11 Freunde: Es gab auch unangenenehme Gegenspieler.
Dörfel: Berti Vogts war einer. Der ist immer mit nach vorne gegangen, ich hatte allerdings wenig Lust die ganze Zeit hinter dem her zu rennen. Deshalb hab ich Jürgen Kurbjuhn zu meinem Ausputzer gemacht. In Spielen gegen Borussia Mönchengladbach rief ich die ganze Zeit: "Kubbi, übernehmen Sie!"
11 Freunde: Und Sie sind derweil auf die Tribüne.
Dörfel: Das kam ein paar Mal vor. Es gab etwa dieses eine Spiel am Rothenbaum, bei dem ein guter Freund von mir zu Gast war und ich vor dem Spiel mit ihm scherzte: "Ich finde dich im Publikum." Während des Spiels schaute ich ständig auf die Zuschauerränge, konnte ihn aber nicht finden. Kurz vor der Halbzeit sah ich ihn dann doch. Ich bin also auf die Tribüne, habe ihm inmitten der johlenden Fans die Hand geschüttelt und gerufen: "Ich habe ihn gefunden!" Ihm war das ziemlich unangenehm.
11 Freunde: Das Spiel lief währenddessen weiter?
Dörfel: Ja, während ich mit dem Kumpel einen kurzen Klönschnack hielt, rief ein Zuschauer: "Charly, der Ball!" Zack, rannte ich wieder aufs Spielfeld, habe Ball vor der Außenlinie noch angenommen und bin wieder die Linie auf und abgelaufen.
11 Freunde: Gab es für solche Aktionen nie Geldstrafen?
Dörfel: Fast nie, die HSV-Verantwortlichen wussten, dass ich für Seeler unverzichtbar war.
11 Freunde: Und die Zuschauer vergötterten Sie.
Dörfel: Am Rothenbaum auf jeden Fall. Neben Vogts gab es noch einen Spieler, gegen den ich sehr ungern spielte. Das war Sepp Piontek. Der konnte einfach kein Fußball spielen, ist nur in die Knochen gegangen. Bei einem Spiel beförderte er mich mit einer harten Grätsche vor die Tribüne des Rothenbaums. Da kam ein Zuschauer und schlug ihm mit dem Regenschirm auf den Kopf. Ich war tatsächlich so etwas wie ein Heiligtum dort.
11 Freunde: Im Gegensatz zu Ihrem Status im Nationalteam.
Dörfel: Anfangs war ich Herbergers Liebling. Er nominierte mich, als ich 20 war. Und ich revanchierte mich mit zwei Toren im ersten Spiel gegen Island. In der Qualifikation zur WM 1962 schoss ich drei weitere. Dennoch nahm mich Herberger nicht mit nach Chile.
11 Freunde: Ließ er Sie grundlos zu Hause?
Dörfel: Vielleicht weil ich kein Taktikspieler war, dieses starre Einhalten von Positionen war nichts für mich. Ich brauchte Narrenfreiheit. Herberger aber wollte 1962 defensives Catenaccio spielen lassen.
11 Freunde: In einigen Länderspielen wurden Sie auch von Ihren Nebenleuten gemieden.
Dörfel: Sie sprechen die Länderspiele 1963 gegen die Türkei und Brasilien an. Das waren tatsächlich seltsame Spiele. Konietzka, Schütz und Libuda passten und flankten sich die Bälle zu, während ich wie ein Wahnsinniger in die Gassen sprintete und mich immer wieder anbot. Das war ganz klar Westen-Klüngelei.
11 Freunde: Unter Helmut Schön kamen Sie nur noch einmal zum Einsatz. Waren Sie ihm zu unbequem?
Dörfel: Vermutlich. Schön war humorlos. Vielleicht zwickte es mich deswegen bei Gesprächen mit ihm umso mehr im Zwerchfell. Schön kam etwa einmal während der Halbzeitpause eines HSV-Freundschaftsspiels zu mir und fragte: "Na Charly, wie sind Sie in Form?" Da hab ich zu ihm gesagt: "Herr Schön, ganz gut, aber ich habe da auf dem Nebenplatz einen Außenstürmer gesehen, der ist echt super." Da hat Schön bedröppelt dreigeschaut. Ironie mochte der gar nicht.
11 Freunde: Bereuen Sie es eigentlich manchmal, dass Sie sich solche Scherze nicht verkniffen haben? Angepasster hätten Sie sicherlich mehr Länderspiele gemacht.
Dörfel: Einige Dinge würde ich heute vermutlich nicht mehr so machen. Wissen Sie, mein Vater hat mir noch im Testament Vorwürfe gemacht. Der konnte es bis zuletzt nicht verknusen, dass ich Länderspiele abgesagt habe. Doch ich hatte manchmal einfach keine Lust.
11 Freunde: Gab es für Sie noch etwas anderes außer Fußball?
Dörfel: Andere liefen seit Babytagen mit Lollis rum, wir Dörfels liefen seit der Geburt mit einem Ball durch die Gegend. Doch es gab nicht nur Fußball. Es gab die Musik, und es gab die Frauen. Ich war bekanntlich kein Kussverächter. Allerdings konnten meine Freundinnen nie etwas mit Fußball anfangen. Sie wollten romantische Abende im Kerzenschein – und sie wollten heiraten. Ich war aber lange Zeit kein Freund der Ehe.
11 Freunde: Und heute sind Sie auch verheiratet.
Dörfel: Das stimmt. Und daher muss ich auch ab und zu mal seriös rüberkommen. (lacht) Mein Sohn Steffen ist übrigens gar kein Freund von dem Clownsgehabe, der sagt immer: "Papa, dafür bist du zu alt."
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