Von Christoph Ruf
Berlin - Als Fabio Capello aus San Canzian d'Isonzo das Podium der Berliner Pressekonferenz betrat, änderte sich der Gesichtsausdruck vieler englischer Journalisten schlagartig. Mancher, der eben noch fröhlich und gelöst ausgesehen hatte, blickte nun angespannt auf seinen Schreibblock. Wenn der italienische Coach des englischen Teams Englisch spricht, ist höchste Konzentration gefordert, um zu begreifen, worum es dem Maestro geht.
Capello war, so viel ließ sich heraushören, sehr zufrieden. "Very good", vor allem aber "like a team", unter dem Strich also wirklich "very good" sei man aufgetreten, was wiederum "very important" und "ein Schritt nach vorne" sei. Kurzum: "Die Spieler haben das getan, was ich will."
Was sein B-Team ohne die Mehrzahl der Stammspieler im Berliner Nieselregen ablieferte, konnte sich vor allem taktisch sehen lassen. Bei eigenem Ballbesitz rückte die Abwehr streckenweise bis weit in die deutsche Hälfte vor; wenn die Engländer verteidigten, wurde die deutsche Mannschaft hingegen konsequent vom eigenen Strafraum ferngehalten. Die Mannschaftsteile griffen ineinander, das Spiel des deutschen Gegners wirkte im Vergleich zum Englischen vor allem in der ersten Hälfte beängstigend träge und bieder.
Capello, der in England nach nur wenigen Monaten Amtszeit schon Heldenstatus genießt, hat nicht nur die in Frittierfett gegossenen Ernährungsgewohnheiten revolutioniert, indem er einer staunenden Mannschaft mitteilte, dass er Pommes nicht zur Sportlernahrung zählt. Der 62-Jährige hat aus dem konfusen Team, das sein Vorgänger Steve MacLaren hinterlassen hatte, eine Einheit geformt, die den Anschluss an die fußballerische Moderne erstaunlich schnell hinbekommen hat.
Und so konnte Capello, dem ein britischer Reporter am Abend des 19. November schon einmal "Frohe Weihnachten" wünschte, die Szene in der 63. Minute auch kommentieren, als berichte er über den besten Gag in einem gelungenen Kinofilm. "You should, I should, you should, I should" hätten sein Abwehrspieler und sein Keeper da gespielt, als sie sich nicht einigen konnten, wer einen harmlosen deutschen Ball denn nun sichern solle und es sicherheitshalber beide unterließen. Angreifer Patrick Helmes freute sich und schob - nach dem Führungstreffer von Matthew Upson in der 23. Minute - zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich ein: "Die waren sich nicht ganz sicher, wer drangehen soll. Da habe ich gedacht, gut, dann nehme ich den." Sein Treffer sollte abgesehen von einer kurzen Druckphase vor dem 1:2 aus deutscher Sicht der einzige Glücksmoment bleiben.
Was England gut machte, misslang Löws Team: Die Mannschaftsteile liefen nebeneinander her, im Mittelfeld fehlten Ideen und Entschlossenheit, weshalb Mario Gomez und Miroslav Klose in der ersten Hälfte nicht einen einzigen verwertbaren Ball bekamen und sich zunehmend aus dem Spiel ausklinkten. Joachim Löw erklärte dann auch plastisch, warum Gäste-Keeper David James eine so ruhige erste Halbzeit verbrachte: "Außen kamen wir nicht durch, und in der Mitte haben wir zu viele Fehler im Passspiel gemacht." Überhaupt versuchte der Bundestrainer gar nicht erst, die Mängelliste abzukürzen: "Die Raumaufteilung hat nicht gestimmt, vor allem in der ersten Halbzeit hat die Ordnung gefehlt. Wir haben relativ statisch gespielt, das Spiel ohne Ball vermissen lassen."
Nur Mitte der zweiten Halbzeit – Löw hatte zuvor den Gladbacher Marko Marin, Helmes (Leverkusen) und den Münchner Lukas Podolski eingewechselt – zeigte das Team kurzzeitig einige recht ansehnliche Kombinationen. Just in dieser Phase fiel dann allerdings das 2:1 durch John Terry (84.). Der Siegtreffer.
Die englischen Fans, von Anpfiff an im Olympiastadion ebenso agil wie ihr Team auf dem Platz, stimmten daraufhin wieder Lieder auf vergangenen ("10, 9, 8 ... deutsche Bomber in der Luft") und gegenwärtigen Ruhm Englands ("Gott schütze die Königin") an und fragten höhnisch, ob irgendjemand die "Deutschen singen hören" könne. Die wiederum zogen es vor, nach dem Schlusspfiff ein Pfeifkonzert zu intonieren, das sogar noch lauter ausfiel als das nach der schlechtesten ersten Halbzeit, die eine deutsche Mannschaft unter Jogi Löw je gespielt haben dürfte.
Als sich das Stadion daraufhin leerte, strömten Zehntausende sehr stille deutsche und Tausende sehr laute englische Fußballfreunde den nächstgelegenen S- und U-Bahnstationen entgegen. Im Stadion blieb ein Transparent hängen, das die Veranstalter bereits vor dem Anpfiff aufgehängt hatten, um die Gäste aus dem viel beschworenen "Mutterland des Fußballs" zu begrüßen: "Thank you for inventing the beautiful game."
Ein Dank an England für die Erfindung des schönen Spiels Fußballs. Und ein Dank an ein Land, das lange ebensowenig für schönen Fußball stand wie der Italiener, der es nun trainiert. Aber die Zeiten ändern sich.
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hi schwab, was ist los mit dir?!... Es war doch Spaß... ;:) Sonst alles klar! mehr...
Danke! Aber Neid muß nicht sein... Sonnige Grüße -pst- mehr...
100% Zustimmung, Brieli! Gruß nach Italien.. ;:) mehr...
Tegucigalpa - Honduras, Sie erinnern sich? Sie sollten keinen Fussballkrieg gegen El Salvador anzetteln, also kommen Sie schön wieder zurück nach Guatemala. Und Durban, ja das ist dieses Kaff in SA am Ind. Oz. Selbst schon dort [...] mehr...
Er meinte natürlich Guatemala-Stadt und Maputo. (Besserwiss :) ) Ganz schönes Reisepensum. Da keimt Neid. Aber es sei Dir gegönnt. mehr...
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