Von Ronny Blaschke
Wenn ihn jemand verprügeln würde, wäre es schlimm. Aber wenn jemand seine Mutter zu Hause anrufen und ihr drohen würde, wäre es unerträglich. Christian Deker hat sich viele Gedanken gemacht, wie die Verbindung zwischen Fußball und Privatleben seinem Umfeld schaden könnte. Einmal erhielt er eine Morddrohung, in der Anonymität des Internets. Er war eingeschüchtert, der Absender hatte sein Ziel erreicht.
Ein anderes Mal tauchten Fotos von ihm im Netz auf, niemand hatte ihn um Erlaubnis gebeten. "Damit müssen wir leider leben", sagt Deker. Er ist kein Politiker, Gerichtsvollzieher oder Insolvenzverwalter, er hat keinen Beruf, dem das Volk gern seinen Zorn aufbürdet. Er ist Fußballfan und homosexuell, nicht im Verborgenen, er trägt diese Kombination in die Öffentlichkeit, für ihn ist das normal wie Zähneputzen nach dem Aufstehen - für andere ist es das nicht.
Deker, Mitte 20, hat Jura studiert und sich inzwischen einen Namen als Journalist gemacht. Auch deshalb wurde er zum Sprecher der Stuttgarter Junxx ernannt, des ersten schwullesbischen Fanclubs des VfB Stuttgart. "Wir wollen zeigen, dass die Verbindung Fußball und Homosexualität kein Widerspruch ist", sagt Deker.
Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Mitglieder der Stuttgarter Junxx nicht von ihren Kollegen anderer Fanclubs. Sie gehen ins Stadion, singen, schreien, schimpfen und klatschen, sie fahren zu Auswärtsspielen, pflegen ihre Beziehung zum VfB mit Hingabe. Doch die Junxx sind auch ein politisches Forum, vielleicht das wirkungsvollste auf der Tribüne. Sie treten nicht in Nadelstreifen auf, sondern in Rot und Weiß, mit Vereinsschal und Trikot.
Deker erinnert an das Halbfinale des Ligapokals gegen den FC Bayern 2007, er stand wie immer in der Kurve des VfB und stimmte ein in die Gesänge der Fans. Plötzlich schickten die Stuttgarter dem Torwart des Gegners einen donnernden Gruß. "Michael Rensing ist homosexuell." Deker hatte diese Schmähungen oft gehört, sie haben ihn auch persönlich getroffen, wie eine wuchtige Ohrfeige, dieses Mal brachte er den Mut auf, um zu rebellieren.
"Was soll das?", fragte Deker seine Platznachbarn, "ich bin schwul und fühle mich dadurch diskriminiert." Schweigen, verwirrte Blicke. Schwul? Fußball? Kann das sein? Nach einer Weile antwortete ein Stuttgarter Fan: "Du hast recht. Ich unterstütze dich." Die Anekdote verdeutlicht, wie leicht Klischees und Unwissenheit mit Worten entgegengewirkt werden kann. Deker hatte eine Weile gebraucht, um das zu verstehen. In der Pubertät war bei ihm der Gedanke gereift, dass er auf Männer stehen könnte, mit 17 war er sich sicher.
Zu Hause hat es nie ein Problem gegeben. Seine Mutter war überrascht, hatte ein wenig Angst, schnell vertrieb sie Klischees von zwangsläufigen Krankheiten und Drogenproblemen aus ihren Gedanken, bald wirkte sie nur noch erleichtert.
Gemeinsam sollten sie Jahre später für eine Titelgeschichte des "Stern" posieren, er stand im Vordergrund, lächelte, die Hände in den Taschen vergraben, sie saß hinter ihm, lächelte, die Hände auf dem Schoß verschränkt. Die Symbolik war eindeutig, die Mutter hält ihrem Sohn den Rücken frei.
"Nicht jeder hatte es so einfach wie ich", erzählt Deker. Nachdem sich einer seiner Freunde aus dem Fanclub offenbart hatte, ließen ihm dessen Eltern acht Wochen Zeit, um sich eine neue Wohnung zu suchen. Ihre Position war weit verbreitet, und sie ist es noch immer: Schwul? Dann hat die Familie eben ein Mitglied weniger.
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Ehrlich, das meine ich? Das wußte ich noch gar nicht, daß ich dies meine. Wo habe ich denn dies geschrieben? Die Nichtexistenz ist längst widerlegt, vielleicht kommt dies irgendwann bei Ihnen auch noch an. Doch, gerade [...] mehr...
Es wird doch keiner zum Fußball-Profidasein gezwungen. Weder der Hetero noch der Homo. Es ist schlimm, dass noch immer in manchen Köpfen die Vorstellung vorherrscht, es handele sich bei Homosexualität um eine Krankheit oder [...] mehr...
So, wie ich glaube, dass es keine Einzelfälle sind, dass Diskreminierung wegen verschiedenster Aspekte (Geschlecht, Herkunft, sexuelle Ausrichtung) nach wie vor stattfindet, so glaube ich auch nicht, dass es nur wenig tolerante [...] mehr...
Kennen Sie diese denn? Sie stellen sich doch hier als allwissend hin und meinten, die vielen schwulen Fußballer sollten sich mal outen. ---Zitat--- Ihre Reaktion ist typisch dafür, wenn man für seine Behauptung noch nicht mal [...] mehr...
Es gibt auch heute noch welche die meinen Frauen gehören an den Herd. Es gibt auch heute noch Leute die halten das Gebrabbel von alten Männern in Rom als Gottes Wort und verteufeln Kondome etc. mehr...
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