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30.03.2009
 

Sammlerstücke

Weißwürste auf der Kochplatte

Schuhe und Pokale: Michael Rummenigge sammelt alles aus den achtziger Jahren. Im Magazin "11 FREUNDE" erzählt der Ex-Profi die Geschichte zu seinen Sammlerstücken - warum Karl Del'Haye ihn durch die Kabine jagte und wie ein Auswärtssieg kulinarisch verfeinert wurde.

In der Saison 1983/1984 gab es beim FC Bayern drei Kabinen: die A-Kabine mit Breitner und seinen Männern, die B-Kabine mit Dieter Hoeneß oder Wolfgang Dremmler und die C-Kabine für die Jungspunde. Wir ließen damals keine modische Schandtat aus. Ich hatte eine blonde Popperwelle, Kalle Del'Haye trug immer einen Adidas-Trainingsanzug.

Ex-Bayern-Profi Michael Rummenigge (l.): A-, B- und C-Kabine
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Getty Images

Ex-Bayern-Profi Michael Rummenigge (l.): A-, B- und C-Kabine

Nur einmal erschien er zivil gekleidet mit Jeans und hatte weiße Slipper an. Wir haben gewartet, bis er auf dem Trainingsplatz war, und die Schuhe mit einem Edding verziert: natürlich mit drei schwarzen Streifen. Nach dem Training hat er fast einen Herzinfarkt bekommen und jagte uns durch die Kabine. Wir mussten ihm die Schuhe bezahlen.

Leider habe ich diese Treter heute nicht in meiner Sammlung, dafür aber meinen Schuh aus dem Pokalfinale 1984. Damit habe ich den entscheidenden Elfmeter gegen Gladbach verwandelt. Es war mein erster Titel. Bodo Müller, ein Bäckermeister aus München, hat die Schuhe hinterher vergoldet und in sein Schaufenster gestellt.

Jedes Sammelstück erzählt eine Geschichte, auch der Miniaturpokal. Im Pokal-Halbfinale 1986 spielten wir gegen Waldhof Mannheim. Wir gewannen in Ludwigshafen und sind mit dem Bus zurückgefahren.

Unser Busfahrer hatte alles mit Weißbier vollgeladen und zum ersten Mal gab es an Bord einen französischen Tischkocher, um Weißwürste zuzubereiten. Es ging richtig die Post ab, Alkohol und Adrenalin schwappten durch den Bus. Hansi Pflügler hat bei dieser Fahrt ein neues Lied angestimmt: "Mir san mir, wir sind stärker wie die Stier."

Mit diesem Gefühl haben wir dann auch das Finale gegen Stuttgart gewonnen. 1985, 1986 und 1987 sind wir dreimal hintereinander Meister geworden. 1987 war es die zehnte Meisterschaft für den FCB. Jeder Spieler bekam vom Club, auf einer fröhlichen Feier am Starnberger See, eine goldene Meisterschale überreicht. Mit dabei war wie immer Franz Josef Strauß. Das gehörte in Bayern einfach dazu; damals hatte die CSU Quoten von 70 bis 80 Prozent.

Wir haben nie Fußball für die Politik gespielt. Wir sind zu manchen Auswärtsspielen aber in Lederhosen angereist, trugen die im Mannschaftshotel und bei der Platzbesichtigung. Deshalb ist der berühmte Schlachtruf überhaupt erst aufgekommen!

Nur einmal konnte uns auch die CSU nicht helfen. Weil 1984 im Pokalfinale keiner mit einer Verlängerung gerechnet hatte, standen wir zu spät am Frankfurter Flughafen. Der Ministerpräsident hätte das Nachtflugverbot aufheben können, doch Uli Hoeneß hat Strauß diesmal nicht ans Telefon bekommen. Wir mussten also nach Nürnberg fliegen und mit dem Bus weiter.

Da es an Bord keine Getränke gab, sind wir an der ersten Raststätte raus und haben Bier und Schampus in rauen Mengen eingekauft. Die Folge: Wir waren erst gegen zwei Uhr im "Käfer". Um vier Uhr bin ich im Stuhl eingeschlafen. Morgens bin ich aber früh aufgestanden, habe alle Zeitungen vierfach gekauft und an meine Eltern in Lippstadt geschickt. Zu der Zeit hatte man ja noch nicht einmal einen Videorekorder.

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