SPIEGEL ONLINE: Herr Frank, nach Ihrer Entlassung beim SV Wehen-Wiesbaden sind in der "Bild"-Zeitung Auszüge aus Ihrem Vertrag sowie die Höhe Ihrer Bezüge abgedruckt worden. Wie erklären Sie sich das?
Frank: Etwas Annäherndes ist mir während meiner 25-jährigen Trainertätigkeit noch nie passiert. Es muss Maulwürfe innerhalb des Vereins geben, die mir persönlich schaden wollen, nach dem Motto: Der Mann hat so viel Geld bekommen und nichts dafür geleistet. Ich habe meinen Anwalt eingeschaltet. Auch die Verantwortlichen von Wehen haben mir zugesagt, nach der undichten Stelle zu fahnden.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben sieben Pflichtspiele hintereinander verloren. Musste der Verein da nicht die Reißleine ziehen?
Frank: Für mich ist das Aktionismus. Es sind noch neun Begegnungen, und die Mannschaft ist noch längst nicht abgestiegen. Und was die sieben Spiele betrifft: Gegen Mannschaften, die oben stehen wie Duisburg, Nürnberg, Freiburg und Mainz, haben wir gut ausgesehen, nur äußerst unglücklich verloren.
SPIEGEL ONLINE: Aber gegen Konkurrenten im Abstiegskampf wie Koblenz, Ahlen und dem FSV Frankfurt ziemlich kläglich verloren.
Frank: Das stimmt zwar. Trotzdem waren wir auf einem guten Weg, dabei bleibe ich. Abstiegskampf ist eben ein Geduldspiel, da braucht man einen langen Atem. Die Mannschaft war nach einem guten ersten Jahr in der Zweiten Liga dem Druck des Abstiegskampfes mental nicht gewachsen. Aber zusammen mit meinem Psychologenteam waren wir dabei, diesen Druck nach und nach abzubauen. Den Verantwortlichen ging es nur nicht schnell genug.
SPIEGEL ONLINE: Warum haben Sie den Kapitän abgesetzt und vier Spieler, darunter erfahrene Profis, in die zweite Mannschaft verbannt? Gebracht hat es doch nichts.
Frank: Es war ein Versuch. Die Hierarchie in der Mannschaft hat nicht gestimmt, und einige haben nicht so mitgezogen, wie ich mir das vorgestellt habe.
SPIEGEL ONLINE: Sie gelten als erfahrener Taktiker, hatten beispielsweise vor Jahren als einer der ersten deutschen Trainer die Raumdeckung eingeführt. Trotzdem änderte sich auch nach Ihrem Amtsantritt in Wiesbaden taktisch nur wenig: Passspiel im Mittelfeld fand kaum statt, die Bälle wurden meist hoch und weit nach vorne zu den heillos überforderten Spitzen gedroschen. Warum haben Sie dieses leicht durchschaubare System nicht geändert?
SPIEGEL ONLINE: Keine Zweitliga-Mannschaft hat seltener getroffen als Ihre ehemalige Truppe. Fehlt es einfach an Qualität, sind die Spieler zu schlecht für die Zweite Liga?
Frank: Von den Gehältern her liegt der Verein am unteren Ende der Liga. Trotzdem ist die Mannschaft meiner Meinung nach konkurrenzfähig, sonst hätte ich mich überhaupt nicht auf den Job eingelassen. Die schlechte Torquote hängt damit zusammen, dass die Spieler, insbesondere die Stürmer, im Kopf nicht frei sind. Es fehlt an Selbstvertrauen, auch an Mut zum Risiko. Man sieht ja selbst an einem Klassestürmer wie Gomez, wie viel im Fußball Kopfsache ist.
SPIEGEL ONLINE: Trauen Sie der Mannschaft, die jetzt vom ehemaligen Kapitän Sandro Schwarz trainiert und aufgestellt wird, noch den Klassenerhalt zu?
Frank: Wenn der Knoten platzt, wenn etwa die nächsten Spiele gegen St. Pauli und Ingolstadt gewonnen werden, ist alles möglich. Ich drücke jedenfalls die Daumen.
Das Interview führte Bruno Schrep
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