen.

Frage: Anfang, Mitte der 90er Jahre haben Sie dann begonnen, an sich selbst zu arbeiten und Ihr Auftreten, Ihre Ausstrahlung zu verändern. Warum? Mit den deutschen Hockey-Juniorinnen und -Junioren waren Sie doch sportlich sehr erfolgreich.

Gefunden in...

Harvard Business Manager 11/2008
Peters: Es klingt in der Tat grotesk, aber die Ergebnisse vorher waren nicht schlechter als nachher. Mir war es aber wichtig, dass ich mich auf der Führungsebene weiterentwickle. Dabei ist mir bewusst geworden, dass ich Schwächen im Umgang mit der Psyche einzelner Spieler hatte. Auch meine Mitarbeiter haben von mir einen anderen Führungsstil eingefordert. Deswegen habe ich mich diesen vermeintlich weichen Führungsthemen intensiv gewidmet. Ich habe viel gelesen und mit Sportpsychologen geredet, habe eine NLP-Ausbildung (Anm. d. Red.: Neurolinguistisches Programmieren; Techniken zur Verbesserung der Kommunikation) gemacht und eine Ausbildung zum Mentaltrainer. So habe ich versucht, mein Trainerbild zu erweitern.

Frage: Was hat Ihnen die Augen dafür geöffnet, dass Sie mit Ihrem ruppigen Umgang auf dem falschen Weg sind?

Peters: Über falsch und richtig würde ich hier gar nicht sprechen. Ich habe einfach einen Entwicklungsprozess durchgemacht. Und da waren es sicher auch die Spieler, die mich immer wieder zum Nachdenken angeregt haben. Tolle Persönlichkeiten, die mich ziemlich hart und offen kritisiert haben, manchmal vor der Gruppe, manchmal im Vier-Augen-Gespräch.

Frage: In welchen Situationen ist Ihren Spielern der Kragen geplatzt?

Peters: Zum Beispiel habe ich damals zu oft nachgefragt, ob sie auch umsetzen, was in ihrem Trainingsplan steht. Björn Emmerling, ein sehr erfahrener Spieler, hat mir einmal klipp und klar gesagt: "Vertrau mir einfach, wiederhole deine Forderungen zum Trainingsplan nicht immer wieder. Es enttäuscht mich, dass du mir offenbar nicht vertraust; du musst doch wissen, dass du dich voll auf mich verlassen kannst." Manchmal habe ich das Programm für eine Trainingswoche auch zu scharf angesetzt. Dann haben mir die Jungs kritisch gesagt, dass es einfach zu umfangreich war, dass weniger Perfektion mehr gewesen wäre.

Frage: Sich selbst zu verändern ist eines der ehrgeizigsten Ziele, die sich ein Mensch setzen kann. Wie sind Sie dieses Projekt angegangen?

Peters: Ich habe mit drei verschiedenen Sportpsychologen zusammengearbeitet und sie immer wieder aufgefordert, meine Selbstkontrolle, Selbstbeobachtung und mein Eigencoaching zu hinterfragen. Das haben sie auch sehr intensiv betrieben, zum Beispiel durch Videoanalysen meines Trainings, Coachings und der Mannschaftsbesprechungen. Die Videos haben wir uns hinterher angesehen und Klartext geredet - wo ich gut war und wo schlecht. Außerdem habe ich einige externe Seminare belegt, etwa spezielle Weiterbildungen für Bundestrainer. So habe ich den Schwerpunkt meiner eigenen Fortbildung verschoben - von der Fachebene mit Technik, Taktik, Kondition hin zu Führung und Psychologie. Dadurch hat sich auch mein Verhalten sukzessive weiterentwickelt.

Frage: In diesen Coachings haben Sie sicher auch Dinge gehört, die für Sie nicht angenehm waren. Warum haben Sie trotzdem daran festgehalten?

Peters: Weil ich saumäßig ehrgeizig war. Ich wollte immer dazulernen und habe mich nie als unfehlbaren Trainer gesehen. Sport ist für mich ein sehr gegenwartsbezogener Prozess. Und so war ich immer getrieben von dem Gefühl: Wenn du nicht weiterdenkst, wenn du nicht immer einen Schritt schneller bist und dich weiterentwickelst, dann bist du morgen out. Ich war sicher ein sehr erfolgreicher Trainer, aber es gab viele Dinge, in denen ich immer noch besser werden konnte. Das hat mich angetrieben.

Frage: Was hat denn der sportpsychologisch geschulte Bernhard Peters in entscheidenden Situationen anders gemacht?

Peters: Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Beim Endspiel der Junioren-WM 1993 in Spanien habe ich meine Spieler mit einer Maßnahme überrascht, die ich noch ein paar Jahre vorher aus lauter Perfektionismus nie gewagt hätte: Statt dem Team vor dem Spiel wie üblich eine Videoanalyse unserer Finalgegner vorzuspielen, habe ich "Ein Fisch namens Wanda" in den Videorecorder geschoben. Einige Betreuer hatten mir diese Idee mit sanftem Druck nahegelegt, um dem Team kurz vor dem Spiel Lockerheit und Gelassenheit zu vermitteln. Emotionale Verbundenheit zu schaffen bringt nämlich viel mehr, als sämtliche Eckenvarianten zum x-ten Mal durchzusprechen. Es hat sich bezahlt gemacht: Wir sind an diesem Tag Weltmeister geworden.

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Obwohl ich da auch nicht hätte pfeiffen wollen: wenn einmal der Wurm drin ist.... Wenn man schon einmal so ne stritige Entscheidung getroffen hat, ist es auch klar, dass die Spieler es nur noch drauf anlegen. Die Bälle waren ja [...] mehr...

07.05.2009 von Schwabenpower:

Ja, gesehen habe ich das schon auch, aber rot? Letzter Mann war doch Abidal nicht wirklich, vermutlich wäre es zwar zu einer 1:1 Situation Anelka vs. Valdes gekommen, aber es war auch äußerst zweifelhaft, ob Anelke würde den [...] mehr...

07.05.2009 von Andreas.Tombrink:

Bei der roten Karte muss ich dir widersprechen: soweit ich das gesehen habe, wurde der Chelsea-Spieler leicht am Arm "gezupft" (gehalten)...der lief auf s Barca Tor zu......und fiel... (meine das zumindest so nach der [...] mehr...

07.05.2009 von Schwabenpower:

Hier mal etwas, was jeglicher Polemik entbehrt, dafür aber nichts mit Hoffenheim zu tun hat: Die Schiedsrichterleistung, die ich gestern gesehen habe, habe ich prompt auf Platz 3 der schlechtesten, jemals gesehen [...] mehr...

06.05.2009 von Andreas.Tombrink:

wah: Wer hat denn bei Bayern, Schalke und Hertha dauerhaft den Sprung in die Mannschaft geschafft?? Es wurde Lell, Kroos, Rensing im Vorthread benannt: das sind Stammspieler?: ich sehe diese eher momentan als Einwechelspieler [...] mehr...

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