Hamburg - Die Neubesetzung des Manager-Postens beim FC Schalke 04 steht offenbar kurz bevor. Aussichtsreicher Kandidat bleibt der frühere Nationaltorwart Oliver Kahn. "Wir werden eine Entscheidung im Laufe der nächsten Woche fällen", kündigte der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies am Sonntag beim TV-Sender Premiere an.
Am vergangenen Donnerstag hatte er sich mit Kahn zu Sondierungsgesprächen in Rheda-Wiedenbrück getroffen. "Kahn wäre ein Guter. Mehr gibt es nicht dazu zu sagen", sagte Tönnies. Nach Angaben des Aufsichtsratschefs hat Schalke bislang vier Bewerber in die engere Wahl genommen: "Kahn hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen, aber die anderen Kandidaten auch."
Matthias Sammer, Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), soll ebenfalls ein möglicher Kandidat gewesen sein, gab den Schalkern aber einen Korb. "Ich halte ihn für sehr geeignet. Ich habe ihn zweimal gefragt, aber er ist zu sehr beim DFB eingebunden", sagte Tönnies. Sammer betonte bei dem gemeinsamen TV-Interview vor der Niederlage des FC Schalke gegen den Hamburger SV, dass er seine Aufgaben beim DFB fortsetzen werde. "Schalke ist ein guter Club, seriös geführt - sie werden einen guten Manager finden", sagte Sammer
Der einstige Schalke-Manager Rudi Assauer hält unterdessen wenig von den Plänen, Kahn zum Nachfolger von Andreas Müller zu machen: "Der Club ist sportlich zuletzt dermaßen aus den Fugen geraten, dass er eigentlich einen Meister oder mindestens Gesellen und keinen Lehrling braucht. Das spricht gegen Kahn. Er hat ja überhaupt noch keine Erfahrung in dem Job", sagte Assauer der "Bild am Sonntag".
Für seinen früheren Club, den FC Bayern, scheint Kahn aktuell kein Thema zu sein. Aber für andere Vereine nach Meinung der Münchner Führungskräfte ein geeigneter Manager-Kandidat. "Ich kann Schalke zu dieser Wahl nur gratulieren. Das könnte passen", kommentierte Karl-Heinz Rummenigge bereits am Samstag das Werben des Revierclubs um die Dienste von Kahn.
Die Nachricht, dass der Novize nun vielleicht die Chance erhält, bei einem Liga-Konkurrenten zu reifen, ließ Bayern-Manager Uli Hoeneß nur vordergründig kalt: "Wir werden einen Teufel tun und das kommentieren", sagte er zunächst, konnte sich dann aber eine Wertung doch nicht verkneifen: "Wenn er jetzt in Schalke unterschreiben würde, wäre das ja nicht für 100 Jahre, sondern für drei - nehme ich mal an. Das heißt ja nicht, dass er nicht doch irgendwann zu Bayern kommen könnte."
Trotz aller Zweifel traut auch Assauer dem umworbenen Kahn einen erfolgreichen Einstieg in das neue Berufsfeld zu. "Er kann es auf Schalke packen. Allerdings braucht besonders er den schnellen Erfolg. Weil Oliver von den 'verhassten' Bayern kommt. Und weil viele Anhänger immer noch ganz tief in der Birne haben, dass er uns 2001 den Titel in der letzten Sekunde weggeschnappt hat." Dass einige Schalke-Fans eine möglichen Verpflichtung von Kahn kritisch sehen, zeigte auch ein Plakat, das während des Spiels gegen den HSV in der Schalker Arena zu sehen war.
wit/dpa/sid
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