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31.10.2008
 

TV-Rechte

Bundesliga beschließt Samstagabend-Spiel

Es ist ein tiefer Einschnitt in die Sehgewohnheiten der Fußballfans: Ab der kommenden Saison wird es in der Bundesliga samstags ein Abendspiel geben. Auch der Sonntag wird gestreckt. WDR-Rundfunkrat Marc Eumann mahnte die ARD zur Zurückhaltung im Bietpoker um die Free-TV-Rechte.

Hamburg - "Die Liga hat einen sehr schwierigen Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit, Fan-Interessen, Zuschauer-Gewohnheiten und den Wünschen des Amateurfußballs in angemessener Weise bewältigt", wird Präsident Theo Zwanziger in der Pressemitteilung des DFB zitiert.

TV-Übertragung: Bundesliga künftig auch am Samstagabend
DDP

TV-Übertragung: Bundesliga künftig auch am Samstagabend

Der Spagat soll auf der einen Seite dem vornehmlich am Sonntag stattfindenden Amateurfußball in Deutschland nicht die Aufmerksamkeit entziehen. Auf der anderen Seite muss er den Clubs höhere TV-Erlöse bringen. Und so sieht das Ergebnis des Spagats aus: Künftig werden samstags nur noch fünf Bundesligaspiele zur Kernzeit 15:30 Uhr stattfinden - dafür ein weiteres um 18:30 Uhr. Dieses Top-Spiel wird aller Voraussicht nach im frei empfangbaren Fernsehen erst sehr spät zu sehen sein - es ist ein Entgegenkommen für Pay-TV-Bewerber wie Premiere oder Disney.

In diesen Kontext fällt auch das beschlossene 15:30-Uhr-Spiel am Sonntag, der damit gestreckt wird. Denn das andere Sonntagsspiel findet um 17:30 Uhr statt. Komplettiert wird das auf der Mitgliederversammlung der 36 in der Deutschen Fußball-Liga vertretenen Proficlubs beschlossene Anstoßzeitenmodell durch die Freitagabend-Partie (20:30 Uhr). Nach Länderspielen soll dieses jedoch bis zu sechsmal pro Saison auf Samstag um 15:30 Uhr verschoben werden.

Der Sonntag wird gestreckt, aber zugunsten des Amateurfußballs auch entschlackt. Insgesamt finden nun nur noch insgesamt fünf Partien der beiden höchsten Ligen an diesem Tag statt - neben den zwei Bundesliga-Spielen drei Partien der Zweiten Liga, die jeweils schon um 13:30 Uhr angepfiffen werden. Lediglich nach Uefa-Pokal-Wochen könnte bis zu fünfmal pro Saison ein weiteres Bundesliga-Spiel am Sonntag um 17:30 Uhr angesetzt werden, teilte der DFB mit. Bisher wurden von der DFL im Normalfall sonntags sieben Begegnungen terminiert, davon fünf in der 2. Bundesliga um jeweils 14 Uhr und zwei in der Bundesliga um jeweils 17 Uhr.

Die Fans müssen sich nun vor allem in der Zweiten Liga umstellen - denn neben drei Freitagabend-Spielen (18 Uhr) und den Sonntagspartien gibt es Fußball aus der zweithöchsten Spielklasse ab der kommenden Saison auch am Samstag. Zwei Partien werden um 13 Uhr angepfiffen. Das Montags-Match (20:15 Uhr) bleibt erhalten. 39 Bewerber gibt es für die Free- und Pay-TV-Rechte, Internet- und Mobilfunklizenzen. Seit heute ist klar: Der Fußball wird künftig in noch kleineren Häppchen serviert.

Ligaverbandspräsident Reinhard Rauball sagte das so: "Wir wollen in der Frage der TV-Übertragungsrechte möglichst große Planbarkeit und Verlässlichkeit – im Sinne aller Beteiligten: Clubs, Fans und Medienunternehmen. Möglichst hohe Erlöse aus diesem Bereich sind kein Selbstzweck. Die Vereine benötigen die Einnahmen aus den Medienrechten nicht nur, um eine attraktive Liga mit großen Stars zu finanzieren, sondern auch um den Fans weiter günstige Ticketpreise und die modernsten Stadien der Welt bieten zu können."

Für die ARD, die bislang die Samstagsspiele ab 18:30 Uhr in der Sportschau überträgt, ist die Situation schwierig. Mehr oder das gleiche Geld für weniger Rechte zu zahlen, das könnte in der ARD schon an den Rundfunkräten scheitern. Rechteverträge in dieser Größenordnung müssen von ihnen - für den Betrag den jede Anstalt zahlt - abgenickt werden.

Nachdem die DFL-Pläne bekannt geworden sind, forderte der WDR-Rundfunkrat und Vorsitzende der SPD-Medienkommission, Marc Jan Eumann, die ARD auf, nicht länger mehr für die Bundesligarechte zu zahlen, als sie auf dem Markt wert sind. Eine Summe in der Größenordnung von 100 Millionen Euro für noch weniger Fußballbundesliga, als es der zur Zeit gültige Vertrag vorsieht, hält er für indiskutabel. "Es wäre ausgeschlossen, dass wir da zustimmen würden", sagte Eumann SPIEGEL ONLINE.

"Auf Dauer", so Eumann, "sollten die öffentlich-rechtlichen Sender im Bietpoker um Sportrechte ohnehin nur begrenzt mitmachen". Es sei schließlich nicht Aufgabe der ARD, auf Kosten der Gebührenzahler das Einkommen von Fußball-Millionären zu sichern. "Die ARD wäre gut beraten, sich eine Strategie zu überlegen, wie sie auf Dauer auch ohne übertriebene Fußball-Bundesliga-Übertragungen junge Zuschauer erreicht. Viele Millionen könnten so im Programm besser angelegt werden."

goe/mb

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