Von Benjamin Knaack
Mehr als 120 Minuten lang kommentierten die Moderatoren des TV-Senders "Sky" lautstark das Geschehen der Champions-League-Partie zwischen dem AS Rom und dem FC Arsenal, feierten jeden Angriff der Roma frenetisch. Doch als Mittelfeldspieler Max Tonetto den letzten Elfer für die Italiener mit links in den Nachthimmel schoss, kam nur noch ein "No!".
Jubelnde Arsenal-Spieler: Englische Dominanz
Mit dem AS Rom war auch der letzte noch in der Champions League verbliebene italienische Club im Elfmeterschießen ausgeschieden. Etwa vierzig Minuten vorher hatte sich bereits Inter Mailand mit einer 0:2-Niederlage in Manchester aus dem internationalen Wettbewerb verabschiedet. Am Dienstag war Juventus Turin am FC Chelsea gescheitert. Alle drei italienischen Mannschaften mussten sich der englischen Übermacht geschlagen geben. Zum ersten Mal seit der Saison 2001/02 findet die Viertelfinal-Phase ohne eine Mannschaft aus Italien statt. "Eine Nullnummer in Europa", titelte die "Tuttosport". Nur noch im Uefa Cup gibt es einen italienischen Vertreter: Udinese Calcio spielt im Achtelfinale gegen Zenit St. Petersburg (20.45 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE).
Die Zeiten der italienischen Dominanz im Europapokal sind lange vorbei. Gab es in den neunziger Jahren fast kein Finale ohne italienische Beteiligung, war in den vergangenen Jahren allein der AC Mailand noch ein etabliertes Mitglied in der Spitze der Königsklasse.
Für die anderen italienischen Vertreter war hingegen wenig zu holen. Während Milan 2007 den Pokal gewann, schied 2008 mit dem AS Rom der letzte italienische Club bereits im Viertelfinale aus - der AC hatte wegen Punktabzügen (Manipulationsskandal) und schlechter Leistungen in der Serie A die Qualifikation verpasst. Milans Stadtrivale Inter kam in den vergangenen fünf Jahren nie über das Viertelfinale hinaus.
| Achtelfinale Champions League | ||
| BEGEGNUNG | HIN | RÜCK |
| Arsenal - AS Rom | 1:0 | 7:6 n.E. |
| Inter Mail. - ManU | 0:0 | 0:2 |
| Atl. Madrid - Porto | 2:2 | 0:0 |
| Lyon - FC Barcelona | 1:1 | 2:5 |
| S. Lissabon - Bayern | 0:5 | 1:7 |
| Chelsea - Juventus | 1:0 | 2:2 |
| Villarreal - Pan. Athen | 1:1 | 2:1 |
| Real M. - Liverpool | 0:1 | 0:4 |
Am Rande der Partie des FC Arsenal beim AS Rom wurde zudem ein englischer Fan von zwei römischen Hooligans in einem Bus angegriffen und ins Bein gestochen. Es bestand jedoch keine Lebensgefahr. Zwei weitere Arsenal-Fans wurden am Kopf verletzt. Die Uefa forderte nach dem Vorfall von der italienischen Polizei, die Sicherheitsmaßnahmen mit Blick auf das Champions-League-Finale am 27. Mai im Olympiastadion von Rom deutlich zu verbessern. Eine Verlegung des Endspiels zieht die Uefa jedoch nicht in Betracht.
Ganz anders hingegen die sportliche Entwicklung in England. Nachdem nun im zweiten Jahr in Folge alle Teams von der Insel den Sprung unter die besten Acht geschafft haben, kann man mit gutem Gewissen von einer Dominanz der Premier League sprechen. "England kann sehr stolz sein, das zweite Jahr in Folge mit vier Teams im Viertelfinale zu stehen", sagte Arsenals Teammanager Arsène Wenger nach dem Sieg gegen den AS Rom, wollte aber auch die italienische Leistung gewürdigt wissen: "Wir dürfen uns nicht in Sicherheit wiegen, in allen englisch-italienischen Duellen war es sehr eng. Deshalb werden die Italiener sicher zurückkommen."
Seit der Saison 1996/97 war in jeder Viertelfinal-Phase mindestens ein englischer Club aktiv, zudem waren sieben der letzten acht Champions League-Halbfinals mit englischer Beteiligung. In den letzten vier Finalspielen stand jedes mal ein Premier-League-Club, dabei sprangen zwei Titel für die Insel-Vertreter heraus. Den letztjährigen Sieger machten mit dem FC Chelsea und Manchester United zwei englische Vereine unter sich aus. Das Team von Alex Ferguson hat mit dem gestrigen Sieg gegen Inter zudem einen alten Europacup-Rekord gebrochen. 21 Spiele in Folge ist ManU nun ungeschlagen.
Der bisherige Rekordhalter hatte 20 Partien ohne Niederlage bestritten - es war Juventus Turin.
mit Material des sid und der dpa
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