Von Frieder Pfeiffer, Stuttgart
Es sollte der erste Ernstfall im Jahr 2009 werden, der Härtetest für die anstehende Rückrunde, die der FC Bayern am liebsten mit drei Titeln beenden würde. Ein Test war dieses Achtelfinale im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart durchaus - hart war er jedoch ganz und gar nicht.
Der Besuch in der Mercedes-Benz-Arena wurde für den Meister zum Spaziergang in einem inoffiziellen Rekordspiel. Eine Trainingspartie vor 55.500 Zuschauern dürfte es im deutschen Fußball noch nicht gegeben haben. Mehr war dieses lockere 5:1 (3:0) für die siegreichen Münchner nicht.
Torschützen Ribéry (r.), Schweinsteiger: Spaziergang im Trainingsspiel
"Die Konkurrenz weiß jetzt, wo der FC Bayern steht", tönte Manager Uli Hoeneß. Und Trainer Jürgen Klinsmann wusste: "Jeder überlegt sich nun genau, wie er gegen uns bestehen kann." Diese Überlegungen sehen sie beim FC Bayern als positives Signal. Denn: "Beim Gegner spielt sich vieles im Kopf ab", so Klinsmann, "und dieses Spiel war ein Zeichen." Stürmer Luca Toni, der von einem "schönen 5:0-Sieg" sprach, ergänzte mit einem Lächeln: "Wir haben gezeigt, wie ernst wir es meinen." Die angesprochene Konkurrenz in Hoffenheim, Hamburg, Leverkusen und Schalke wird dieses "Spiel aus einem Guss", wie es Hoeneß nannte, in jedem Fall nicht mit den besten Gefühlen verfolgt haben.
Nicht nur erfolgreich, sondern auch überaus selbstbewusst beendete der FC Bayern also die Trainingseinheit 15 Minuten vor dem Abpfiff, die Videowand im Stuttgarter Stadion verzichtete zu diesem Zeitpunkt schon lange auf das Anzeigen des aktuellen Zwischenstands. Bastian Schweinsteiger (14./54. Minute), Franck Ribéry (16.), Luca Toni (43.) und Zé Roberto (59.) hatten zuvor fünf der zahlreichen guten Möglichkeiten zu einer auch in der Höhe verdienten Führung genutzt und dabei das gezeigt, was sich Klinsmann für seine Mannschaft in keiner PowerPoint-Präsentation besser hätte ausdenken können - eine Optimal-Vorlage für eine perfekte zweite Saisonhälfte in Meisterschaft, Pokal und Champions League.
Flink und aggressiv wurde der Gegner unter Druck gesetzt und zielstrebig die resultierenden Ballverluste der Stuttgarter in eigene Chancen umgewandelt. Hoeneß hatte "viel Spaß beim Zuschauen". Er sprach von einer "Demontage", einem Auftritt, der so trotz guter Vorbereitung nicht zu erwarten gewesen wäre. Doch trotz aller Lobeshymnen sieht der Manager Redebedarf. Lieblingsschüler Ribéry habe wieder einen Auftritt aus der Reihe "cirque de soleil" gehabt. Flapsigkeiten, wie den Elfmeter, den der Franzose nicht zur entscheidenden 3:0-Führung nutzte, sondern arrogant in die Arme von VfB-Keeper Jens Lehmann schlenzte (22.), sieht Hoeneß gar nicht gerne: "Das muss er abstellen."
Spaß auf der Rückfahrt
Doppeltorschütze Schweinsteiger ("ein leichter Job") gab preis, dass diese Aktion auch zu einer etwas lauteren Halbzeitansprache geführt habe. So schoss und verwandelte er den zweiten Elfmeter - auch wenn Ribéry sich gerne noch einmal versucht hätte. An so einem Tag sind solche Dinge jedoch auch beim FC Bayern eher Schmankerl denn Konfliktpotential. Kommende Auftritte, angefangen beim Rückrundenauftakt am Freitag gegen den Hamburger SV (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), sollen davon nicht betroffen sein. "Auf der Rückfahrt werden wir wieder viel Spaß haben", sagte Schweinsteiger, angesprochen auf seinen französischen Kollegen.
Die Vorbereitung, die diesmal in kompletter Mannschaftsstärke absolviert werden konnte, wie Philipp Lahm und Klinsmann betonten, scheint dem FC Bayern durchaus gutgetan zu haben. Ein holpriges Hineinstolpern wie zu Saisonstart ist dem Meisterschaftsfavoriten beim bösesten Willen in der Rückrunde nicht zuzutrauen. Denn so einfach es die Stuttgarter ihren Gästen machten, so schwer machten es die Münchner dem VfB. "Wir waren einerseits schlecht, die Bayern aber andererseits auch sehr gut", sagte VfB-Torjäger Mario Gomez und zeigte damit, wo die Wahrheit wohl zu finden ist.
Babbels Fehler
Nichtsdestotrotz sprach Stuttgarts Trainer Babbel seinem Team alles ab, "was wir uns vorher vorgenommen hatten". Für weitere Analysen wollte er erst noch einmal eine Nacht vergehen lassen, so tief saß die Niederlage. Auch ohne Erläuterungen wurde aber deutlich, dass der junge Übungsleiter nicht unschuldig an seiner ersten Niederlage als VfB-Coach war. Yildiray Bastürk als hängende Spitze aufzustellen, erwies sich als Fehlgriff, zudem bewiesen Martin Lanig und Ciprian Marica in der zweiten Hälfte, dass sie einen Platz in der schwäbischen Startelf verdient gehabt hätten.
"Hungriger" sei der Gegner gewesen, bilanzierte Stuttgarts Manager Horst Heldt. Was insofern stimmte, als sein eigenes Team schwerfällig wie von zu vielem Essen wirkte. In den abschließenden 15 Minuten gestatteten die Bayern dem Gastgeber immerhin noch ein lockeres Angriffstraining. Gomez nutzte dies zum 1:5 (85.). Mehr war nicht drin.
Mutlos und ängstlich sei man aufgetreten, sagte Babbel dann noch. Zwei Stühle weiter grinste Klinsmann. Genau das sollte die Nachricht an alle kommenden Gegner sein: Dieser FC Bayern macht Angst. Und ein furchteinflößender FC Bayern ist ein erfolgreicher FC Bayern.
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