Frankfurt - Am Samstag feierte er seinen 53. Geburtstag, und wie das so ist unter Fußballern: Wenn die eigene Mannschaft an so einem Tag spielt, dann gilt ein Sieg als das schönste Geschenk.
Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt, hat es nicht erhalten.
Nach den 90 Minuten stand es 1:1. Und was sagte Fischer nach dem Spiel? "Das Dorf hat 30 Minuten Alarm gemacht, aber dann hätte das Dorf verlieren müssen."
Das Dorf Hoffenheim also.
"Dazu äußern wir uns nicht", sagte Hoffenheims Pressesprecher Markus Sieger auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. "Wir konzentrieren uns lieber auf das Sportliche", so Sieger.
Fischer seinerseits hatte in der "Frankfurter Rundschau" vor der Begegnung schon kundgetan, was er vom Gegner und dem großen finanziellen Einfluss von Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp hält. "Es ist doch klar, dass wir nicht glücklich sind über das Modell Hopp. Für den Wettbewerb ist das nicht gut."
Dabei hat Fischer ja recht. Mit dem Dorf jedenfalls. Denn das ist Hoffenheim, aus dem der Club stammt, der Aufsteiger, der lange Zeit sogar der Tabellenführer der Bundesliga gewesen ist, auch wenn das Hoffenheim aus dem Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg seit dem 1. Juli 1972 nach Sinsheim eingemeindet ist. Und Sinsheim eine Stadt ist.
Aber wäre nicht ein bisschen mehr Respekt vor dieser Mannschaft angebracht? In Hälfte eins jedenfalls wirkten die Frankfurter wie das Kaninchen vor der Schlange. So sahen die 51.500 Zuschauer in der Arena innerhalb eines Spiels "die schwächste Halbzeit" des Heimteams, wie Fischer zugab. Nach der Pause aber auch "die beste Halbzeit der Eintracht in dieser Saison", wie Fischer ebenfalls feststellte.
Warum in den zweiten 45 Minuten alles besser war als vor dem Seitenwechsel, dafür hatte Manndecker Marco Russ eine simple Erklärung: "Man hat gesehen: Wenn man den Hoffenheimern richtig wehtut, dann können sie auch ihr Spiel nicht aufziehen." Umkehrschluss: Tritt man den Aufsteiger nicht auf die Füße, dann passiert so etwas wie in der zehnten Spielminute, als Carlos Eduardo das 1:0 markierte und es danach nur noch eine Frage schien, wann Hoffenheim vor der Pause das zweite Tor gelingen würde.
In den ersten 30 Minuten, kritisierte Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel später, "sind wir nur begleitend nebenher gelaufen. Dafür muss man der Mannschaft einen schweren Tadel aussprechen. Aber das Zurückkommen, das ist schon ein sehr großes Lob wert." Selbst Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick fand anerkennende Worte: "Phantastisch, wie die Eintracht zurückgekommen ist."
Als Michael Fink in der 47. Minute zum Ausgleich für die Eintracht einköpfte, kippte die Partie. Frankfurt drückte und hätte sogar gewinnen können, doch Martin Fenin traf kurz vor Ende der Partie nur die Unterkante der Latte. Auch Alexander Meier und Markus Steinhöfer hatten Chancen, die Führung zu erzielen. "Das hätten alles Tore sein können", ärgerte sich Funkel. "Ich bin heute zum ersten Mal in der Saison von den Jungs ein Stück weit enttäuscht", sagte Rangnick indes über die Leistung seiner Mannschaft.
"Das war ein Punkt für die Moral. Aufgrund der zweiten Halbzeit wäre mehr drin gewesen", sagte Torschütze Fink. "So richtig hilft es uns da unten nicht raus. Wir müssen auch mal einen Dreier setzen." Zumal die Eintracht, derzeit auf Rang zwölf der Tabelle zu finden, nun die schweren Auswärtsspiele in Leverkusen und bei Bayern München hat, dazwischen gegen Abstiegskandidat Energie Cottbus und danach gegen Borussia Mönchengladbach antritt.
Alles keine Dörfer auf der Landkarte.
mti/mig/dpa
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