Was Felix Magath, Heribert Bruchhagen, Martin Kind und Jan Schindelmeiser gemeinsam haben, ist zweifellos eine der schwierigeren Quizfragen, die man zur Bundesliga stellen kann. Denn wer würde schon auf Anhieb darauf kommen, dass alle vier sportliche Leiter beziehungsweise Manager bei ihren Clubs sind. Doch allein daran sieht man schon, mit was für einem seltsamen Beruf wir es bei dem des Fußballmanagers zu tun haben.
Magath führt den Job in Wolfsburg nach englischem Vorbild als Trainermanager, während Vereinspräsident Kind in Hannover kommissarisch die Vakanz füllt, die nach dem Abgang von Christian Hochstätter entstanden ist.
Bruchhagen ist in Frankfurt ein Veteran des Managerwesens, er hat den Job in über 25 Jahren schon bei unterschiedlichen Vereinen bekleidet, und Schindelmeiser ist in Hoffenheim einer aus der neuen Generation der Fachmänner - ohne Meriten als Spieler.
Der Manager ist nominell in einem Fußballclub der Leiter aller sportlichen Geschicke, aber gelernt haben muss er nichts. Es gibt zwar eine Trainerausbildung, die man absolvieren muss, wenn man in der Bundesliga arbeiten will. Markus Babbel ist beim VfB Stuttgart bekanntlich gerade mit diesem Problem konfrontiert. Doch die Vorgesetzten dieser Trainer müssen keine formale Qualifikation vorweisen. Fußballmanager müssen keine Studien absolvieren, keine Lehren durchlaufen und Prüfungen ablegen.
In den achtziger Jahren entstand dieser Beruf mal als ein Ausweis für die Professionalisierung in der Bundesliga, inzwischen kann man an ihm festmachen, wie unprofessionell es im deutschen Profifußball zugeht. Wenn es keinen Ausbildungsweg zum Managerposten gibt, kann ihn eigentlich jeder machen, dessen Namen man irgendwie kennt. Bei der Besetzung einer der wichtigsten Posten in einem Club siegt daher oft Gefühl über Verstand, alte Anhänglichkeiten oder die Aura über Abwägungen von Qualitäten. Statt um Inhalte debattiert man um Namen.
Macht es wirklich Oliver Kahn in Schalke oder wird sich der Club doch noch mit seinem alten Trainer Huub Stevens einig? Oder gibt es doch die unbekannten Mister X und Mister Y, mit denen der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies gesprochen haben will?
Selbstverständlich kann man die Frage stellen, ob Kahn nach Gelsenkirchen passt oder Trainer Stevens auch ein Manager Stevens sein könnte?
Man kann aber auch danach fragen, was der sportliche Leiter eines großen Bundesligaclubs eigentlich können sollte. Dann würde man auf so wenig aufregende Dinge wie die Vertragsgestaltung bei den Profis kommen, die Koordination zwischen Nachwuchsteams und Profiabteilung oder die Organisation des Scoutings. Von der Beibringung von Spielberechtigungen oder der Auswahl von Trainingslagern ganz zu schweigen.
Gut wäre es auch, den nationalen und internationalen Spielermarkt so zu kennen, dass man nicht immer auf die Angebote von Spielervermittlern angewiesen ist. Man sollte die Qualität von Spielern präzise einschätzen können, und wie sie zu einer Mannschaft passen. Verhandlungsgeschick wäre auch nicht schlecht, denn da gibt es eine Menge Geld zu sparen. Der Manager sollte dem Trainer sowohl den Rücken stärken, wie die Interessen des Vereins vielleicht auch mal gegen dessen durchsetzen.
Er sollte außerdem gut mit Medien umgehen können und Stimmungen um den Club in dessen Sinne beeinflussen. Diese Auflistung hat es in sich und ist nicht einmal annähernd komplett. Wir haben es also mit einem komplizierten Job zu tun, der sowohl ein tiefes Verständnis von Fußball als auch viel Erfahrung im Umgang mit Menschen erfordert.
Beim FC Schalke 04 übrigens steht auch noch auf dem Aufgabenzettel, dass in den kommenden Monaten eine ganz neue Mannschaft zusammengestellt werden muss, die deutlich billiger ist und trotzdem eine große Erfolgsperspektive haben muss.
Das ist eine Aufgabe, die einen echten Meister erfordert und die Frage aufwirft, ob ein Titan wie Kahn dazu wirklich reicht.
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