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10.12.2008
 

Vereinswechsel

Hildebrand-Verpflichtung leitet neue Strategie in Hoffenheim ein

Von Frieder Pfeiffer

Timo Hildebrand ist zurück in der Bundesliga - und bei seinem Entdecker: Hoffenheim-Trainer Ralf Rangnick kennt den Torwart bestens. Nicht nur deshalb ist der Wechsel des Ex-Nationalspielers eine sinnvolle Entscheidung. Der Tabellenführer rüstet sich damit für große Ziele.

Hamburg - Als Franz Wohlfahrt, Torhüter des VfB Stuttgart, Ende November 1999 an Angina erkrankte, holte sich VfB-Trainer Ralf Rangnick einen milchgesichtigen Blondschopf zur Seite, der lange in der Regionalliga-Mannschaft für Furore gesorgt hatte. Er sagte ihm, dass er keine Bedenken habe, ihn im Bundesliga-Spiel beim SC Freiburg ins VfB-Tor zu stellen. Rangnick sollte damit richtig liegen. Die Stuttgarter gewannen 2:0, der Trainer war zufrieden. "Für einen 20-Jährigen hat er sich erstaunlich routiniert gezeigt", sagte Rangnick nach der Partie.

Es war der erste von bislang 221 Bundesliga-Einsätzen für Timo Hildebrand.

In den Spielen bewies der mit 1,85 Meter Körpergröße relativ kleine Schlussmann mehrfach, warum ihn sein damaliger Trainer einen "Klasse-Torwart" nannte.

Komplimente hat Hildebrand in den vergangenen Monaten nur wenige bekommen. Beim FC Valencia saß er ein halbes Jahr lang überwiegend auf der Tribüne. Seine letzte Partie absolvierte er dort am 24. August. Auch in Deutschland sind seine guten Tage, in denen er dem VfB Stuttgart im Sommer 2007 mit zum Meistertitel verhalf, in Vergessenheit geraten. Zu enttäuschend war die Zeit in Valencia, wo Hildebrand in eineinhalb Jahren nie über längere Phasen unangefochten war.

Jetzt bekommt er eine neue Chance. In der Winterpause wird Hildebrand ablösefrei zum Sensationsaufsteiger 1899 Hoffenheim und zurück zu Trainer Rangnick wechseln. Für den inzwischen 29-Jährigen ist der Vertrag ein unverhofft erfolgversprechender Neuanfang, der im günstigsten Fall sogar im Nationaltor enden könnte. Noch ist dieser Posten nicht endgültig vergeben, freilich weiß auch Hildebrand, dass er im Rennen um die Nummer eins bei der WM 2010 derzeit nicht unter den ersten Drei rangiert.

Auch Hoffenheim schlägt mit Hildebrands Verpflichtung einen neuen Weg ein. In den vergangenen beiden Jahren hatte Rangnick in Zusammenarbeit mit Manager Jan Schindelmeiser fast ausnahmslos junge, unbekannte Spieler geholt, die er so formen konnte, dass sie sich perfekt ins Spielsystem Hoffenheims einfügten. Chinedu Obasi, 22 Jahre, kam aus Norwegen, Demba Ba, 23, aus Belgien. Andere Spieler holten die Konzept-Künstler von deutschen Ersatzbänken (Andreas Beck), Tribünen (Marvin Compper, Sejad Salihovic) oder gar Reserveteams (Tobias Weis).

Nun kommt erstmals ein fertiger Profi, ein ehemaliger Nationalspieler und Deutscher Meister zu Hoffenheim. Es ist ein Bruch mit bisherigen Gepflogenheiten - aber einer, der plausibel erscheint.

Rangnick weiß genau, welchen Spieler und Mensch er mit Hildebrand bekommt. In gewisser Weise hat er ihn ja bereits vor vielen Jahren selbst geformt. Auch ist davon auszugehen, dass Hildebrand in Hoffenheim nicht die Team-Chemie durcheinander bringen wird. Spieler wie Beck oder Weis kennt er noch aus Stuttgart. Zudem muss er sich mit Ansprüchen zurückhalten, seine erfolglose Zeit in Spanien lässt ein großspuriges Auftreten nicht zu, sein Standing muss er sich erst erarbeiten.

In Hoffenheim hat er dazu die besten Möglichkeiten. Trotz sensationell erfrischendem Spiel in der Vorrunde offenbarten die Auftritte des Aufsteigers immer wieder eine große Schwachstelle: Beide bislang eingesetzten Torhüter, sowohl Ramazan Özcan (sechs Einsätze) als auch Daniel Haas (zehn), kommen mit dem raschen Wachstum der Ansprüche in Hoffenheim nicht mehr mit.

Auch wenn es Rangnick und sein Team nie zugeben würden: Man beschäftigt sich im Kraichgau natürlich schon mit der kommenden Saison. Und die könnte in Europas großen Stadien stattfinden. Nur mit jungen Offensivwirblern aus Oslo (Obasi), Mouscron (Ba) oder Freiburg (Andreas Ibertsberger) lässt sich in Madrid, Mailand und Manchester schwerlich bestehen.

Hildebrand behebt kurzfristig die Schwachstelle im Tor, mittelfristig kann er helfen, die streckenweise unorganisierte Defensive zu stabilisieren. Auf längere Sicht, und das ist der wichtigste Punkt, soll er ein erfahrener Stützpfeiler auf dem weiteren Weg nach oben werden. Der neue Schlussmann macht den Tabellenführer stärker, was nicht unbedingt eine gute Nachricht für die Konkurrenz ist.

Genau dort lauert aber auch die Gefahr. Hildebrand ist der erste Transfer der Hoffenheimer, der bundesweit genauestens beäugt wird. Sollte der Torhüter nach langer Pause nicht schnell zu der Form finden, die ihn zum Ende seiner Zeit in Stuttgart auszeichnete, wird der Druck auf Hildebrand, aber auch auf die ganze Mannschaft, wachsen. Für das Team wäre dies eine neue Erfahrung, zumal mit fortschreitender Bundesliga-Saison bei gleichbleibender Tabellenkonstellation die Psycho-Spielchen aus München neue Dimensionen erreichen werden.

Dennoch bleibt die Einigung für beide Seiten ein sinnvolles Geschäft. Die Verbindung Rangnick/Hildebrand entwickelte sich in der gut einjährigen Zusammenarbeit in Stuttgart zu einem engen Verhältnis. Schon bald nach seinem Debüt gehörte Hildebrand neben Pablo Thiam zu den Vertrauensspielern des damals schon eigenwilligen Trainers.

Am Scheitern Rangnicks in Stuttgart konnte Hildebrand trotz vieler Beteuerungen ("sehr kompetenter Trainer") nichts ändern. Der heute 50-Jährige stolperte Anfang 2001 über das schlechte Verhältnis mit einem anderen Spieler. Zum VfB-Regisseur Krassimir Balakov fand Rangnick nie einen Zugang. Der Bulgare war der Platzhirsch unter vielen jungen Wilden.

Balakov sollte Hildebrand also besser kein Vorbild sein.

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17.12.2008 von Polar:

Wenn damit der Sammer gemeint ist - der ist schon Deutscher Meister (als Trainer). mehr...

17.12.2008 von Erfolgstrainer:

Ja meinen Sie denn, die Patzer des Timo hingen nur mit seinem Wechsel zusammen, und er hätte in Stuttgart fehlerfrei weitergespielt? Mal davon abgesehn, dass man in diesem Fall gar nicht von weiterspielen reden kann, da er schon [...] mehr...

17.12.2008 von wolfi55: Vielleicht einen Situation die gut für beide Seiten ist

Der Hildebrand war einfach blöd, als der von Stuttgart wegging. Den berater von dem, der das betrieb, dem würde ich Teile abschneiden. Das ist einfach. Mit dem Weggang hatte der sich, praktisch von der Nationalmannschaft [...] mehr...

16.12.2008 von ramses pyramidenbau:

Ach DIE meinste... Ja sag' doch des gleich. *grins* mehr...

16.12.2008 von MOUXIN:

Deswegen sage ich ja: Ich trau´s mich fast nicht sagen. Jo, da war ich wohl etwas schlampig. Alle Niederlagen waren Auswärtsspiele. Allerdings: Die beiden Unentschieden sowie die Siege gegen HSV und BVB fanden in Mannheim [...] mehr...

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